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Mitten aus dem Leben gerissen: Spatzenhausens Bürgermeister Georg Wagner ist tot.

Überraschender Tod mit 64 sorgt für Erschütterung

Spatzenhausen trauert um Bürgermeister Wagner

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Nach dem plötzlichen Tod von Spatzenhausens Bürgermeister Georg Wagner (64) herrscht Fassungslosigkeit weit über die Dorfgrenzen hinaus. Wagner, dienstältester Bürgermeister im Landkreis, hinterlässt eine riesige Lücke. 

Spatzenhausen – Er erlebte unbeschwerte Stunden. Dann kam am frühen Sonntagabend nach einer Radtour und der Einkehr in einer Alm in der Nähe von Leutasch der Tod. Er hat Georg Wagner im Wortsinn mitten aus dem Leben gerissen, mit nur 64 Jahren: Da ist nicht nur ein amtierender ehrenamtlicher Bürgermeister gestorben, der Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Seehausen war und über Jahrzehnte ein Vollblut-Feuerwehrler, sondern auch ein sportlicher Familienvater, der nebenbei eine kleine Landwirtschaft betrieb. Und für viele ein Freund, den sie erst vor kurzem noch getroffen oder gesprochen hatten. Kreisbrandrat Johann Eitzenberger etwa: „Ich bin persönlich tief erschüttert“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. Und er fügt an, was so viele sagen: „Ich kann es gar nicht fassen.“ Am Donnerstag habe er mit Wagner telefoniert. Nun ist alles anders.

Das gilt für die Familie, für Freunde und Wegbegleiter. Aber auch für Wagners Heimatdorf, in dem er seit Juni 1994 Bürgermeister war – mehr als 23 Jahre lang. Die Spatzenhauser hatten ihn einst während einer laufenden Wahlperiode gekürt. Es ist kaum zu glauben: Auch Wagners direkter Vorgänger Nikolaus Singer war, was doch eigentlich nur selten vorkommt, als amtierender Bürgermeister gestorben. Nun steht Spatzenhausen vor der gleichen Situation wie damals: Innerhalb von drei Monaten muss ein neuer Rathaus-Chef für den Rest der Periode gewählt werden.

Verlust für den ganzen Landkreis

Damit endet im Dorf eine Ära. „Georg Wagner hat viel angepackt. Dabei war es nicht immer einfach, die drei Ortsteile in Einklang zu bringen“, weiß Landrat Anton Speer (Freie Wähler), der von einem „Verlust nicht nur für die Gemeinde Spatzenhausen, sondern für den ganzen Landkreis“ spricht. „Er hatte eine so ausgleichende Art und ein sehr großes Allgemeinwissen.“ Speer zeigt sich wie viele andere tief betroffen: „Sein Tod hat mich erschüttert. Ich konnte es erst gar nicht glauben.“

Wagner, der im Ortsteil Hofheim geboren wurde – Vater und Großvater waren dem Familiennamen entsprechend Wagnermeister, Georg kam als erstes von vier Kindern zur Welt –, hat die Gemeinde mit ruhiger Hand und leisen Tönen entscheidend geprägt. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Dorferneuerung, bei der die Dorf- als ehemalige Staatsstraße zurückgebaut und verschönert wurde, die Freigabe der Ortsumfahrung (Staatsstraße 2372), der Umzug der Gemeindeverwaltung ins komplett sanierte Schulgebäude, die Umgestaltung des Kindergartens, der Neubau von Leichen- und Feuerwehrgerätehaus sowie das Jubiläum 1250 Jahre Hofheim. „Es hat ihn tief im Innersten gefreut und bewegt, dass dabei alles so gut gegangen ist“, sagt Eitzenberger. Er empfand Wagner, der von 2002 bis 2008 dem Kreistag angehörte, als einen „ganz besonderen, fein- und tiefsinnigen, gläubigen Menschen, Ratgeber und Freund“.

Seine Kinder waren sein ganzer Stolz

Wagner und Eitzenberger einte die Verbundenheit zur Feuerwehr. Wie in der Politik bewies der mehrmals für seine Verdienste ausgezeichnete Wagner hier langen Atem und Führungspersönlichkeit. Er stieg in der Region auf: ab 1988 zum Kreisbrandmeister, von 1991 bis Ende 2015, als er mit dem Erreichen der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst ausschied, zum Kreisbrandinspektor; ab 2008 war er zudem ständiger Vertreter von Kreisbrandrat Eitzenberger. Wagner leitete herausragende Einsätze wie beim Großbrand des Uffinger Gasthofs zur Post und bei den diversen Hochwasserkatastrophen im Landkreis sowie in Dessau. „Georg Wagner war für mich ein aufrichtiger und in höchstem Maße ehrbarer und zuverlässiger Feuerwehrkamerad“, sagt Eitzenberger. Er ernannte den Hofheimer im vergangenen Jahr zum Ehrenkreisbrandinspektor – eine Auszeichnung, die schon Wagners Vater Albert zuteil geworden war.

Die Familie schien die wichtigste der tragenden Säulen in Wagners Leben. Seine vier Kinder, heute zwischen 19 und 23 Jahre alt und bis zuletzt sein großer Stolz, halfen Wagner neben dem Glauben, auch schwerste Schicksalsschläge mit bewundernswerter Stärke zu überstehen und den Blick weiter nach vorne zu richten. Im Frühjahr 2014 starb erst seine Frau Marianne, keine drei Wochen später sein Vater. Seine Mutter Anna verlor Wagner fast genau ein Jahr später. Um die pflegebedürftigen Eltern hatte er sich mit Aufopferung gekümmert – neben allen Verpflichtungen. Dank seiner Unterstützung konnten sie ihren Lebensabend zu Hause verbringen.

Nun fehlt er: der Familienvater, aber auch der Bürgermeister und VG-Vorsitzende. Zweite Bürgermeisterin Aloisia Gastl brach ihren Urlaub ab und wollte noch am Dienstag zurückkehren. VG-Geschäftsleiterin Elisabeth Mohr wird ihr nun erst einmal in allen Verwaltungsfragen zur Seite stehen. In der VG führt Markus Hörmann, der stellvertretende Vorsitzende, bis auf weiteres die Amtsgeschäfte. Erst wenn der Bürgermeister gewählt ist, kann der Posten des VG-Vorsitzenden neu vergeben werden. Ämter lassen sich nachbesetzen. Die Lücke, die der Mensch hinterlässt, bleibt für immer.

Die Beerdigung

Georg Wagner wird am Freitag, 11. August, zur letzten Ruhe gebettet. Der Leichnam wird nach alter Tradition im Haus aufgebahrt. Um 14 Uhr setzt sich der Trauerzug zum Friedhof in Hofheim in Bewegung, wo Wagner beigesetzt wird. Danach findet ein Requiem in der örtlichen Kirche St. Johannes Baptist statt.

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