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Finden die Idee gut: Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler (r.) und die  Pächterfamilie (hinten v. l.) Neno und Vroni Horvath sowie deren Kinder (vorne v. l.) Franziska, Andreas und Julia.

Nur zwei Gemeinden pflegen den Brauch

Wallgau lässt eine alte Tradition aufleben

Wallgau - Neuauflage nach jahrzehntelanger Pause: Im Haus des Gastes findet heuer wieder ein Stefanitanz statt. Die Idee ist aus einem Gespräch heraus entstanden. 

Vroni Horvath setzt sich an den Tisch der Musikanten. Sie ratscht mit ihnen über dies und das. Darüber, was so los ist im Dorf. Solche Dinge. Schon bald dreht sich das Gespräch nur noch um ein Thema. „Ein Tanz wär’ mal wieder recht“, wirft die Pächterin des Wallgauer Haus des Gastes in die Runde. Das war im Oktober. Nach ein paar Tagen stand der Plan. Und jetzt, zwei Monate später, hat sie ihren Wunsch realisiert, beziehungsweise bereitet gerade alles dafür vor. Denn Horvath belebt am Samstag, 26. Dezember, in ihrer Wirtschaft eine Veranstaltung wieder, die in ihrer Heimat längst vergessen war. Und nicht nur dort.

„Kathrein stellt den Tanz ein“ lautet ein alter Spruch. In der Zeit vom 25. November bis 26. Dezember gehörte es sich in früheren Jahrhunderten nicht, Tanzveranstaltungen zu besuchen. Erst am 26. Dezember war diese Regel wieder aufgehoben. In den Dorfwirtschaften spielten Musikanten zum so genannten „Stefanitanz“ auf. Bis vor 20 bis 30 Jahren organisierte ihn in Wallgau der Skiclub. Wann genau sein letztes Stündchen geschlagen hat, das weiß auch Vorsitzender Hendrik Gause nicht mehr. Ebensowenig wie den Grund dafür. Bürgermeister Hansjörg Zahler mutmaßt, dass die schrumpfenden Besucherzahlen Schuld hatten. „Es gab zu dieser Zeit noch ein größeres Angebot an Veranstaltungen“, erinnert er sich. „Am Schluss kamen nur noch so 40 bis 50 Leut’.“

Horvath, die selbst „brutal gern“ tanzt, sieht dem Wiederbelebungs-Versuch des Brauchs gelassen entgegen. „Wir probieren’s einfach“, sagt sie, „und schauen ob er ankommt.“ Mit ins Boot hat sich die Wirtin, die Oimsumma Musi und die Oberlandler Sechser-Musi geholt, die zum Tanzen animieren sollen. Die Organisatorin, die mit ihrer Familie im November 2014 das Haus des Gastes übernommen hat, sprüht geradezu vor Optimismus. „Ich freu’ mich wie die Sau drauf“, sagt sie und lacht laut. Dazu hat sie auch allen Grund. 350 Sitzplätze kann sie anbieten und an Reservierungen mangelt’s nicht.

Horvaths Idee scheint schon jetzt gut aufgenommen zu werden. Wenn sie ihr Ziel erreicht, den Stefanitanz dauerhaft zu etablieren, würde Riegsee sein Alleinstellungsmerkmal verlieren. Denn im nördlichen Landkreis wird nur mehr dort der Brauch gepflegt – zumal der Heilige Stephan Namenspatron des Gotteshauses ist. Somit feiert die Pfarrgemeinde alljährlich am zweiten Weihnachtsfeiertag Kirchweih. Auch im Raum Garmisch-Partenkirchen gibt es zwar Tänze, aber keinen Stefanitanz mehr: „Mir ist jedenfalls keiner bekannt“, sagt Kreisheimatpfleger Biwi Rehm. Aber wer weiß, vielleicht macht Wallgau den Anfang.

Der Stefanitanz

im Haus des Gastes in Wallgau findet am Samstag, 26. Dezember, ab 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) statt. Der Eintritt kostet sechs Euro. In Riegsee spielen ab 20 Uhr, ebenfalls im Haus des Gastes, die Oberhauser Musikanten und der Stoabachklang auf. Die Eintrittsgelder aus Riegsee kommen der Station Intern III der Haunerschen Kinderklinik in München zugute.

Heino Herpen/Manuela Schauer

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