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Begehrtes Objekt: In diesem Gebäude am Richard-Strauss-Platz 2 verkauft die Familie Zitzmann seit 66 Jahren Spielwaren.

Spielwaren Zitzmann in Garmisch-Partenkirchen

Existenz gefährdet

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Die Tage von Spielwaren Zitzmann scheinen gezählt zu sein. Die Gemeinde will den Mietvertrag für die Geschäftsräume am Richard-Strauss-Platz nicht mehr längerfristig verlängern. Der Grund: GaPa-Tourismus soll dort einziehen.

Im Erdgeschoss sieht man, dass derzeit Fasching ist. Kostüme hängen in den Regalen, für jeden Anlass und jeden Geschmack etwas: Seeräuber, Ritter, Prinzessin, Hexe. Eine Treppe höher wird alles verkauft, was das Kinderherz begehrt. Puppenküchen, Kinderwagen, Lego, aber auch Zubehör für Modelleisenbahnen. „Wir sind ein Vollsortimenter in Sachen Spielzeug“, sagt Max Zitzmann (57), der erklärt, Fragen von Kunden beantwortet und weiterhilft. Hier bedient der Chef noch selbst. Doch der schöne Schein trügt. Im Reich der Kinderträume herrscht gedrückte Stimmung. Die Unsicherheit zehrt an Zitzmann. Kein Wunder. Und er ist emotionalisiert. Ebenfalls verständlich. Denn für ihn geht es um alles – oder nichts. Man kann es auch so sagen: Max Zitzmann kämpft um seine Existenz. Der Geschäftsmann hat Verantwortung – für seine Familie, seine Mitarbeiter und sein Lebenswerk, das Zitzmann Spielzeugland am Richard-Strauss-Platz. Dessen Tage scheinen gezählt zu sein. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann ist heuer am 31. Dezember Schluss, und ein Traditionshaus, das seit 70 Jahren besteht, Geschichte.

„Die vernichten uns“, sagt Zitzmann. „Unsere Familie, unser Geschäft, alles wird vernichtet.“ Die – das sind für Zitzmann keine dunklen Mächte, die aus der Unterwelt heraufgestiegen sind, um ihm den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Mit „die“ bezeichnet der 57-Jährige, der in zweiter Generation Spielwaren verkauft, die Verwaltung des Rathauses mit Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an der Spitze und Teile der Politik.

Seit 66 Jahren betreibt die Familie Zitzmann in dem braun-roten Gebäude in Sichtweite der Garmischer Fußgängerzone ihr Spielwaren-Geschäft. Aufgebaut von Vater Max Zitzmann senior und eine Institution in Garmisch-Partenkirchen, weil das letzte seiner Art.

Als Meierhofer nach dem gewonnen Bürgermeisterwahl im Mai 2014 ins Amt kam, suchte Zitzmann bald darauf das Gespräch mit der neuen Rathaus-Chefin. Der Grund: Er wollte den Mietvertrag, der am 31. Dezember 2015 hätte auslaufen sollen, um dreimal fünf Jahre verlängern. Als er das Büro der Bürgermeisterin verließ, tat er das mit einem guten Gefühl. „Sie hat mir damals gesagt, dass ich davon ausgehen soll, dass ich dort bleibe, wo ich jetzt bin“, so sein Gedächtnisprotokoll. Meierhofer kann sich nicht erinnern, Zitzmann diese Hoffnung gemacht, geschweige, ihm etwas versprochen zu haben. „Das habe ich mit Sicherheit nicht getan, weil ich es gar nicht tun kann.“ Mit jedem Monat, der ins Land zog, verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Zitzmann, der als unbequemer Kopf gilt und schon mit Meierhofers Vorgänger Thomas Schmid (CSB) manch harten Strauß ausfocht, und der Marktgemeinde. Zitzmann sollte am 31. Dezember 2015 seine Türen schließen. Dazu kam es allerdings nicht, weil der Mietvertrag zunächst bis zum 30. Juni 2016 und dann bis Silvester dieses Jahres ausgedehnt wurde.

Der Mann mit Dreitage-Bart und Stirnglatze sieht sich und sein Geschäft als Opfer mancher Interessen. Laut Zitzmann schreckte man sogar nicht davor zurück, mit falschen Zahlen zu operieren, um ihn zu diskreditieren. „Es wurde behauptet, unsere Miete würde subventioniert.“ 6000 Euro bezahlt er für die rund 500 Quadratmeter. „Pro Jahr summa summarum 72 000 Euro in einer 1b-Lage“, sagt Zitzmann.

Das Gebäude am Richard-Strauss-Platz 2 ist begehrt. Neben Zitzmann residiert dort die Tourist-Information. Und es ist geplant, dass GaPa-Tourismus in naher Zukunft, wenn das Kongresshaus umgebaut wird, in den Zitzmann-Räumen ein neues Domizil findet. „Es macht Sinn, die Tourismus-Verwaltung unter einem Dach zu haben“, sagt Meierhofer. „Wir müssen doch in der Lage sein, uns zu entwickeln.“

Bevor der Markt das Haus für sich und seine Zwecke entdeckte, hatte ein Investor ein Auge darauf geworfen. Zitzmann will wissen, dass es sich dabei um den Baulöwen Franz Hummel handelt, der das Gebäude an den Herrenausstatter Hirmer weitervermieten wolle. Eine Aussage, die die Bürgermeisterin, damit konfrontiert, mit einem Schulterzucken quittiert. „Ich kann dazu nichts sagen.“ Sie bestätigt aber, dass es einen weiteren Bewerber neben Zitzmann gebe, dessen Anfrage „derzeit ruht“. Die Miete, die der Markt erzielen könne, liege „deutlich höher“, als das, was Zitzmann bezahle.

Kämpfen will Zitzmann, um sein Geschäft – 2014 hat er eine Filiale in Starnberg eröffnet – und für seine bis zu 18 Mitarbeiter, von denen einige seit langer Zeit für ihn tätig sind. Allerdings ist es schwer, Passendes zu bekommen. Der 57-Jährige hält den jetzigen Standort für ideal, was Lage und Größe angeht. Oliver Steinbach, der Wirtschaftsförderer der Gemeinde, hat sich bemüht, etwas für Zitzmann zu finden. Auch Meierhofer wird nicht müde zu betonen, dass sie das Spielwaren-Geschäft im Ort halten will. Alle Offerten, die Steinbach oder Meierhofer machten – darunter die freien Flächen neben dem Sportgeschäft Hervis oder das ehemalige Restaurant Nordsee – , kamen nicht infrage. Eine Verkaufsfläche hat Zitzmann im Blick, die er mit Kusshand nehmen würde. Das Problem: „Sie ist noch über sieben Jahre vermietet.“ Was passiert, wenn ein Geschäft seinen angestammten Platz aufgibt, dafür kennt er ein warnendes Beispiel. „Eine Standortveränderung kann die Existenz vernichten, wie beim ehemaligen Kollegen Heinz an der Bahnhofstraße erlebt.“

Um Zeit für die Rettung des Lebenswerks seiner Familie zu gewinnen, hat Zitzmann eine erneute Verlängerung des Mietvertrags beantragt: diesmal bis zum 31. Dezember 2017. Damit beschäftigt sich der Finanzausschuss am Dienstag, 12. Januar, in nicht-öffentlicher Sitzung. Ein positiver Beschluss wäre ein kleiner Hoffnungsfunken und gäbe Zitzmann mehr Zeit, eine Alternative für sein Stammhaus zu finden. Dass sein Geschäftsmodell überlebensfähig ist, zeigt die Resonanz – 1500 Menschen pro Tag frequentieren nach seiner Aussage den Laden – und die Bilanz 2015. „Unter diesen Voraussetzungen war es für uns ein gutes Jahr“, sagt er. „Wirtschaftlich gesehen.“

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