Monströse Vorhänge: Die neuen Netze sollen die Windgeschwindigkeit halbieren. Beim Springen 2012 kommen sie an der Olympia-Schanze erstmals zum Einsatz. foto: Sehr

Startbereit fürs Neujahrsspringen

Garmisch-Partenkirchen - Kälte und Schneefall machen die Vorbereitung aufs Neujahrsspringen möglich. Die neuen Windnetze sind bereits installiert.

Das Wochenende hat die ersten ergiebigeren Schneefälle gebracht und damit einige Sorgenfalten bei den Funktionären des Skiclubs Partenkirchen geglättet. Minustemperaturen in der Nacht, dazu etwas Weiß von oben - die Vorbereitungen für das Neujahrsspringen am 1. Januar 2012 konnten endlich beginnen. „Es muss an diesem Wochenende auch etwas passieren“, hatte SCP-Präsident Michael Maurer noch in der Vorwoche Klartext gesprochen. Wehe, die Meteorologen würden sich täuschen. Doch das haben sie nicht. Die Schneekanonen im Skistadion laufen nachts im Dauerbetrieb.

3000 Kubikmeter Schnee sind notwendig, um Schanze und Stadion fürs Springen am Neujahrstag komplett mit einer 30 Zentimeter dicken Schicht zu bedecken. Diese Menge spucken auch die Kanonen nicht so schnell aus. „Zwei bis drei Tage müssen wir Schnee machen“, weiß Maurer aus Erfahrung. „Dazu kommen drei bis vier Tage fürs Präparieren.“ Macht in der Summe rund eine Woche, um die Anlage für den Wettbewerb fit zu machen. „Viel Schlaf bekommst du dann aber trotzdem nicht.“

Gerne hätte der SCP die Schanze schon früher hergerichtet. Schließlich war für das Wochenende ein FIS-Cup für den europäischen Nachwuchs geplant, zudem wollten einige Nationen kurz zum Training auf der Olympia-Schanze vorbeischauen. „Wir hatten einige Anfragen“, bestätigt Maurer. Doch mit einer sprungfertige Anlage konnte er nicht dienen.

Die Absage machte auch den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. Die wollten das neue Windnetz einem Praxis-Test unterziehen. Die blauen überdimensionalen Vorhänge sind sicher die größte Neuerung beim Neujahrsspringen im Rahmen der 60. Vierschanzentournee. Der Weltverband FIS hatte die Netze nach dem abgebrochenen Springen 2011 gefordert und durchaus den Fortbestand der Veranstaltung daran gekoppelt.

Die Organisatoren waren gefordert. Und da gehörte neben dem Skiclub auch der Deutsche Skiverband (DSV) dazu. „Denn schließlich sind die Netze nicht nur für uns ein Vorteil“, stellt Maurer klar. „Wir müssten eigentlich nur eine Wertung erbringen. Für uns ändert sich finanziell nichts, wenn wir nur einen Durchgang haben.“ Ärgerlich sei es beispielsweise fürs Fernsehen. Und das hat die Verträge schließlich mit dem DSV abgeschlossen. Die Lösung des Problems war am Ende eine sehr erfreuliche für die Garmisch-Partenkirchner: Der Verband kaufte das Netz-System. „Der Deal ist, dass es nun noch von der Firma aufgebaut wird, die Aufgabe dann aber in den nächsten Jahren peu à peu von der Gemeinde und vom Skiclub übernommen werden soll.“ Was genau die Anlage gekostet hat, kann Maurer nicht genau sagen: „Ich habe mal was von knappen 200 000 Euro gehört.“ (cf)

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