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Das Objekt der Kritik - das Kunstwerk „Sichtung III“ im Weiherfeld in Unterammergau.

Umstrittenes Kunst-Bauwerk bleibt in der Diskussion

33-Meter-Turm in Unterammergau: Gemeinderat lehnt Antrag ab

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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An dem Objekt scheiden sich die Geister: Darf der „Turm“ im Unterammergauer Weiherfeld stehenbleiben oder muss er weg?

Unterammergau – Kunst oder Verschandelung? Mit dem derzeit wohl „umstrittensten Bauwerk“ im Ammertal – vielleicht sogar im Landkreis – befasste sich der neugewählte Gemeinderat von Unterammergau in seiner ersten öffentlichen Sitzung in der Wetzstoa-Stubn – wohl nicht zum letzten Mal. Auf dem Areal des Ensembles von Unternehmer Christian Zott im Weiherfeld mit dem Restaurant Hieronymus, dem Boutique-Hotel Lartor, mit Kunsthalle und Skulpturengarten ist kurz nach der Eröffnung auch ein 32,4 Meter hoher Turm aus Stahl errichtet worden. Die beiden Künstler Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier haben die begehbare Raum- und Klangskulptur realisiert und ihr dem Namen „Sichtung III“ gegeben.

Momentan „nicht genehmigungsfähig“

Als sogenannter „Fliegender Bau“ durfte der Koloss zunächst drei Monate stehen bleiben, danach wurde die Erlaubnis um drei weitere Monate verlängert. Nun lag dem Gemeinderat ein Bauantrag auf dauerhaften Verbleib vor. Bürgermeister Robert Stumpfecker (FUZ) erzählte vor den rund zwei Dutzend Zuhörern nochmal die Vorgeschichte des Projekts. Da der Antrag des Bauherrn an die Gemeinde vom 9. März datierte, nahm Stumpfecker die Angelegenheit mit in die erste Sitzung auf, da sonst die Frist für eine Stellungnahme abgelaufen wäre, was eine Zustimmung bedeutet hätte. Der neue Rathauschef: „Der Turm ist in dieser Form nicht genehmigungsfähig, da er nicht mit dem gültigen Bebauungsplan konform geht.“ Sprich: Würde der Bebauungsplan geändert, könnte der 70-Tonnen-Gigant stehen bleiben. Interessant auch: Wie stellt sich das Landratsamt dazu?

Scharfe Kritik von Buchwieser

Klare Worte zu der Sache fand der neue Zweite Bürgermeister Michael Buchwieser (Freie Wähler): „Hier wurde der Gemeinderat erst nachträglich informiert. Der frühere Bürgermeister hat in seiner Funktion als Bauunternehmer das Fundament betoniert und uns nichts gesagt. Wir wurden hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Es geht mir total gegen den Strich, wie das gelaufen ist. Dieses Vorgehen ist einfach nicht akzeptabel. Was ist, wenn das jeder macht? Der Turm müsste seit April abgebaut sein, jetzt steht er immer noch.“

„Kein Problem“ mit der Optik hat Michael Spicker (FUZ): „Ich sehe ihn täglich von meinem Haus aus und finde, dass er zu dem ganzen Ensemble gut passt. Mich stört er nicht. Im Gegenteil: Viele Leute finden ihn interessant, er zieht Besucher an. Was war, ist Vergangenheit. Wir sollten jetzt einen geraden Weg gehen.“

Kommt Änderung des Bebauungsplans?

Als „sehr, sehr dominant“ bewertet Maximilian Lindauer (Freie Wähler) das Bauwerk, während Michael Spindler (CSU) wie Buchwieser die Vorgehensweise in dieser Angelegenheit „überhaupt nicht richtig findet“. Im Weiherfeld sei „ein wunderbares Ensemble geschaffen worden, nur eben ohne Turm“. Bürgermeister Stumpfecker zum weiteren Prozedere in der Sache: „Wenn ein Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes bei uns eintrifft, wird zuerst der Bauausschuss und dann der Gemeinderat darüber beraten. Das wird sicher eine interessante Diskussion, an der sich auch die Öffentlichkeit beteiligen dürfte.“ Der Rathauschef versicherte, man werde offen und transparent mit dem Thema umgehen. Michael Spicker äußerte, dass es sicher nicht verkehrt gewesen wäre, wenn das Gesamtprojekt vor der Realisierung einmal öffentlich vorgestellt worden wäre.

Dem vorliegenden Bauantrag widersagte schließlich das Gremium einhellig mit 13:0-Stimmen das gemeindliche Einvernehmen.

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