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Die Population des Bibers nimmt am Staffelsee Überhand. Jetzt dürfen die Tiere gejagt und getötet werden.

Landratsamt stellt Lizenz zum Töten aus

Staffelsee: Den Bibern geht’s an den Kragen

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Das Recht, Biber zu fangen und zu töten, hat das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen auf drei Gemeinden ausgeweitet. Neben Seehausen können die Tiere nun auch in Uffing und Eschenlohe entnommen werden. Die genauen Standorte der Fallen hält die Kreisbehörde geheim. Der Grund: Man fürchtet deren Zerstörung.

Landkreis – Das Töten von Bibern ist ein Thema von großer Brisanz – und es liefert Zündstoff in Hülle und Fülle. Zwei Seiten stehen sich – unversöhnlich – gegenüber: Die Naturschützer und jene, die das Tier, wenn dessen Bestand Überhand nimmt, für eine Plage und einen Schädling halten, weil es sich an Bäumen zu schaffen macht, die es zur Nahrungsaufnahme und den Bau seiner Burgen benötigt. Seit Anfang September gilt in Seehausen die Erlaubnis, an einigen Stellen im Uferbereich des Staffelsees Biber zu entnehmen – wie es im Fachjargon heißt. Im Klartext: Sie dürfen gejagt und getötet werden.

Dass die Erlaubnis, Lebendfallen aufzustellen – praktisch die Lizenz zum Töten – auf die Bereiche der Gemeinden Eschenlohe und Uffing ausgeweitet wurde, ist neu und wird nicht gerne kommuniziert. Das Landratsamt und vor allem die Bürgermeister geben sich einsilbig. „Ich kann mich dazu nicht äußern und verweise auf das Landratsamt“, antwortet Eschenlohes Erster Bürgermeister Anton Kölbl (CSU) auf die Frage, in welchen Bereichen seiner Kommune Fallen aufgestellt werden. Wie in Eschenlohe wird auch in Uffing gemauert. Zweiter Bürgermeister Josef Diepold (WGU) bestätigte lediglich den Erwerb von Fallen. Näheres wisse er selbst nicht. Auch Markus Hörmann (CSU), Bürgermeister in Seehausen, bittet um Verständnis, dass er keine genauen Auskünfte erteilen könne. Stephan Scharf, Pressesprecher des Landratsamtes in Garmisch-Partenkirchen, bestätigt die zusätzlichen Entnahmestellen: „Neben dem Süduferbereich des Staffelsees und der Insel Wörth ist es nun auch in Uffing sowie an einigen Stellen in Eschenlohe erlaubt, Fallen aufzustellen.“ In Uffing beziehe sich die allerdings nicht auf den Staffelseebereich, sondern auf ein Teilareal am Kraftwerk am Flussufer der Ach.

Über die genauen Standorte besteht Geheimhaltung. Scharf will sich nicht explizit äußern. Er sieht die Gefahr, die Fallen könnten von Tierfreunden zerstört werden. Und überhaupt wolle man diese Tatsache auch nicht an die große Glocke hängen, am liebsten gar nicht darüber sprechen. Ein bisschen verständlich bei dem aufgeheizten Thema. Fakt ist aber: In den kommenden Monaten darf der Biber zunächst gefangen und dann getötet werden. „Im Frühjahr und Sommer ernährt sich der Biber von frischen Blättern und jungen Gehölzen. Erst im Herbst und Winter macht er sich an die Stämme von Buchen und anderen Bäumen zu schaffen“, erläutert Scharf den zeitlichen Rahmen der unpopulären Maßnahme.

Dass man den Biber keinesfalls ausrotten, sondern nur den immensen derzeitigen Populationsdruck und die Schäden, die Fällt alter, wertvoller Baumbestand dem Biber zum Opfer, dann können Uferbereiche, landwirtschaftliche Flächen, Wälder oder Wiesen überflutet und somit auch wirtschaftlicher Schaden angerichtet werden. Deshalb „werden nur Fallen aufgestellt, wo tatsächlich alter Baumbestand massiv betroffen ist“, versichert der Behördensprecher. Das sei eben an jenen Stellen, die nun für die Biber-Jagd mittels Lebendfallen freigegeben worden seien, insbesondere auf der Insel Wörth, aber eben auch in Uffing und Eschenlohe. Schwerpunkt bleibe aber der Staffelsee.

Gehen Biber in die Fallen, ist es Aufgabe der Gemeinden, sie lebend einem Fachmann, oft einem Jäger, zu übergeben. „An den Fallen sind Sensoren angebracht, die melden, wenn ein Biber in die Vorrichtung getappt ist. „Er wird dann schnellstmöglich erlöst, um ihm unnötiges Leiden zu ersparen“, erläutert der Sprecher des Landratsamts. Solche Maßnahmen sind Scharf zufolge immer eine Gratwanderung, denn  der Biber sei dem Landratsamt als Untere Naturschutzbehörde selbstverständlich ein großes Anliegen.  „Es gibt eine natürliche Grenze. Wenn ein Revier voll ist, wandert der Biber von selbst weiter.“ Doch den Zeitpunkt, wann die Sättigung eines Gebietes erreicht ist, wisse niemand ganz genau. Und bis dahin gelte es zu handeln.

Die neue Biberbeauftragte des Landkreises, die holländische Tierärztin Daniëlle Sijbranda, berichtet von derzeit 16 belebten Biberburgen und etwa 100 Tieren allein im Bereich des Staffelsees. „Die genaue Anzahl lässt sich aber nur schätzen, offizielle Daten und Erhebungen gibt es hierzu bislang nicht“, sagt die Fachfrau. Die sollen im November vorliegen.

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