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Eine Querungshilfe an der viel befahrenen B2 in Spatzenhausen soll Fußgängern mehr Sicherheit bringen. 

Aloisia Gastl ist einzige Bewerberin ums Bürgermeisteramt

Spatzenhausen – das Dorf in Frauenhand

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Spatzenhausen ist das einzige Dorf im Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit zwei Frauen an der Spitze. Bürgermeisterin Aloisia Gastl bringt weiblichen Stil ins Rathaus. Bevor sie den Posten besetzt hat, ereilte Spatzenhausen ein tragisches Ereignis.

Update, 27. März: Am 29. März ist Stichwahl in mehreren Kommunen im Landkreis. Alle Ergebnisse, News und Reaktionen lesen Sie hier live im Wahl-Ticker für die Region Garmisch-Partenkirchen.

Spatzenhausen – Die Zäsur im Rathaus kam plötzlich. Im Sommer 2017 starb Spatzenhausens Rathaus-Chef Georg Wagner mit 64 Jahren. Wagner war seit 1994, also eine Ewigkeit, im Amt und damit dienstältester Bürgermeister im Landkreis gewesen. Seine Stellvertreterin rückte nach – erst kommissarisch, dann von den Spatzenhausern gewählt: Aloisia Gastl. Ihren Posten als Zweite Bürgermeisterin übernahm Angelika Geißlinger. Spatzenhausens Rathaus befindet sich seitdem fest in Frauenhand – das ist einmalig im Landkreis, und das hatte es zuvor auch noch nie gegeben.

Gastl, die erste Erste Bürgermeisterin im Ort, brachte weiblichen Stil ein, der sich nicht nur in der aparten Deko ihres Büros äußert. Sie sei „um Ausgleich bemüht“, sagt die 61-Jährige, die bei der Wahl am 15. März einzige Bewerberin ums Bürgermeisteramt in der Gemeinde mit den drei Ortsteilen Spatzenhausen, Hofheim und Waltersberg ist. Natürlich gehören Debatten zur Politik – doch heftige Auseinandersetzungen, die sich nicht mehr nur um die Sache an sich drehen, sind Gastls Sache nicht. „Mit Streitereien“, sagt sie, „geht manchmal so viel Energie verloren.“ Die gelernte Industriekauffrau pflegt einen offenen Umgang, versucht, andere einzubeziehen – und empfindet die Stimmung im Gemeinderat im Vergleich zu früheren Jahren als anders. Der Umgang miteinander habe sich gewandelt, meint Gastl – zum Positiven.

Sie hat den Sprung ins kalte Wasser gut überstanden, sich eingearbeitet, die Herausforderung angenommen. „Ich möchte es gut und richtig machen“, sagt Gastl. Die Amtszeit seit 2017 sieht sie als Übergangsperiode. Große Projekte wie der Bau von Feuerwehr- und Leichenhaus in Hofheim oder die Sanierung der maroden Gemeindeverbindungsstraße Hofheim-Obersöchering liefen noch unter Wagners Ägide.

Alle Kandidaten im Überblick

Nun haben sich die Verantwortlichen diverse Vorhaben vorgenommen. Die Sanierung des südlichen Bereichs der Hofheimer Dorfstraße im Rahmen der Dorferneuerung steht noch aus, weil im gleichen Aufwasch in den Kanal investiert werden muss. Überhaupt soll in den nächsten Jahren nach Angaben Gastls viel Geld an diversen Stellen in die Wasserver- und -entsorgung fließen. Im Haus des Gastes, dessen Außenfassade 2019 einen Anstrich erhielt, gilt es, Heizungs- und Lüftungsanlage zu erneuern. Längerfristig schwebt Gastl eine intensivere Nutzung, eine „Belebung“ des Objekts vor – etwa als Mehrgenerationenhaus. Das ist eine Vision, „an die man mal denken könnte“, sagt Gastl – allerdings wohl eher langfristig.

In der anstehenden Periode will sie vielmehr den Schlusspunkt hinter eine schier unendliche Geschichte setzen: die seit zahlreichen Jahren diskutierte, aber nie realisierte Querungshilfe an der stark befahrenen Bundesstraße 2. Diese soll auf Höhe der Einmündung Hofheimer Straße entstehen und mehr Sicherheit für Fußgänger bringen. Anwohner mit kleinen Kindern brachten die Forderung erneut aufs Tapet. Gastl sieht Handlungsbedarf, „hier müssen wir etwas machen“, unterstreicht sie. Ein neues Rückhaltebecken in der Nähe des Pumpenhauses, das man aktuell anpacken will, soll verhindern, dass Niederschlagswasser in größeren Mengen Richtung Eglfing fließt. Kostenpunkt: etwa 60 000 bis 70 000 Euro.

Zudem ist die mit 750 Einwohnern zweitkleinste Landkreis-Gemeinde mittlerweile Eigentümerin eines Seegrundstücks. 90 000 Euro zahlte Spatzenhausen 2018, als es von seinem Vorkaufsrecht für ein 3600 Quadratmeter großes Areal (Gastl: „Bruggers Hundebadeplatz“) Gebrauch machte. „Uns war wichtig, dass die Gemeinde Zugang zum Riegsee hat“, sagt die ehrenamtliche Bürgermeisterin. Ihr schwebt vor, den schmalen Streifen „im Freizeitbereich zu nutzen“.

Die landwirtschaftlich geprägte Kommune, die finanziell gut dasteht – die Pro-Kopf-Verschuldung lag zu Jahresbeginn bei sehr moderaten 217 Euro –, würden gerne weiter als Käufer auftreten: „Wir sind immer auf der Suche nach Grundstücken, damit wir ein Baugebiet schaffen können“, sagt Gastl. Hier gebe es einen massiven Mangel, der Druck sei hoch.

Im Gemeinderat, in dem Gastl aktuell „ein gutes Zusammenspiel“ sieht, darf sie auf Kontinuität hoffen. Sechs von acht Mandatsträgern stellen sich zur Wiederwahl. Alle Kandidaten finden sich auf einer einzigen Liste. Diese sei „bunt gemischt, auch von den Berufsgruppen her“, sagt Gastl. Allerdings ist Geißlinger die einzige Gemeinderats-Bewerberin. Doch es gibt ja noch Gastl, die Bürgermeister-Kandidatin. Sie wird, sollte sie im Amt bestätigt werden, weiter ihren weiblichen Stil im Rathaus einbringen.

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