Sportliche Exotin: Slacklinerin will hoch hinaus

Eschenlohe - Auf dem Weg nach oben: Slacklinerin Veronika Anna Mangold gehört zu den besten Frauen überhaupt. Die 18-Jährige ist sogar schon Vize-Königin auf dem Seil ...

Ohne ihre Slackline geht Veronika Anna Mangold nirgendwo hin. Ein Urlaub ohne das 15 Meter lange Gummiband kommt nicht in Frage. „Da packe ich lieber ein paar Kleider weniger ein“, sagt die 18-Jährige. Wann immer es geht, turnt sie auf dem fünf Zentimeter breiten Gurt. Vor ihrem Elternhaus in Eschenlohe spannt sie ihn mindestens jeden zweiten Tag. Und demonstriert darauf perfekte Körperbeherrschung sowie einen herausragenden Gleichgewichtssinn.

Sie sitzt im Schneidersitz auf dem fünf Zentimeter breiten Band, springt hoch und landet mit den Füßen darauf. Dann dreht sie sich in einer flüssigen Bewegung, stützt sich auf nur einer Hand noch auf dem Band ab - reckt Beine und den anderen Arm seitlich von sich. Akrobatik pur - wie eine Turnerin auf dem elastischen Schwebebalken. Wackler gibt’s wenige. Auch Matten zum Abfedern von Stürzen braucht sie kaum noch. Eine Wiese reicht. Oder Schnee. „Da geht’s besonders gut, weil ich weich falle.“

Mangold, die gerade ihr Abitur abgeschlossen und nun die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin in einer Schule in Weilheim begonnen hat, ist inzwischen richtig gut, ein halber Profi. Beim Online-Wettbewerb „Queen-of-Slackline“ trat sie gegen 80 Frauen weltweit an und wurde Zweite. Viel mehr üben diese junge, noch sehr unbekannte Sportart auch gar nicht aus. Besser war nur die Brasilianerin Giovanna Petrucci. Die Königin von 2011 stellte jede Woche ein Video online, in dem sie Übungen und Figuren zeigt. Jeder konnte sie nachmachen. Wer die Tricks ebenfalls schaffte, brachte das eigene Video ins Internet. Von Runde zu Runde steigerte sich der Schwierigkeitsgrad. In Runde sechs waren nur noch Mangold und die Brasilianerin im Rennen. „Damit hab’ ich niemals gerechnet“, sagt sie.

Mittlerweile ist sie beim so genannten Tricklinen, bei dem es darum geht, möglichst schwierige Figuren zu präsentieren, eine große Nummer. Zeigen wird sie das wieder im Februar bei einem Wettbewerb auf der Sport-Messe ISPO in München.

Bei einem solchen Contest wurde sie auch 2012 in Lindau entdeckt. Kurioserweise von Vertretern der Slackline-Marke Gibbon, die von ihr begeistert waren und sie gleich für eine Outdoor-Messe in Friedrichshafen buchten. Für Mangold „das Erlebnis schlechthin“. Denn dort traf sie die Leute, die sie bislang nur aus dem Internet kannte: die Besten der Szene.

Wenn sie mal wieder im Michael-Ende-Kurpark in Garmisch-Partenkirchen übt, erntet sie viele bewundernde Blicke. Selbst von ihren Freunden, die sie erst auf die Slackline brachten. Die Skifahrer unter ihren Spezln halten sich im Sommer nämlich mit Übungen auf dem elastischen Gurt fit. Vor zwei Jahren dachte sich Mangold dann: „Das will ich auch probieren.“ Schon stand sie oben. Und war schnell wieder am Boden. Denn was bei ihr so leicht und elegant aussieht, ist beinharte Arbeit und eine echte Geduldsprobe. „Man darf sich nicht unterkriegen lassen“, rät sie Einsteigern. Nach einem Jahr konnte sie auf der Slackline laufen. „Das war mir gleich aber zu langweilig.“ Der Ehrgeiz hatte sie gepackt. Trotz vieler blauer Flecken und Stürze.

Dass sie meistens allein trainieren muss, „das nimmt mir noch am ehesten die Motivation“, räumt sie ein. Mangold ist sportlich ein Exot. In doppelter Hinsicht. Das Tricklinen ist jung. Und sie ist eine Frau, von den rund 80 Mädels weltweit zudem mit Abstand die jüngste. „Die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahren.“ Zwar gibt’s schon einen Weltcup, allerdings messen sich Frauen und Männer dort gemeinsam. Antreten dürfen nur die Top 16 der Welt, „und das sind eben Männer“. Die Eschenloherin hofft, dass es bald eigene Wettkämpfe gibt. Ihr Ziel: „Beim ersten Frauen-Weltcup dabei sein.“

(nine)

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