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1100 Schülerinnen und Schüler werden derzeit an den St. Irmengard-Schulen in drei Schularten unterrichtet.

Erzbistum München und Freising nimmt für eine Generalsanierung der Schule 60 Millionen Euro in die Hand

St. Irmengard wird zur Großbaustelle

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Teurer als die neue Seilbahn auf die Zugspitze wird die Generalsanierung der St. Irmengard-Schulen. Im Frühjahr 2018 soll‘s losgehen

Garmisch-Partenkirchen – Für Schulleiter Otmar Würl ist’s wie „ein großes Geschenk und ein seit vielen Jahren gehegter Herzenswunsch“, der nun in Erfüllung gehe. Die Freude, sie ist ihm anzusehen. Wührl strahlt bei der Präsentation wie ein Honigkuchenpferd. Denn: Die altehrwürdigen St. Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen mit Gymnasium, Realschule und FOS erfahren im nächsten Jahr eine Generalsanierung. Sage und schreibe 60,7 Millionen Euro nimmt dafür laut Kostenschätzung die Erzdiözese München und Freising in die Hand. Nicht einmal die neue Seilbahn auf die Zugspitze (50 Millionen Euro) wird teurer.

Seit über einem Jahr laufen die Vorbereitungen für dieses Mammut-Projekt. Das Münchner Architekten- und Planungsbüro Balda befindet sich dabei in regem Austausch mit dem Bistum und der Schule. Franz Balda: „Wir haben wohl 98 Prozent aller Wünsche und Anforderungen in das Konzept mit einfließen lassen. Mehr geht fast nicht.“

Als „eine der schönsten und modernsten Schulen in ganz Deutschland“, so steht es in einer Chronik, war St. Irmengard beim Neubau bezeichnet worden. Nur: Damals schrieb man das Jahr 1930. Fast 90 Jahre später platzt der Betrieb nicht nur fast aus allen Nähten, sondern hinterlässt auch der Zahn der Zahn deutliche Spuren an der Bausubstanz des Gebäudes in der Hauptstraße.

Zwei Jahre Unterricht in Containeranlage

Mit 60:40 taxiert Architekt Franz Balda das Verhältnis von Sanierung und Neubau. Komplett abgerissen wird der in den 1970er Jahren entstandene Erweiterungsbau im Südosten der Schule. Entstehen werden eine neue Aula mit Theaterbühne, eine deutlich größere 2,5-fache Turnhalle, zirka 50 Klassenzimmer, dazu Aufenthalts-, Arbeits- und Rückzugsmöglichkeiten. Barrierefreiheit im gesamten Gebäude ist ein weiteres Thema; ferner werden IT, Gebäudetechnik und Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht. Und schließlich spielen die neuen St. Irmengard-Schulen energietechnisch in einer ganz anderen Liga: Im künftigen Erweiterungsbau wird der Primärenergiebedarf nur noch rund 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter betragen – bisher sind es rund 75 Kilowattstunden. Unterm Strich ist es für Schulchef Otmar Würl „eine nicht mehr aufzählbare Anzahl an Verbesserungen“.

Großprojekt im Visier: (v. l.) Schulleiter Otmar Würl, Dr. Sandra Krump von der Diözese und Architekt Franz Balda.


Einher mit den baulichen Dingen des Raumangebots, das sich um 2000 Quadratmeter erhöht, geht ein neues pädagogisches Konzept, denn künftig sind die insgesamt 1100 Schülerinnen und Schüler nicht mehr nach Schularten, sondern nach Jahrgangsstufen untergebracht. Lernen auf einer Ebene. Würl: „Vorbei sind dann die Zeiten mit ,Hinunter- und raufgehen’, es wird nur noch ein ,rübergehen’ geben.“ Für Lehrer werden Arbeitsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zu den Klassenzimmern eingerichtet, was den Kontakt zu den Schülern verstärken soll..

Bei der Vorstellung des Mega-Projekts betonte Dr. Sandra Krump, Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat, wie wichtig die St. Irmengard-Schulen dem Bistum seien: „Drei weiterführende Schularten unter einem Dach sprechen für sich, das ist einzigartig. Garmisch-Partenkirchen ist daher ein sehr wichtiger Schulstandort für uns. Wir wollen junge Menschen beim Heranwachsen begleiten. Mit der Neugestaltung nach der Generalsanierung werden bestmögliche Voraussetzungen für das Lernen und Leben geschaffen.“

Die Vorarbeiten bei der Umsetzung sind bereits soweit gediehen, dass schon im März 2018 Baustart sein wird. Binnen 20 Monaten soll nach Vorstellungen von Planern und Diözese alles soweit fertig sein, dass im Februar 2020 das neue Schmuckstück wiedereröffnet und eingeweiht werden könnte. Ein knapper Zeitplan, der aber laut Architekt Franz Balda „zu schaffen ist“.

Während der knapp zweijährigen Bauphase werden die  Schüler und Schülerinnen von St. Irmengard „umziehen“ – in eine Containerschule. „Einen Schulbetrieb auf einer Baustelle über einen so langen Zeitraum wollten wir den Jugendlichen und Lehrern nicht zumuten“, argumentiert Sandra Krump.

Nach erfolgreichen Verhandlungen mit der Herimo Immobilien GmbH, von der die Liegenschaften der V-Markt-Kette verwaltet werden, zieht die Schule in den Faschingsferien 2018 auf das ehemalige, brachliegende PX-Gelände an der Bahnhofstraße um, wo in Container-Bauweise die Ausweichräumlichkeiten entstehen. Dass dort dann knapp zwei Jahre lang unterrichtet wird, „ist für die Eltern, die wir befragt haben, gar kein Problem“, betont Schulleiter Otmar Würl. Die Kostenschätzung für die Interimslösung liegt allein bei rund neun Millionen Euro, für den Umzug wurde eine Spezialfirma beauftragt.

Die St. Irmengard-Schulen stehen bis 2020 vor einer Herkules-Aufgabe.

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