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Streit um den Aufstieg: Wem gehört der Berg?

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Rot markiert: Die umstrittene Olympia-Strecke. Skitourengeher dürfen dort nur bis zehn Uhr vormittags hoch zum Kreuzeck marschieren. Dagegen klagen sie. © Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG, Grafik: Krasniqi

Garmisch-Partenkirchen - In den Bergen gibt es Ärger. Der Verein der Skitourensportler will freien Aufstieg für eine bestimmte Route hoch zum Kreuzeck – und klagt vorm Bayerischen Verwaltungsgericht. Das Urteil könnte einen Präzedenzfall schaffen.

Skitourengeher brauchen vor allem eins: einen langen Atem. Den hat Robert Herz bewiesen. Seit zwei Jahren liegt der Vorsitzende des bayernweit tätigen Skitourensportlervereins im Clinch mit der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Beide Parteien können sich nicht einigen, wann und wie lange die Tourengeher die Olympia-Piste hoch zum Kreuzeck benutzen dürfen. Es gab Treffen zwischen den Parteien, Gespräche, Telefonate, es wurde sogar demonstriert. Eine Lösung, die beide Seiten zufrieden stimmt, fehlt bislang allerdings. Nun hat Robert Herz Klage beim Bayerischen Verwaltungsgericht eingereicht. Die richtet sich gegen das Landratsamt, das aus Sicht der Tourengeher nichts gegen die Sperrung der Piste unternommen habe, die BZB ist beigeladen.

Bei der Verhandlung könnte es dann auch um die Frage gehen, wem der Berg, die Natur, eigentlich gehört. Und wer den Zugang zu ihr sperren darf. Herz sagt, sie gehört allen Menschen – und damit auch den Skitourengehern. Wann das Verwaltungsgericht verhandelt, ist noch unklar. Jedoch könnte damit ein Präzedenzfall für alle bayerischen Skitourengeher geschaffen werden. Bislang gibt zu dieser Problematik noch keinen Richterspruch. Eine Entscheidung dürfte Auswirkungen auf alle anderen Skigebiete haben.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) sitzt bei den Auseinandersetzungen zwischen Gehern und Liftbetreibern zwischen den Stühlen. Nicht nur in Garmisch-Partenkirchen gibt es deswegen Streit. Im Spitzingseegebiet (Kreis Miesbach) gibt es dem DAV zufolge eine pauschale Sperrung für Skitourengeher, dort laufen derzeit Verhandlungen.

Zwar könne der DAV das Hauptargument der Liftbetreiber gegen die Tourengeher bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen: Der Sicherheitsaspekt. Es könne zu gefährlichen Situationen zwischen Gehern und Skifahrern kommen. Auch Unfälle während der Pistenpräparierungen seien schon geschehen. Aber: „Die Skigebiete sind freie Natur, und somit gilt das Betretungsrecht“, sagt Jörg Ruckriegel, der zuständige Ressortleiter des DAV. Rechtliche Schritte, so wie sie jetzt in Garmisch-Partenkirchen erfolgen, hält Ruckriegel jedoch nicht für den richtigen Weg. In vielen oberbayerischen Skigebieten sei man durch Verhandlungen bereits zu guten Kompromissen gekommen. Der bayerische Skiverband hält sich hingegen aus der ganzen Sache raus. Auf Anfrage heißt es: „Eine offizielle Verbandsposition (...) liegt nicht vor“.

Beim Verband Deutscher Seilbahnen hingegen hat man eine klare Haltung zu den Tourengehern: „Es kann ja nicht ein jeder so laufen, wie, wo und wann er will. Das muss geregelt werden“, schnaubt Peter Huber, der Verbandschef. Huber ist zudem Vorstand der Zugspitzbahn. Er hofft auf eine klare Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichts.

Das relativ kostengünstige Tourengehen wurde in den letzten Jahren immer beliebter. Viele Skigebiete sind gerade dabei, sich auf diese neue Gruppe von Kunden einzustellen. Die Zugspitzbahn will bei diesem Trend mitziehen. Mehr noch: „Wir sehen uns in einer Vorreiterrolle“, sagt Matthias Stauch, der kaufmännische Vorstand der BZB. „Wir bieten ja auch eine alternative Route über den Hausberg an.“

Patrick Wehner

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