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Ankunft in Benediktbeuern: Im Nest auf dem Kloster-Konventbau sitzt bereits wieder ein Storchenpaar.

Muki ist ein Wunder der Natur

Startet bald wieder die Storch-Saison?

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Murnau - Es ist schon ein bisschen merkwürdig: Eigentlich bietet Murnau nämlich unwirtliche Bedingungen für Störche. Doch in der Marktgemeinde bahnt sich dennoch eine Tradition an.  

Ende März könnte die Saison wieder starten – auch für Ralf Oswald. Spätestens dann wird der Hausmeister der Murnauer Emanuel-von-Seidl-Grundschule morgens, wenn er seinen Arbeitsplatz erreicht, wieder täglich den Blick nach oben richten: auf den Horst, der den Kamin der Schule schmückt. Dieser wird, davon geht Oswald fest aus, wie in den vergangenen Jahren etwa ab Ende März bewohnt sein. Dann beginnt die Zeit, auf die sich Oswald, die Seidl-Schüler und viele Murnauer freuen: die neue Saison mit den Störchen.

„Ich schaue jeden Tag hoch – das ist einfach schön“, sagt Oswald, der Anteil nimmt am faszinierenden Geschehen auf dem Kamin und Buch führt darüber, wann sich was zuträgt über den Dächern von Murnau. Auf diese Weise kann der Hausmeister den Termin abschätzen, an dem eventuell Junge schlüpfen werden. 2015 schaffte es erstmals ein Paar, in Murnau Nachwuchs aufzuziehen: Muki überlebte und wurde nach einer kurzen Karriere als Nesthocker mit Hilfe von Experten des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) doch noch flügge; ein zweites Storchenkind starb nach einer Kälte- und Nässeperiode. Oswald besorgte die Erdbestattung.

Brutnest-Suche hat begonnen

Muki stellt ein kleines Wunder der Natur dar: In der Region gestaltet sich das Klima für die Großvögel „ungünstiger als im Rest Bayerns“, sagt für Oda Wieding, die Weißstorch-Expertin des LBV. Der Voralpenraum weise relativ wenig Storchenansiedlungen auf, der vielen Niederschläge wegen. „Der Storch braucht es nass von unten und trocken von oben.“ Da die Bestände in den vergangenen Jahren gewachsen sind – so viele Störche gab es in Bayern seit den 1960er Jahren nicht mehr – , stieg „der Druck, alle verfügbaren Plätze zu besetzen“, sagt Michael Schödl, Geschäftsführer der LBV-Regionalgruppe Garmisch-Partenkirchen/Weiheim. Da der Horst auf der Seidl-Schule in den vergangenen Jahren begehrt war, geht der Ohlstädter fest davon aus, dass sich auch heuer wieder ein Paar ansiedeln wird. Langfristige Prognosen vermag Expertin Wieding nicht zu stellen. Doch sie meint: Sollten sich aus irgendeinem Grund einmal die Bedingungen verschlechtern, werde der relativ unwirtliche Standort Murnau „einer der ersten sein, die nicht mehr besiedelt werden“. Aktuell sieht Schödl aber eher den Beginn einer Storchen-Tradition.

Schon jetzt streunen Tiere auf der Suche nach dem besten Brutplatz herum. Benediktbeuern vermeldete bereits die Rückkehr der Weißstörche. Tiere, die sich momentan in Bayern aufhalten, gehören entweder zu den rund 200, die den gesamten Winter im Freistaat verbracht haben – oder sie hatten nur im Elsass, am Bodensee, im Rheintal oder in Spanien Quartier bezogen und deshalb einen verkürzten Rückweg. Schödl geht davon aus, dass das Murnauer Paar zu den Zugvögeln zählt und bis Afrika flog. Bei dieser Gruppe gibt es normalerweise bis spätestens Ende April ein Wiedersehen.

In Murnau rechnen die Beteiligten damit, dass das Spektakel, das mitten im Ort Aufmerksamkeit auf sich zieht, früher beginnt. Ende März hätte Oswald wieder ein recht exklusives Vernügen – immerhin sind dann Ferien und die Schüler nicht im Haus. Vor allen anderen könnte Oswald dann wieder einen Blick aufs Dach werfen. Das macht er „ganz automatisch“ – um zu sehen, ob die Saison begonnen hat.

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