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Nicht erlaubt: Reiner Durchfahrtsverkehr ist in der engen Lederergasse derzeit ganz normal.

Verkehr

Die neue Durchgangsroute - verboten und gefährlich

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Murnau - Der umstrittene Rathaus-Baukran, der die Schloßbergstraße blockiert, sorgt in der Lederergasse mitunter für chaotische Zustände. Die Polizei sieht Handlungsbedarf und kündigt Kontrollen an.

Jede Menge Autofahrer benutzen die enge Anlieger-Nord-Süd-Verbindung verbotenerweise als Ausweichroute für den Untermarkt und scheren sich nicht um Verkehrsregeln. Besonders dreist: Mancher fährt sogar am Untermarkt nach Norden in die Gasse ein – und pfeift auf das Schild, das dies untersagt. Anrainer kritisieren die Situation, die Polizei sieht Handlungsbedarf, kündigt Kontrollen an.

Montagmittag, Lederergasse: In kurzen Abständen rollen Autos nach Süden. Anton Rager, Vize-Chef der Murnauer Polizei, macht sich ein Bild von der Lage. Dieses hat sich bereits nach wenigen Minuten verfestigt: Viele Autofahrer kümmern sich nicht darum, dass die Route nach der Tiefgarage für den normalen motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt und nur für Anlieger freigegeben ist. Sie rauschen vielfach von der Pfarrstraße kommend nach Süden durch, um sich angesichts der Sperre an der Schloßbergstraße lange Umwege zu ersparen. Einzelne Fahrer ziehen schuldbewusst den Kopf ein, als sie den uniformierten Beamten erblicken – sie wissen, was sie tun. Eine ältere Frau hält sogar an, lässt das Seitenfenster heruntersurren, fragt Rager unsicher: „Ich dürfte hier nicht fahren, oder?“

Für den Vize-Polizei-Chef ist klar: Hier muss etwas geschehen. Zum einen werden die Beamten kontrollieren, zum anderen hält Rager die Beschilderung, die „Anliegern“ die Fahrt nach Süden gestattet, für „denkbar ungünstig“, weil zu schwammig. Hier wäre auch das Gemeinde-Ordnungsamt gefragt. Das sieht bei solchen Problemen auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) am Zug. Kran hin oder her – er betont: „Es handelt sich hier um eine Anliegerstraße, in der kein durchfließender Verkehr vorgesehen ist – diese Regeln gelten nach wie vor.“ Doch waren die Schwierigkeiten nicht vorhersehbar, als man die Schloßbergstraße komplett sperrte? „Vielleicht schon ein Stück weit“, räumt Beuting ein. Aber: „Das ist wie bei anderen Verkehrsregeln: Wenn sich Autofahrer nicht daran halten, tut man sich schwer, diese durchzusetzen.“

Victoria Schubert-Rapp hat für den Zustand nur ein Wort: „Gefährlich“ nennt ihn die Geschäftsführerin der Brauerei Karg, die an der Lederergasse sitzt. Es sei „klar“, dass Murnauer die Strecke nutzten, sagt sie – und zeigt dafür sogar Verständnis. „Wenn sie sich langsam vortasten, haben auch alle kein Problem. Uns stört das Tempo. Sie fahren ab der Pfarrstraße brutal schnell durch.“ Schubert-Rapp beschleicht dabei kein gutes Gefühl, vor allem, wenn sie daran denkt, dass in wenigen Tagen wieder Schulkinder zu Fuß und auf dem Rad in dieser engen Gasse unterwegs sein werden. „Der Verkehr ist massiv, und brutal viele fahren auch von unten rein“ – trotz des Verbotsschilds also. Mancher, der sich nicht an die Regeln hält, wird zudem noch verbal aggressiv. Steht, wie für den Betrieb der Brauerei nötig, mal wieder ein Lkw in der Gasse, „sind wir schon böse und aufs Gröbste beschimpft worden, wie wir es wagen können, eine Durchfahrtsstraße zu blockieren“.

Für die anderen, die vorsichtigen Verkehrssünder, zeigt auch Welf Probst Verständnis: „Die Leute müssen irgendwo hin. Ohne große Umwege kommt man anders ja gar nicht mehr ins Zentrum“, sagt der Gemeinderat (Freie Wähler), dessen Betrieb an Untermarkt und Lederergasse angrenzt. Letztere sei „quasi ein Ventil für den Untermarkt“. Probst sieht den Bau-Kran auf der Schloßbergstraße an der falschen Stelle: „Ich fände es immer noch gerechtfertigt, einen anderen Standort zu suchen.“ Und er kritisiert Beuting: „Ich hätte mir als Bürgermeister nicht angemaßt, das Ding da hinzustellen. Die Situation ist nicht befriedigend.“ Probst warnt davor, den Markt zu Tode zu beruhigen. Das ganze Zentrum zu blockieren, sei nicht richtig: „Es gibt auch das tägliche Leben, nicht nur das Kaffeehausleben.“

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