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Standortsuche: Die Nerven liegen blank

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Schöne Aussichten: Anliegern behagt es gar nicht, dass der Sonnenstein möglicherweise als Standort für einen Mobilfunk-Mast ausgewiesen wird. In rund 400 Metern Entfernung liegt der Kindergarten. Foto: Lory
Schöne Aussichten: Anliegern behagt es gar nicht, dass der Sonnenstein möglicherweise als Standort für einen Mobilfunk-Mast ausgewiesen wird. In rund 400 Metern Entfernung liegt der Kindergarten. Foto: Lory

Uffing - Die Uffinger Mobilfunkdebatte bleibt weiter spannend. Denn der Gemeinderat hat sich nach wie vor nicht auf einen Standort festgelegt. Am umstrittensten ist derjenige am Sonnenstein.

Nach gut einstündiger Debatte, als Zuhörer Gottfried Greil den Vorwurf erhob, der Gemeinderat gehe zu wenig auf die Bedenken der Bürger ein, platzte Georg Pantele (CSU-Bürgerliste) der Kragen. Seit neun Jahren sitze er nun im Gemeinderat. „Seit acht Jahren beschäftige ich mich mit Mobilfunk-Standorten.“ Der Gemeinderat habe sich in dieser Zeit immer wieder mit den Bedenken der Bürger befasst. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht.“ Vorwürfe, das Gremium habe sich zu wenig mit den Einwänden der Bevölkerung auseinandergesetzt, entbehrten daher jeglicher Grundlage und seien schlicht daneben, entrüstete sich Pantele. Greil zeigte sich zudem „verärgert und erbost“, weil nach seiner Einschätzung „alles auf den Sonnenstein hinauslaufen soll“. Der Bürger wohnt relativ nah an diesem potentiellen Standort. Dort befindet sich auch der Wasserhochbehälter.

Professor Dr. Richard Rojek, der in diesem Viertel ein Baugrundstück besitzt, kritisierte ebenfalls Pläne, den Sonnenstein eventuell als Mobilfunk-Standort auszuweisen. Der Friedberger verwies auf das Gesundheitsrisiko, die Wertminderung der Immobilien und darauf, dass die Wasserqualität beeinträchtigt werde. Zudem wäre ein Mast an dieser Stelle „grob verunstaltend“. Der Gemeinde warf Rojek „umfangreiche Gesetzesverstöße“ vor. Er forderte, in Sachen Mobilfunk eine Ortssatzung nach Vorbild des Marktes Rettenbach zu erlassen.

„Davon kann ich nur abraten“, betonte hingegen Anwalt Frank Sommer, der die Kommune berät. „Uffing wäre nicht die erste Gemeinde, die mit so etwas scheitert.“ Es genüge nicht, Bereiche zu benennen, wo man keine Mobilfunkanlagen haben will. Diese seien baurechtlich privilegiert. Ängste, dass das Trinkwasser negativ beeinträchtigt werden könnte, sind aus Sicht der Gemeinde unbegründet. Die Strahlung läge aufgrund der Abschirmung durch Beton und Stahl „im Millionstelbereich“ derjenigen, wie sie etwa bei haushaltsüblichen Mikrowellen vorkomme. Zudem sei das Wasser ohnehin zum Teil kräftigen Magnetfeldern der Pumpen ausgesetzt.

Auch Gemeinderat Dr. Thomas Hartmann (WGU) und Frau Beate wenden sich gegen den Standort Sonnenstein. Sie wohnen ebenfalls in diesem Viertel. Ein 20 Meter hoher Mast werde die Bäume deutlich überragen und sei weithin sichtbar, monieren sie. Dies widerspreche dem Regionalplan. Außerdem liege der Standort am dichtesten an der Wohnbebauung (150 Meter) und in der Nähe des Kindergartens.

„Ein 20-Meter-Mast fällt vergleichsweise schlank aus und ist nicht mit großen Mastanlagen wie zum Beispiel in Seehausen vergleichbar“, sagt die Gemeinde. Aus ihrer Sicht wäre ein Mast weitgehend verdeckt, weil er an eine Gehölzinsel angegliedert würde.

Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München ging auf die Belastung der Häuser im Umfeld von Masten ein. Diese sei im Bereich der ersten 200 Meter relativ „niedrig“. Letzten Endes beschloss der Gemeinderat, alle vier Standorte weiter zu verfolgen, die bisher diskutiert wurden. Dazu gehören neben dem Sonnenstein der Gemeindewald, der Rußbichl und die Kläranlage. Das Verfahren zur Aufstellung eines speziellen Flächennutzungsplans für Mobilfunk geht nun weiter. (roy)

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