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Stein des Anstoßes: Der Grundbesitzer, auf dessen Flächen (v. l.) Nikolaus Grasegger, Alexander Türpitz und Helmut Angerer hier die Tribüne herrichten, klagt über den Zustand seines Bodens nach den Weltcup-Rennen.

Kandahar-Rennen

Streit um Flächen: Weltcup-Rennen gerade noch gerettet 

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Garmisch-Partenkirchen - Die Weltcup-Rennen auf der Kandahar sind heuer gesichert: Im Streit um Flächen im Zielbereich einigen sich Marktgemeinde und Organisationskomitee mit dem Grundbesitzer.

Wie ein Damoklesschwert hing bis Mittwoch eine drohende Absage der Weltcup-Rennen über der Marktgemeinde und dem Organisationskomitee (OK) Ski-Weltcup. Dieses Horror-Szenario konnte abgewendet werden. Quasi in letzter Minute haben sich die Parteien geeinigt - zumindest für dieses Jahr. Der für den heutigen Donnerstag um 10 Uhr anberaumte Termin vor dem Landgericht München II findet dennoch statt. „Damit wollen wir zeigen, dass das, was das OK macht, rechtswidrig ist“, erklärt Ludwig Seitz. Der Rechtsanwalt vertritt einen Grundbesitzer, dem unter anderem drei wichtige Flächen im Zielbereich der Kandahar gehören. Zwischen ihm und den Organisatoren der Skirennen gibt es bis dato keine schriftliche Vereinbarung darüber, wie sein Boden im Zuge der Großveranstaltungen genutzt wird.

Ärger seit der WM 2011

Der Zwist gärt Seitz zufolge seit den alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2011. Seit damals werde der Grund des Garmisch-Partenkirchners „massiv beansprucht“. Und seit diesem Zeitpunkt wehrt sich der Eigentümer gegen die Art der Nutzung - bislang vergeblich. Immer wieder beschwerte er sich darüber, in welchem Zustand er seinen Besitz nach den Großveranstaltungen zurückbekommt. Jetzt wird dieser Streit erstmals öffentlich. Insbesondere stört sich der Mann an Tribüne und VIP-Zelt, die angeblich daran schuld sind, dass sich der Boden verdichtet und demzufolge Wasser auf dem Grundstück steht. Diese so genannten fliegenden Bauten sind nach Ansicht seines Anwalts von der Münchner Kanzlei Labbé & Partner, der schon im Rahmen der Olympia-Bewerbung die Anliegen einiger Grundbesitzer vertrat, nicht Bestandteil der Vereinbarung. Die hat der Markt im Vorfeld der Ski-WM mit einer Laufzeit von 25 Jahren mit den Grundbesitzern geschlossen. Darin heißt es , dass die Eigentümer im Zuge der Skirennen gestatten, ihre Flächen betreten und mit Skiern befahren zu lassen. Dieses Recht überträgt die Gemeinde, die laut Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) die Grundbesitzer „mit Geld- und Sachwerten“ entschädigt, ans OK. Und dieses interpretiert die Abmachung Anwalt Dr. Peter Samstag zufolge so, dass auch das Errichten eines Zielbereichs gestattet ist.

Nachdem der Grundbesitzer sich mittlerweile juristischen Beistand geholt und eine aus seiner Sicht vernünftige Regelung eingefordert hat, „war eigentlich schon im Januar ein tragbarer Kompromiss gefunden“, erinnert sich Meierhofer. Der sei allerdings durch eine einstweilige Verfügung torpediert worden, die Samstag beim hiesigen Amtsgericht erwirkte. „Das war nicht abgesprochen“, bedauert die Bürgermeisterin, „und hat unsere Verhandlungsposition deutlich verschlechtert.“ Worte, die der Garmisch-Partenkirchner Rechtsanwalt nicht nachvollziehen kann. Er habe diesen Schritt ergriffen und die Gemeinde darüber informiert, nachdem der Grundbesitzer über seinen Anwalt dem OK den Aufbau der Tribüne untersagen wollte. „Das entsprach quasi einem Hausverbot.“ Nachdem die Zeit drängte, wandte er sich ans Amtsgericht. Mit Erfolg.

Dagegen hat nun der gegnerische Anwalt seinerseits eine weitere einstweilige Verfügung beantragt, über die trotz des erreichten Kompromisses, der die Rennen heuer sichert, heute Vormittag in München verhandelt wird. Ein Termin, den Samstag nicht scheut. Er nannt das Vorgehen des Grundbesitzers „Erpressung“, vor allem da dieser drohte, seine Fläche am Hausberg künftig nicht mehr für die BMW Motorrad Days herzugeben, sollte es zu keiner Einigung mit dem OK kommen.

Rennen für heuer gesichert

Nachdem sich die Vertragspartner am Dienstagnachmittag in München zusammengesetzt und eine Lösung für 2015 gefunden haben, sind die Rennen zumindest für heuer gesichert. Zur Erleichterung von OK-Geschäftsführer Peter Fischer: „Es ging nicht um den Weltcup oder BMW, sondern um Garmisch-Partenkirchen.“ Für den Ort sei nun ein Weg gefunden worden, mit dem beide Seiten leben können. „Gott sei Dank haben wir das miteinander geschafft“, betont Fischer. Die Tage der Ungewissheit seien eine Nervenbelastung gewesen.

Und das nicht nur für ihn, sondern auch für die Vertreter des Marktes. „Es ist unglaublich wichtig, dass das geklärt ist“, sagt Tourismusdirektor Peter Nagel. Schließlich „befinden wir uns gerade im Präsentationsprozess, um BMW über 2017 hinaus zu halten“. Die Horror-Szenarien, die bis vor kurzem im Raum standen, „haben mich erschüttert“. Nach der Einigung habe der Grundbesitzer für die Motorrad Days sein Okay gegeben - bis 2017 und darüber hinaus gibt’s eine Option.

In puncto Weltcup stehen nach den Rennen in diesem Jahr weitere Gespräche an. „Unser Ziel ist es, eine endgültige Lösung zu finden“, erklärt Fischer. Das bestätigt auch Meierhofer, die sichtlich froh ist, dass beide Veranstaltungen vorerst gerettet sind. Gestern Nachmittag informierte sie den Ältestenrat darüber und ließ sich das Vorgehen absegnen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir nach dem Weltcup eine für alle Seiten gangbare Regelung finden.“

Tanja Brinkmann

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