Erste Wahl als Nachrückerin in den Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat: Ulrike Bittner-Wolff.
+
Erste Wahl als Nachrückerin in den Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat: Ulrike Bittner-Wolff.

Nach drei Monaten aus Gemeinderat ausgeschieden

SPD sucht Nachfolger: Wer beerbt Schwarzmüller?

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
    schließen

Die SPD tut sich schwer mit der Suche nach einem Nachfolger für Alois Schwarzmüller, der nach nur drei Monaten aus dem Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat ausgeschieden ist. Alles scheint auf Ulrike Bittner-Wolff hinauszulaufen, nachdem Jacqueline Steinberg – nominell erste Nachrückerin – ihren Verzicht erklärt hat.

Garmisch-Partenkirchen – Mehr als eine Träne im Knopfloch trug Alois Schwarzmüller, als er zum Abschied aus dem Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat noch einmal das Wort ergriff und den Kollegen die Gründe, die ausschließlich gesundheitlicher Natur sind, für seinen Abschied erklärte. Das Gehör des 78-Jährigen SPD-Grandseigneur spielt nicht mehr mit. „Es macht keinen Sinn, wenn man nichts mitbekommt.“ Ihr Bedauern, dass Schwarzmüller schon nach nur drei Monaten ausscheidet, drückte Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) aus. „Es tut mir sehr leid.“

Über alle Parteigrenzen hinweg war und ist Schwarzmüller hoch angesehen. Er wird fehlen, sein Wissen, das ihn auszeichnet, zudem seine Persönlichkeit. Wer seinen Platz einnimmt, steht noch nicht fest. Jacqueline Steinberg wäre die erste Nachrückerin gewesen. Doch die gelernte Architektin wird nicht noch einmal in die Bresche springen. In der vergangenen Wahlperiode hatte sie im April 2019 den Platz von Harald Helfrich eingenommen. „Ich weiß, dass ein Brief aus dem Rathaus an mich unterwegs ist, aber ich werde absagen“, erklärte Steinberg auf Tagblatt-Anfrage. Sie habe der Fraktion, die derzeit aus Michael Simon und Kathrin Rotter-Heinle besteht, „ein Angebot gemacht“, das allerdings auf keine Gegenliebe stieß. „Die Fraktion hat Gründe genannt, die ihr wichtiger waren“, sagt Steinberg, „dann ist der Gemeinderat für mich keine Option.“ Knackpunkt soll dem Vernehmen nach der Platz im Bau- und Umweltausschuss gewesen sein, den derzeit Simon besetzt. Simon zufolge haben er und Rotter-Heinle beschlossen, die Verteilung der Ausschussposten so zu belassen wie sie derzeit ist. Für Steinberg wären der Rechnungsprüfungsausschuss und ein Sitz im Verwaltungsrat der Gemeindewerke geblieben, die bisher Schwarzmüller für die SPD innehatte. „Die Baukultur ist mir eine Herzensangelegenheit“, macht Steinberg ihre Präferenz deutlich. „Ich glaube, in dieser Funktion hätte ich der SPD und dem Ort am meisten gebracht.“

Steinberg nicht, wer dann? Alles scheint auf Ulrike Bittner-Wolff hinauszulaufen. Die SPD-Ortvorsitzende, die plant, nicht mehr für dieses Amt zu kandidieren, kennt die Gedankengänge Steinbergs und die der sozialdemokratischen Fraktion um Michael Simon, mit 29 Jahren der Hoffnungsträger der Partei. Bittner-Wolff hat sich im Wissen um die Steinberg-Absage bereits intensiv mit ihrem möglichen Einzug in den Gemeinderat beschäftigt. Ihr Entschluss, den Schritt zu wagen, steht so gut wie fest, „allerdings will ich mich erst mit meiner Familie, meinem Mann und meiner Partei besprechen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Ich lebe nicht allein auf dieser Welt“.

Die Verwaltungsjuristin gilt als versierte Kommunalpolitikerin. Ihre Erfahrung aus zehn Jahren als Stadträtin von Hannover würde der SPD-Fraktion sicher nützlich sein. Simon und Rotter-Heinle besitzen kaum kommunalpolitische Erfahrung und müssen ihren Platz in einem konservativ dominierten Gemeinderat, den Bittner-Wolff als „anstrengend“ bezeichnet, erst finden müssen. Deshalb will sich Simon ganz auf die Arbeit im Gemeinderat konzentrieren und auch nicht die Nachfolge von Bittner-Wolff antreten, die ihr bei der kommenden Jahresversammlung nicht mehr als Ortsvorsitzende kandidieren wird. „Ich bleibe Vize“, erklärt Simon. Derzeit laufen Gespräche, wer in Zukunft die Garmisch-Partenkirchner Sozialdemokratie repräsentieren und führen soll. „Es gibt bei uns durchaus Leute, die das können“, sagt Simon. Angestrebt wird ein Generationswechsel, nachdem sich die alte erste Garde um Bittner-Wolff und Ex-Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer in die zweite Reihe zurückziehen wird oder es schon getan hat. „Wir wollen frischen Wind reinbringen“, verkündet Simon Aufbruchsstimmung.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erst Bergtour, dann Quarantäne? Tirol ist Risikogebiet: Was Wanderer nun beachten müssen
Erst Bergtour, dann Quarantäne? Tirol ist Risikogebiet: Was Wanderer nun beachten müssen
Corona in Bayern: Skifahren im Normalbetrieb? Aiwanger mit deutlichen Worten zu Winter-Tourismus im Freistaat
Corona in Bayern: Skifahren im Normalbetrieb? Aiwanger mit deutlichen Worten zu Winter-Tourismus im Freistaat
Nach Brand in Moria: Kommen Flüchtlinge in den Kreis Garmisch-Partenkirchen? Grünen-Politiker stellt Forderung
Nach Brand in Moria: Kommen Flüchtlinge in den Kreis Garmisch-Partenkirchen? Grünen-Politiker stellt Forderung

Kommentare