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Unbeeindruckt von den Warnschildern: Während Bernhard Ostler am Ausgang der Höllentalklamm die neuen Tafeln montiert, machen Wanderer weiter Rast.

Trotz des tödlichen Unglücks

Steinschlag: Wanderer rasten wieder vor Warnschildern

  • Matthias Holzapfel
    VonMatthias Holzapfel
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Grainau - Der Alpenverein hat sofort reagiert. Nur wenige Tage nach dem tödlichen Unglück am Ausgang der Höllentalklamm hat die Sektion neue Warnschilder montiert – zweisprachig. Was die Mitglieder dabei aber erlebten, das macht sie fassunglos.

Hans Hofmann ist auch am Tag danach noch beinahe sprachlos. „Das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt er. Mit Bernhard Ostler hat der Klammreferent der Alpenvereinssektion Garmisch-Partenkirchen am Samstag die ersten sechs neuen Warnschilder am Ausgang der Höllentalklamm an die Felsen geschraubt. Vorsicht, akute Steinschlaggefahr, nicht stehen bleiben – darauf weisen die Tafel hin, gut lesbar. Und inzwischen auch in englischer Sprache. In den nächsten Tagen werden noch sechs weitere folgen. Sie sollen helfen, eine weitere Tragödie wie am Mittwoch zu vermeiden.

Bei einer Rast in dem Bereich war ein 39-jähriger Wanderer aus Belgien Opfer eines Steinschlags geworden. Er war sofort tot. Eine Familie, die sich nur wenige Meter weiter aufhielt, erlitt einen Schock. Aber um den aufsehenerregenden Unfall schert sich nur wenige Tage später niemand mehr. Im Gegenteil. Jetzt machen Wanderer direkt neben den rot gefärbten Felsen Brotzeit. Nur wenige Zentimeter davon entfernt.

Es ist für Hans Hofmann ein schlimmer Anblick. Am Unglücksort sind die Felsen noch immer tiefrot vom Blut des Wanderers. Dem Regen ist es noch nicht gelungen, es weg zu waschen. Es bleibt als sichtbares Zeichen des Unfalls.

„Wir haben die Leute auf dieses schreckliche Unglück aufmerksam gemacht und ihnen gesagt, dass sie bitte weiter gehen sollen, dass es dort gefährlich sein kann“, berichtet Hofmann von dem Einsatz am Samstag. „Aber die Leute sagen nur: ,Da kann ich doch nichts machen.‘“ Und von den Tafeln lassen sie sich erst recht nicht beeindrucken. Im Gegenteil, sie schauten Ostler interessiert zu, als er mit der Akkubohrmaschine die Löcher bohrte. Sektionsmitglieder sollen nun verstärkt auf dem Weg kurz nach dem ersten Brückerl und rund 100 Meter nach dem Ausgang der Klamm Wanderer zum Weitergehen anhalten. Ob das Erfolg hat, vermag Hofmann nicht zu sagen. „Wahrscheinlich verärgert man damit die Leute nur.“

Abfinden will er sich damit nicht. „Der Alpenverein wird sich noch weitere Maßnahmen überlegen“, kündigt er bereits an. Zu sehr liegt ihm die Klamm am Herzen. „Wir machen das ganze Jahr über viel, und wir machen das ganze Jahr über Werbung. Ich will nicht, dass auch nur einer sagt: Wenn Du da reingehst, bist zu tot.“

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