Da war die Welt noch in Ordnung: (v. l.) Stefan Bues, Michael Manlik, Hans-Peter Burger, Gertraud Engelbrecht, Eike Fuhrmann, Elisabeth Hoechner und Benedikt Hoechner bei der Erarbeitung eines SPD-Leitbildes im Jahre 2007. Foto: Lory

SPD-Krise: Starke Rückendeckung für Manlik

Murnau - Der Ortsverein der Murnauer SPD steht vor einer Zerreißprobe. Der altgediente Gemeinderat Michael Manlik, der nach dem Willen des Vorstands aufs politische Abstellgleis gestellt werden soll, erhält Unterstützung von fünf alten Weggefährten.

Es war abzusehen, dass die jüngste Entscheidung der SPD-Führungsriege bei den Mitgliedern nicht nur auf Zustimmung stoßen, sondern auch heftige Gegenreaktionen hervorrufen wird. Die vier ehemaligen SPD-Gemeinderäte Gertraud Engelbrecht, Wolfgang Hübner, Rudolf Neudert und Herbert Sambale sowie Ex-Pressesprecher Eike Fuhrmann greifen den Vorstand in einem Leserbrief ans Tagblatt scharf an: „Wie die Spitze der Murnauer SPD nach 40 Jahren SPD-Mitgliedschaft, nach 30 Jahren herausragender Arbeit im Gemeinderat mit Michael Manlik umgeht, ist empörend, ist unanständig und un-(sozial)demokratisch.“

Wie bereits berichtet, hatte das Gremium beschlossen, Manlik sowie Ratsmitglied Hans-Peter Burger nicht mehr für die Kandidatenliste zur Kommunalwahl 2014 vorzuschlagen. Damit soll die Dauerkrise der Murnauer SPD endlich beigelegt werden. Für diese sind nach Ansicht vieler Genossen die beiden Kontrahenten hauptverantwortlich.

Das sehen die fünf SPD-Veteranen anders: „Wenn jetzt ein salomonischer Vorstand die Krise dadurch beenden will, dass er Täter und Opfer auf eine Stufe stellt, dann ist das in der Tat ,ein Affront‘ gegenüber Manlik“, schreiben sie. Engelbrecht, Fuhrmann, Hübner, Neudert und Sambale sehen die Schuld ganz klar bei Hans-Peter Burger - und sparen nicht mit Vorwürfen. Dieser habe „in herabsetzender Weise“ über Manlik „hergezogen“, dessen Rückzug aus dem Gemeinderat und den Austritt aus der Partei verlangt. Die Rede ist sogar von „Mobbing“. Manlik hingegen habe „wiederholt Kompromissvorschläge gemacht, um zu einem sachlichen Miteinander zurückzukehren“.

Die Ursache für den tiefen Riss, der durch die Murnauer SPD geht, sehen die Fünf jedoch nicht in der Fehde zwischen Manlik und Burger. Vielmehr habe Gemeinderätin Elisabeth Hoechner im Februar 2011 mit ihrem Austritt aus der Fraktion den Stein ins Rollen gebracht. Der damalige Vorstand hätte ihr sofort den Parteiaustritt nahelegen und für „klare Verhältnisse“ sorgen müssen. „Was die von der Presse gelegentlich so genannte ,Vertraute des Bürgermeisters‘ zu ihrem Schritt bewogen hat, ist ihr Geheimnis geblieben. Ihr hat er nicht geschadet. Michael Manlik hat er geschadet. Und der Murnauer SPD“, heißt es abschließend.

Engelbrecht und Fuhrmann geben sich kämpferisch. Auf Nachfrage kündigten sie an, sich dafür einzusetzen, Manlik doch noch auf die Kandidatenliste zur Kommunalwahl zu bringen - notfalls per Kampfabstimmung auf der Aufstellungsversammlung im Herbst. Damit dies gelingt, müsste Manlik genügend Anhänger mobilisieren. Ob er das überhaupt will, steht in den Sternen. Der Politfuchs will sich noch nicht festlegen und zuerst weitere Reaktionen abwarten.

Hans-Peter Burger zeigt sich indessen unbeeindruckt von den Vorwürfen. Er habe Manlik nie gemobbt, stellt er klar. Nur zwischenmenschlich funktioniere es nicht. Er komme mit Manliks autoritärem Stil nicht klar - und sei damit nicht der einzige. Burgers Fazit: Es sei besser, wenn Manlik und er bei der nächsten Kommunalwahl nicht mehr für die SPD antreten. Nur mit diesem Schnitt könne ein Neuanfang gelingen.

So sieht es auch sein Sohn, der SPD-Ortsvorsitzende Felix Burger. Er warnt vor einem Auseinanderbrechen des Ortsvereins. Der öffentlich ausgetragene Konflikt schade der Partei enorm. Eigentlich sollte man sich auf die Sachthemen konzentrieren. Hoechner wollte sich zu dem Thema nicht äußern. (as)

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