Sportjournalist Horst Vetten ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

"Als Schreiber ein Beckenbauer"

Sportjournalist Horst Vetten gestorben

Unterammergau - Im Alter von 80 Jahren ist am vergangenen Montag nach längerer Krankheit in Unterammergau der renommierte Sportjournalist und Buchautor Horst Vetten gestorben.

Helmut Markwort, ehemaliger Chefredakteur des Focus, hat mal über ihn gesagt: Wie andere Leute ihr Auto, hat Horst Vetten seine Artikel gepflegt, geputzt und poliert. Jedes Wort saß, es musste sitzen. Ein Perfektionist. Horst Vetten spielte in einer anderen Liga, und für Hans Riehl (tz) war er "als Schreiber ein Beckenbauer". 45 Jahre lang ließ es der gebürtige Düsseldorfer und zweifache Familienvater im Blätterwald rauschen.

Der Verstorbene, der Max Schmeling und Sepp Herberger noch persönlich kannte und mit ihnen ein herzliches Verhältnis pflegte, schrieb über alles, was sich zwischen Olympischen Spielen, Bundestag, Fußball-Weltmeisterschaften, Küche, Kunst und andere Dinge des Lebens abspielte. Sogar über das Klo.

15 Jahre war der junge Horst gerade, als er bei einer Lokalzeitung seine erste 30-Zeilen-Meldung verfasste. In gut vier Jahrzehnten sind 20 Olympische Sommer- und Winterspiele, sechs Fußball-Weltmeisterschaften, unzählige Kolumnen, Reportagen, Serien, Glossen und der Stoff von zehn Büchern hinzugekommen. Ob Zeit, GEO, Spiegel oder Stern - überall war Vetten mit seinen Artikel vertreten. Nicht von ungefähr ist er mehrmals mit dem Großen Preis der Deutschen Sportpresse sowie dem Preis des Deutschen Fußballbundes ausgezeichnet worden.

Aus allerkleinsten, armen Verhältnissen stammend, arbeitete sich Vetten hoch, Schritt für Schritt, voller Ehrgeiz und mit hohem Einsatz, "denn ich wollte immer Geld verdienen", wie er mal scherzhaft sagte. Und er wurde einer der besten der schreibenden Zunft. Zu seinen Freunden durfte er auch Harry Valerien und Dieter Kürten zählen. Der legendäre Herausgeber des Stern, Henry Nannen, wollte Vetten mehrmals fest engagieren, doch der Starschreiber aus dem beschaulichen Unterammergau widersagte. Er wollte seine Freiheit und Unabhängigkeit nicht verlieren.

In den letzten Jahren hatte der Journalist massiv mit den Beschwerden des Alters zu kämpfen. Erst vor kurzem war seine Frau Hilde gestorben, die für ihn stets eine große Stütze war und ihm den Rücken für seine Arbeit freihielt.

Die Beerdigung von Horst Vetten findet voraussichtlich am Samstag, 5. Juli, in Oberammergau statt.

Ludwig Hutter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kultursommer 2019: Von der Pest zur Passion 
Das Pestspiel im Jahr vor der Passion hat Tradition in Oberammergau. Und stand im Mittelpunkt der Pressekonferenz, die die Theater-Verantwortlichen in München gegeben …
Kultursommer 2019: Von der Pest zur Passion 
Bahn bleibt auf Weg zur Zugspitze in Tunnel liegen
Der Verkehr stand zwischenzeitlich still: Wegen einer Störung im Zugspitz-Tunnel mussten die Fahrgäste umsteigen. Betroffen war nur die Bergstrecke. 
Bahn bleibt auf Weg zur Zugspitze in Tunnel liegen
Vorhaben werden verschoben: Garmisch-Partenkirchner Bauamt ist „am Limit“
Das Dilemma wird gerade bei Haushaltsberatungen deutlich. Eine Vielzahl von Projekten wurde nicht realisiert. Aus Mangel an Mitarbeitern. Vor allem das Bauamt ist nach …
Vorhaben werden verschoben: Garmisch-Partenkirchner Bauamt ist „am Limit“
Raus mit dem Durchgangsverkehr:  VEO lässt bei B23-Verlegung nicht locker
Die Arbeiten am Tunnel Oberau laufen. Trotzdem bleibt die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Oberau (VEO) aktiv. Sie verfolgt hartnäckig ein weiteres Ziel: die …
Raus mit dem Durchgangsverkehr:  VEO lässt bei B23-Verlegung nicht locker

Kommentare