Was tun? Pether Koss (l.), Mitinitiator der Interessengemeinschaft, und „Antennen-Nachbar“ Max Lehner diskutieren über mögliche Strategien. Foto: sp

Strategien gegen Sendemasten

Murnau - Die neue Antenne ist ihnen ein Dorn im Auge, nicht nur der Gesundheit wegen. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft gegen Mobilfunk fürchten zudem Wertverluste bei den Immobilien.

Die Angst treibt sie um. Die Angst vor gesundheitlichen Schäden, aber auch die Angst um die Wertminderung ihrer Immobilien und Grundstücke. Die Antenne, die im Sommer auf einem Haus am Murnauer Burggraben, das wegen eines bestimmten Ladens immer wieder in der Diskussion steht, errichtet wurde, solle am besten gleich wieder weg. Dies war von den Mitgliedern der neu gegründeten Interessengemeinschaft (IG) gegen Mobilfunk in Murnau unisono zu hören. Aber wie? Das schien an ihrem ersten offiziellen Info-Abend im Kultur- und Tagungszentrum die große, unbeantwortete Frage zu sein. Zu dieser Veranstaltung hatten sie einen hochkarätigen Experten eingeladen. Aber viel Hoffnung konnte auch Dieter Kugler vom Geobiologischen Beratungsdienst in Bad Heilbrunn den 40 Anwesenden nicht machen. Ausführlich ging Kugler zunächst auf die inzwischen wissenschaftlich fundiert und ausreichend nachgewiesenen gesundheitlichen Schädigungen durch Mobilfunk- und andere Funkstrahlungen (Bahnfunk, BOS-Polizeifunk, WLAN, DECT-Technik bei Telefonen etc.) ein. Beeinträchtigungen des Gehirns, Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen bei Kindern, Herzrythmusstörungen, Gelenkschädigungen bei anfälligen älteren oder aber von Haus aus elektrosensiblen Menschen, nannte er als Beispiele. „Mit dem Argument der Gesundheit haben Sie aber keine Chance. Da können Sie hierzulande nichts bewegen“, erklärt er den Anwesenden. Leider sei es in Deutschland nämlich immer noch so, dass die Gesundheitsschädigungen von den Betroffenen selbst nachgewiesen werden müssten. In anderen Ländern wieSpanien beispielsweise habe man den Spieß einfach umgedreht. Da verlangten die Gerichte in konkreten Fällen, dass erst einmal die Betreiber nachzuweisen hätten, dass die Strahlungen eben nicht gesundheitsschädlich seien. Dadurch seien dort auch schon tausende von Antennen abmontiert worden.

Die einzig realistische Möglichkeit, eine bereits bestehende Antenne wieder loszuwerden, besteht seiner Meinung nach darin, den Weg über den schnöden Mammon zu wählen. „Wenn’s an den Geldbeutel geht, dann geht am meisten“, meinte er. „Wenn Sie nachweisen können, dass durch die Antenne ihre Gebäude und Grundstücke im Wert gemindert wurden, können Sie klagen. Es ist nämlich vielen Hausbesitzern, die ihre Dächer zur Verfügung stellen, gar nicht bewusst, dass Versicherungen keinerlei Haftung übernehmen, und die Betreiber auch nicht.“ Die Hausbesitzer müssten voll für Schäden jeglicher Art aufkommen. „Dazu kommt, dass viele leider immer noch glauben, von den Strahlen der Antennen auf ihren Dächern nichts abzubekommen.“

Wie sie weiter vorgehen, wollen sich die Betroffenenen nun überlegen. Am heutigen Donnerstag treffen sie sich um 19.30 Uhr in der Burgklause in Murnau. Dort sollen erste Strategien entwickeln werden. Wie genau diese aussehen, kann Pether Koss, einer der Mitinitiatoren der IG, auch noch nicht sagen. Von „Rabatz machen auf breiter Front“, oder „Möglichst viele mit ins Boot holen“ war an dem Abend die Rede. Eins jedenfalls ist sicher: „Wir werden uns jetzt anwaltlich beraten lassen und in Erwägung ziehen, in punkto Wertminderung unserer Gebäude etwas zu unternehmen.“

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