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Wenn der Ernstfall eintritt: Mit Hilfe eines Staudamms sollen am Bärnbichl die Wassermengen auf einer Überflutungsfläche (blau) zurückgehalten werden.

Hochwasserschutz in Krün

Kranzbach soll endgültig gebändigt werden

Krün - Vom Kranzbach soll keine Gefahr mehr ausgehen. Deshalb will die Gemeinde Krün im Ortsteil Bärnbichl einen Staudamm bauen. 

Im Normalfall schlängelt sich der Kranzbach wildromantisch durch die Isartaler Bilderbuch-Landschaft. Da scheint es geradezu unglaublich, dass sich das Gewässer auch in eine tosende Flut verwandeln kann. Schon oft genug geschehen. Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) kann sich an historische Aufnahmen erinnern, die Krün einen halben Meter im Wasser zeigen.

Vor rund 80 Jahren realisierte der damalige Reichsarbeitsdienst einen künstlichen Bypass, die sogenannte Flutmulde – eine zwei Kilometer lange Rinne zwischen Krün und Wallgau. Bei Starkregen wird damit überschüssiges Wasser ins Finzbett abgezweigt. Doch das allein reicht nicht mehr, finden die Rathaus-Vorderen. Der Kranzbach muss bereits vorher entschärft werden. Deshalb hat nun der Gemeinderat mit 10:0 Stimmen das Integrale Hochwasserschutz- und Gewässer-Entwicklungskonzept auf den Weg gebracht. Das bildet die Basis für das Staudamm-Projekt beim Ortsteil Bärnbichl – sozusagen Hochwasserschutz mal zwei. „Das ist das letzte, was noch fehlt“, glaubt Schwarzenberger.

Damit greift die Kommune auf ein Vorhaben zurück, das im Grund bereits Ende 2013 angestoßen worden war, aber wegen des G7-Gipfels in Schloss Elmau zunächst wieder in der Schublade verschwand. Es sieht südlich des Maximilianhofs nahe der Nachtloipe den Bau eines etwa 30 Meter langen Staudamms mit kontrollierter Wasserabgabe vor. Damit will man die Flut stoppen und diese auf einer vorgelagerten Wiese auslaufen lassen. Im Katastrophenfall bildet sich dann nördlich von Bärnbichl ein etwa ein Hektar großer, künstlicher See, der ebenso schnell wieder versickern soll.

Die Kosten belaufen sich auf bis zu 300 000 Euro. Mit Hilfe des Integralen und ökologischen Konzepts können Fördermittel abgegriffen werden. So übernimmt der Staat 75 Prozent der Planungs- und 65 Prozent der Baukosten. Heuer möchte die Gemeinde die notwendigen Grundstücksverhandlungen führen. 2017 soll das Projekt umgesetzt werden. Wie wichtig die Maßnahme ist, verdeutlicht Schwarzenberger anhand der Flutmulde. Darin sei in den 1980ern etwa zweimal pro Jahr Kranzbach-Wasser abgeleitet worden. „Mittlerweile ist das fast monatlich der Fall.“

Die Anregung von Gemeinderat Georg Schober (Aktiv für Krün), den Staudamm bereits am Barmsee-Schilf zu verwirklichen, scheint hingegen illusorisch. „Da haben wir bereits vom Naturschutz eine klare Absage erhalten“, teilte ihm Schwarzenberger mit.

Seit 2004 flossen in den Hochwasserschutz an Isar und Kranzbach rund eine Million Euro in Krün. Christof Schnürer

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