Paukenschlag

Sternekoch wird Ähndlwirt

Murnau - Paukenschlag in der Murnauer Gastronomie-Szene: Thilo Bischoff, bislang Küchenchef in der Nobelherberge Alpenhof, wird bodenständig und übernimmt nach dem vielbeachteten Ausstieg der Familie Schägger die Ähndl-Wirtschaft.

Spekulationen, er wolle aus dem urigen Lokal am Rande des Murnauer Mooses einen kleinen Feinschmecker-Tempel machen, tritt er entgegen. „Es bleibt so, wie es ist“, betont der 39-Jährige. Er will wie seine Vorgänger auf eine gute bayerische Küche zu zivilen Preisen setzen. Nächstes Jahr im März soll es losgehen.

Den Pachtvertrag mit der Karg-Brauerei, die wiederum die Gaststätte von der Katholischen Kirche als Eigentümerin gepachtet hat, hat Bischoff bereits in der Tasche. Offenbar setzte er sich gegen mehrere Bewerber durch. Es verwundert nicht, dass das Interesse groß war: Das Ähndl-Lokal ist ein beliebtes Auflugsziel - und gilt daher als lukrativ.

Der Hickhack um den Traditionsbetrieb ist seit Wochen Ortsthema Nummer eins. Auch die Gemeinderäte gerieten sich deswegen in die Haare (wir berichteten). Der Volkszorn kocht. Unbekannte haben sogar ein Marterl aufgestellt - „zum Andenken der Familie Schägger“, wie es darauf heißt. Der Hintergrund: Das Landratsamt ist derzeit dabei, die Parkplätze in dem Areal neu zu gestalten. Es geht vor allem darum, die Wildparkerei zu beenden und einen freien Blick aufs Moos zu schaffen. Doch mit diesem Vorhaben war der bisherige Ähndlwirt Franz Schägger überhaupt nicht einverstanden. Er befürchtete weniger Stellflächen für seine Gäste und Umsatzeinbußen - und warf das Handtuch. Nicht alle geben sich mit dieser Erklärung zufrieden und vermuten andere Beweggründe.

Wie dem auch sei: Der Einstieg Bischoffs kommt überraschend. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Markt - und sorgt für Stirnrunzeln. Viele fragen sich: Wieso wechselt ein Koch dieses Kalibers, der für seine Künste am Herd bereits mit einem Michelin-Stern geadelt wurde, von einem Luxushotel in eine „normale“ Wirtschaft? Für den Familienvater ist die Antwort ganz einfach: Er wolle endlich sein eigener Chef sein - nach 22 Jahren als Angestellter.

„Das war schon immer mein größter Traum“, erklärt er. Jetzt habe er die Chance zum Sprung in die Selbstständigkeit genutzt. Das Gasthaus am Ähndl sei eines der schönsten in der Umgebung, schwärmt Bischoff. Die Gourmet-Küche habe er nun lange genug betrieben. „Ich will was Neues machen“, sagt der geschäftstüchtige Murnauer, der nebenher noch einen Delikatessen-Handel und einen Party-Service aufziehen will. Diese unternehmerischen Möglichkeiten habe er als Angestellter nicht.

Karg-Chef Franz Schubert hat eine simple Erklärung dafür, dass der Alpenhof-Mann den Zuschlag erhielt: „Weil er der Beste ist“, sagt er. Bischoff sei in der Lage, auch zu Stoßzeiten den Andrang zu bewältigen. Vereinbarte Bedingung sei es, dass es ein bayerisches Bierlokal bleibt. Ein Gourmet-Restaurant, in dem fast nur Wein getrunken werde, wäre nicht im Interesse der Karg-Brauerei.

Alpenhof-Direktor Christian Bär hat Bischoffs Kündigung schon auf dem Schreibtisch liegen. „Das ist natürlich sehr traurig“, sagt der Manager. Er akzeptiere aber, dass sein Mitarbeiter eine neue Herausforderung gefunden habe. Ein Nachfolger müsse zwar noch gesucht werden, das hohe Niveau der Alpenhof-Küche bleibe aber bestehen. Für das Hotel ist der Weggang doppelt bitter. Es verliert nicht nur einen erfahrenen Küchenchef, sondern auch den Michelin-Stern. Dieser ist nämlich personengebunden und gehört quasi Bischoff. (as)

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