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Wohnen bald unbezahlbar? Über diese Frage diskutieren (v. l.) Dr. Sigrid Meierhofer, Andreas Lotte, Harald Helfrich, Alfred Poll und Alois Schwarzmüller.

Fast Münchner Verhältnisse

Günstige Wohnungen bleiben Mangelware

Garmisch-Partenkirchen - „Ist Wohnen bei uns bald unbezahlbar?“ Unter diesem Motto stand die SPD-Podiumsdiskussion zur Situation in Garmisch-Partenkirchen. Eine richtige Antwort gab es nicht. 

„Ist Wohnen bei uns bald unbezahlbar?“ – diese Frage beschäftigte die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, zu der die SPD Garmisch-Partenkirchen ins Bräustüberl geladen hatte. Vier Experten vom Landtagsabgeordneten Andreas Lotte bis zu Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer versuchten, darauf Antwort zu geben, und mussten letztlich einräumen, dass im Markt längst Münchner Verhältnisse gelten.

„Niemand sollte mehr als ein Viertel oder ein Drittel seines Einkommens fürs Wohnen verwenden müssen“, sagte Lotte. „Doch in München braucht man 50 Prozent und mehr für den Wohnraum und in Garmisch-Partenkirchen ist es mittlerweile ähnlich.“ Zwei Zahlen beschreiben nach seinen Worten sehr deutlich die Situation: Mitte der 1990er Jahre gab es in Bayern noch 250 000 Sozialwohnungen. Heute, 20 Jahre später, sind es nur noch 130 000. „Wir haben also die Hälfte verloren, allein 2014 sind fast 5000 Wohnungen aus der Sozialbindung gefallen.“ Seine Forderung lautete deshalb: „Wenn er bezahlbaren Wohnraum schaffen will, muss der Staat bereit sein, Geld auszugeben.“ Er habe zwar auf die Baukosten keinen Einfluss, jedoch auf die Verkaufspreise seiner Grundstücke. Denn bislang verlange er ebenso wie ein Privatmann den Höchstpreis. Um das Gemeinwohl zu fördern, könne der Staat ein Grundstück ja auch günstiger verkaufen, etwa unter der Bedingung, dass der Käufer bezahlbare Mietwohnungen baut. Das sei es, was Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) mit ihrer neuen Wohnungsbau-Offensive anstrebe, sagte Lotte.

Auch die Marktgemeinde hat erheblich an Sozialwohnungen verloren, insbesondere in den vergangenen beiden Wahlperioden. Daran erinnerte Meierhofer in der von Harald Helfrich moderierten Diskussion. „Derzeit haben wir nur noch 167 öffentlich geförderte Wohnungen, das ist unser Hauptproblem, und Baugrund haben wir ohnehin nicht“, unterstrich die Bürgermeisterin. „Darum hoffen wir auch, dass wir für das Abrams-Areal mit seinen 44 000 Quadratmetern den Zuschlag bekommen. Zuständig sei dafür die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten, „von der wir es bis April zu einem Vorzugspreis erwerben können, auch wenn der Freistaat wegen der dort wohnenden Flüchtlinge noch mitreden kann“. Jedenfalls will die Gemeinde einen Teil der Fläche für den Wohnungsbau verwenden. Der Bodenrichtwert liege in Garmisch-Partenkirchen derzeit zwischen 500 und 1000 Euro, der Bund gewähre aber beim Abrams-Areal einen billigeren Preis.

Details über die 100 Mitglieder zählende Wohnbau-Genossenschaft in Burgrain, der er bereits 70 Jahre angehört, schilderte Alois Schwarzmüller. Diese dort gut funktionierende Form einer Sozialwohnung gewährleiste einen sehr langfristig günstigen Preis, fordere jedoch auch die Mieter auf, sich bei der Bewirtschaftung der Wohnungen selber einzubringen. Alfred Poll, seines Zeichens Vorsitzender des heimischen Mieterbunds, wies darauf hin, dass es in Bayern durchaus unterschiedliche Märkte gibt. „In Garmisch-Partenkirchen jedenfalls ist Wohnraum für Normalverdiener und wirtschaftlich Schwächere knapp – und zwar schon immer.“ Die Alteingesessenen könnten sich ja arrangieren – „doch was ist mit den jungen Leuten? Die können sich nicht etablieren, müssen wegziehen, und das war noch nie anders“.

Leider sei es auch so, dass manche Vermieter zwar freie Wohnungen hätten, sagte schließlich eine Zuschauerin, „doch bevor sie jemand mit Kindern, Hund und Katze reinlassen, lassen sie sie lieber ein halbes Jahr leer stehen“. Die als Motto gestellte Frage „Ist Wohnen bei uns bald unbezahlbar?“ blieb jedenfalls unbeantwortet.

Wolfgang Kaiser

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