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Pfarrer Siegbert Schindele zeigt eine Kirchenbank, aus deren Wange ein ga nzes Stück abgebrochen ist. Das fehlende Teil muss vermutlich samt der aufwändigen Schnitzerei nachgefertigt werden.

Innen- und Außenrenovierung von St. Nikolaus

Letzte Etappe der Kirchensanierung

Das Mammutprojekt Kirchensanierung neigt sich dem Ende entgegen: Jetzt müssen in Murnaus Pfarrkirche St. Nikolaus noch diverse Holz-Elemente auf Vordermann gebracht werden. Nächstes Jahr soll alles fertig sein.  

Murnau – Das Holz der vier reich verzierten Beichtstühle ist an manchen Stellen speckig geworden, an anderen völlig ausgetrocknet und eingerissen. Die kunstvollen Stücke geben im Gegensatz zu dem inzwischen rundum restaurierten Innenraum der Murnauer Pfarrkirche St. Nikolaus nebst den Altären ein Bild des Jammers ab. Die Restaurierung der Beichtstühle, des Chorgestühls, der Kirchenbänke und der Kommunionbank sind die letzten Meilensteine auf dem langen Weg der Innen- und Außenrenovierung des Gotteshauses, die mit bisher etwa 2,4 Millionen Euro zu Buche geschlagen hat.

    „Bis in die 1970er Jahre sind die Leute aus Murnau und dem Umland vor allem vor Ostern an den vier Beichtstühlen Schlange gestanden, weil die das Sakrament der Buße ablegen wollten“, sagt Pfarrer Siegbert Schindele. Er schätzt, dass die wertvollen Stücke während der Einrichtung der Kirche zwischen 1734 und 1746 aufgestellt wurden. „Wir wollen sie wieder in ihren Originalzustand versetzen“, so der Geistliche. „Sie müssen gereinigt und von den Fettschichten befreit werden, bevor sie mit Öl eingelassen werden und wieder ihren natürlichen Glanz bekommen.“ Pro Beichtstuhl sind hierfür 7800 Euro kalkuliert.

    Weitaus teurer wird der ebenso notwendige Erhalt der 40 Kirchenbänke, deren Renovierung pro Stück mit 2800 Euro angesetzt ist. Einige weisen tiefe Risse auf, bei anderen sind ganze Teile abgebrochen, die – soweit noch vorhanden – von Mesner Peter Schäfer aufgehoben wurden, andere müssen aufwändig nachgefertigt werden. Die Schnitzereien auf den Wangen dürfen nach Schindeles Worten nur mit einem Pinsel und feinem Schmirgelpapier bearbeitet werden: „Mit einer Maschine würde nur alles zerstört.“ Also sei zeitaufwändige Handarbeit gefragt. Beim Chorgestühl rechnet er mit 9500 Euro Renovierungskosten, bei der Kommunionbank mit 1700 Euro je Teilstück, und beim Emporengestühl rechts und links der Orgel mit je 1400 Euro je Bank. Insgesamt werden laut Schindele für die „holzsichtige Ausstattung“, wie es im Fachjargon heißt, rund 250 000 Euro benötigt. Im Laufe des kommenden Sommers sollen diese Arbeiten, die genauso wie alle anderen Vorhaben rund um den Sakralbau ausgeschrieben werden müssen, abgeschlossen sein.

    „Am 25. Februar 2011 habe ich die Kirche zum ersten Mal gesehen, und war geschockt“, erinnert sich der Pfarrer. „Die Wände waren hinter den Altären komplett schwarz, und ringsum war die Feuchtigkeit in den Mauern sichtbar.“ Sein Vorgänger, Pfarrer Helmut Enemoser, sei nicht untätig gewesen und habe bereits durch Spenden und das Kirchgeld einen beachtlichen Sockelbetrag für die anstehende Renovierung gesammelt. „Ich bin heilfroh, dass wir das Projekt damals sofort angepackt haben“, sagt Schindele rückblickend: „Ein ganzes Jahr haben wir für die Vorarbeiten gebraucht, bevor 2013 die Außenrenovierung erfolgte. 2014 kam der Innenraum dran, und 2015 und 2016 die zehn Altäre.“ Am 17. September 2017 wird die komplette Fertigstellung zusammen mit dem 300-jährigen Gründungsjubiläum des Gotteshauses mit einem großen Festgottesdienst gefeiert, den Diözesanbischof Dr. Konrad Zsdarsa aus Augsburg zelebrieren wird. War doch der Grundstein für St. Nikolaus am 6. September 1717 von Abt Placidus Seitz von Ettal gelegt worden.

Spenden für die Renovierung werden unter der IBAN-Nummer DE11 7039 0000 0001 828410 bei der VR-Bank Murnau entgegengenommen.

Heino Herpen

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