Max Ainmillers Grabmal auf dem Alten Südfriedhof in München.

Streit um Bilder eines Münchner Malers

Werke von Max Ainmiller: Kunstkrimi landet vor Gericht

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Murnau - Dies ist eine Geschichte über einen Künstler und sein Werk, über Familienfehden und Erbstreitigkeiten. Im Mittelpunkt: der Münchner Maler Ainmiller – und seine verstorbene Ururenkelin.

Jahrzehntelang hingen zwei wertvolle Bilder des Künstlers Maximilian Emanuel Ainmiller in der Wohnung seiner Ururenkelin in Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen). Ainmiller – das wird nicht jedem etwas sagen. Der Münchner lebte von 1807 bis 1870, er war ein erfolgreicher Glasmaler, schuf unter anderem Fenster im Regensburger Dom und die Bayernfenster im Kölner Dom. Und er malte.

Als die Dame im Frühjahr 2011 mit 91 Jahren verstarb, gingen die Querelen um die Gemälde los: Ihr Lebensgefährte, ein 54 Jahre alter Afghane, nahm sie bei seinem Auszug mit – angeblich um sie in die Neue Pinakothek in München zu bringen. Das sei der Wunsch der alten Dame gewesen, sagt er. Doch die Tochter der Verstorbenen, heuer im April selbst mit 69 Jahren verstorben, bezichtigte ihn des Diebstahls und rief die Polizei. Seither beschäftigt sich die Justiz mit ihm.

Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verurteilte den Afghanen im vorigen Dezember zu neun Monaten Haft auf Bewährung. Doch der Angeklagte legte Berufung ein.

Nun wurde der Prozess vor dem Landgericht München II ein zweites Mal gestartet, wobei sich der Angeklagte gegen die Vorwürfe verwahrte. „Die Bilder habe ich nicht gestohlen“, sagte er, „sondern sie sind mir von meiner Lebensgefährtin überlassen worden. Ich solle die Bilder behalten und gelegentlich an die Pinakothek in München weitergeben.“ Denn dort gebe es bereits eine Ainmiller-Sammlung. Die Tochter der 91-Jährigen sollte die Ölgemälde angeblich nicht erhalten. Denn diese habe früher solche Bilder schlicht auf dem Flohmarkt verkauft.

Die inzwischen ebenfalls tote Tochter der Erblasserin hatte im Dezember noch vor dem Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen ausgesagt. Ihre Mutter hätte größten Wert darauf gelegt, dass die Bilder ins Schlossmuseum Murnau kommen, von der Pinakothek sei nie die Rede gewesen. Als der 54-Jährige am 6. August 2011 die Bilder holen wollte, habe sie gesagt, dass die Bilder da blieben. „Daraufhin bekam er einen Wutanfall und nahm sie wutschnaubend mit. Ich aber rief die Polizei.“

Die Enkelin (38) der 91-Jährigen bestätigte hingegen die Version des Angeklagten. „Meine Großmutter sagte, dass ich vor allem schauen soll, dass er die Ainmiller-Bilder bekommt. Er sollte sie zur Pinakothek bringen.“ Die 38-Jährige selbst sollte verschiedene Möbelstücke und einige Bilder ihres Urgroßvaters Max Dingler bekommen, eines bekannten Mundartdichters. Diese Bilder habe sie aber nie erhalten. „Die hat mir meine Mutter nicht gegönnt.“

Das Verhältnis zwischen der Mutter und der Großmutter war ebenso schlecht, berichtete die Enkelin. Auch andere Verwandte berichten von extremer Zerrüttung. Die 91-Jährige hatte deshalb eigentlich ein Testament verfasst, in dem sie die Tochter sowie die beiden Enkelinnen zu gleichen Teilen als Erbinnen einsetzte. Doch als die betagte Dame im Krankenhaus weilte, fand ihre Tochter das Testament und zerriss es. Anschließend drohte sie der 91-Jährigen mit Gewalt, sollte sie das Testament nicht ändern. Daraufhin wurde die 69-Jährige zur Alleinerbin bestimmt. Sie erbte alles – ihrer Meinung nach auch die beiden Ainmiller-Bilder.

Die Vorsitzende Richterin überlegte, ob man das Verfahren nicht anders lösen könne. An die Staatsanwältin gerichtet fragte sie: „Sollen wir weiter in missratenen Familienverhältnissen graben? Das würde Wunden aufreißen.“ Doch die Staatsanwältin blieb hart. „Der Diebstahl ist meiner Meinung nach verwirklicht.“ Sie sehe keine Möglichkeit, das Verfahren gegen eine Auflage einzustellen. „Es ist schwierig von neun Monaten Haftstrafe auf Sozialstunden zu kommen.“ Nun geht der Prozess weiter. Das Gericht will auch noch die zweite Enkelin (39) der Murnauer Erblasserin hören.

Für die beiden Ölbilder von Max Ainmiller hat die Geschichte nun immerhin ein gutes Ende genommen. In einem Zivilprozess wurde ein Vergleich geschlossen: Die Gemälde werden dem Schlossmuseum Murnau übereignet. Diese sind dort auch bereits eingetroffen. Es handelt sich um die Werke „St. Gerion bei Nachtbeleuchtung“ und „Heilige Familie“, entstanden um 1850, Wert rund 10 000 Euro. Sie waren allerdings in einem schlechten Zustand, als sie ankamen, erklärt Museumsleiterin Sandra Uhrig. Deshalb müssen die Bilder erst noch restauriert werden. Danach werden sie für alle Besucher im Schlossmuseum Murnau zu bewundern sein.

Nina Gut

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