Ein Herz für Christine haben auch 20 Monate nach dem schrecklichen Unfall noch viele Garmisch-Partenkirchner.

Weihnachten daheim

Nach schrecklichem Unfall: Christine darf nach Hause

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Garmisch-Partenkirchen - 20 Monate nach dem schrecklichen Unfall verlässt die kleine Christine die Klinik und darf Weihnachten daheim in Garmisch-Partenkirchen verbringen.

Ruhe, Zeit für ihre und mit ihren Lieben, einfach daheim, in den eigenen vier Wänden sein - Kathrins Weihnachtswunsch klingt bescheiden. Eigentlich. Und doch ist er ein sehr großer, angesichts der Tragödie, die ihr und ihrer Tochter Christine widerfahren ist. Ein schrecklicher Unfall im April 2013 hat ihr Leben völlig aus der Bahn geworfen. In den vergangenen 20 Monaten waren Krankenhäuser und Reha-Kliniken das Zuhause von Mutter und Tochter. Zahlreiche Operationen und langwierige Behandlungen musste die heute Vierjährige über sich ergehen lassen, seit sie an der Kreuzung Von-Brug-/Parkstraße von einem Auto erfasst und 350 Meter mitgeschleift worden war. Die Torturen steckt die Kleine erstaunlich gut weg. „Kindern gelingt das viel besser als Erwachsenen“, meint Kathrin. „Sie haben keinen Begriff von Aufgeben, sie wollen wieder spielen und bei der Mama auf den Arm.“

Ein Stück Normalität, ein bisschen Alltag - das verbirgt sich hinter dem Weihnachtswunsch der Garmisch-Partenkirchnerin. Der scheint sich zu erfüllen. „Wenn nichts dazwischenkommt, dürfen wir heim.“ Diese Rückkehr in die eigenen vier Wände ist mit einigem Aufwand verbunden. Das kleine Mädchen ist auf einen Rollstuhl angewiesen, die Wohnung muss folglich umgebaut werden. Der Estrich im Gang wird rausgeschlagen, um vorhandene Schwellen zu entfernen, Türen werden verbreitert. Insbesondere im Bad gibt’s viel zu tun. „Wir brauchen eine größere Wanne und neue Waschbecken“, erklärt Kathrin. Noch kann sie nicht abschätzen, was alles auf sie zukommt. Auch nicht, welche Kosten sie erwarten.

Eine Hilfe ist ihr dabei sicher: die Spende von Toni Bartl. Je zwei Euro pro verkauftem Exemplar der neuen DVD „Andreas Baumann - ein Leben für das Brauchtum“ (siehe Kasten) kommen ihr und ihrer Tochter zugute. Eine Aktion, die Kathrin sichtlich bewegt. „Ich bin hin und weg, dass wir bei so vielen Leuten weiterhin so präsent sind“, sagt die alleinerziehende Mutter. „Dass man immer noch an uns denkt, freut mich unglaublich.“

Aus diesem Zuspruch schöpft sie Kraft. Kraft, die sie auch in Zukunft braucht. Denn obwohl ihr kleiner Schatz Fortschritte macht, sie und die Ärzte zuversichtlich sind, hat Christine die Folgen des schweren Unfalls noch lange nicht überstanden. Immer wieder wird das Mädchen ins Krankenhaus kommen, Operationen über sich ergehen lassen müssen - bis ins Erwachsenenalter. Ein Sprachcomputer hilft ihr derzeit, sich verständlich zu machen. Den wird Christine auch nutzen, wenn sie wie geplant Anfang 2015 in den Kindergarten kommt. „Die Therapeuten meinen, dass wir jetzt eine Alltags-Reha beginnen sollen“, erklärt Kathrin. Dazu gehört, dass sich ihre Tochter von Neuem an Gleichaltrige gewöhnt. „Das kennt sie ja gar nicht mehr.“ Sollte dieser Plan aufgehen, will Kathrin wieder arbeiten - „ganz flexibel, abhängig davon, wie es läuft“.

Ihre Tochter ist eine Kämpferin, die auch ihre Ärzte immer wieder beeindruckt. Eine Prognose, inwieweit die Vierjährige ein normales Leben führen kann, fällt ihnen allerdings weiterhin schwer. „Bei Kindern haben sie schon soviel erlebt“, weiß Kathrin. „Gerade auch positive Entwicklungen.“ Für sie wäre es jetzt erst einmal das größte Glück, Weihnachten daheim in Garmisch-Partenkirchen zu verbringen und ein Stück Alltag zurückzubekommen. Mit den Großeltern, Christines Papa und all den anderen Familienangehörigen. Darauf freut sich auch die Kleine.

Tanja Brinkmann

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