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Was steht wohl im Goldenen Buch? Christian (l.) hört aufmerksam zu, was der Nikolaus alles über ihn zu berichten hat. Max (r.) hilft derweil dem heiligen Besuch und hält seinen Stab.

Tagblatt-Weihnachtsaktion

"High five mit dem Nikolaus"

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Garmisch-Partenkirchen - Hört, wer kommt von draußen rein: Ein besonderer Gast besuchte die Bewohner im Haus an der Kanker. In seinem Goldenen Buch stand viel über deren Benehmen. Aber waren sie denn übers Jahr hinweg auch alle wirklich artig?

 „Jawohl, ich komm’ schon“, ruft Christian durch den ganzen Raum. Schließlich will er dem Nikolaus ja gehorchen. Schnell drückt er seinen Sitznachbarn, den Wilfried, von der Eckbank der Stube und spurtet mit seiner grauen Trainingshose und dem türkisen Shirt mit Aufdruck der Special Olympics nach vorne, um sich neben den Heiligen Mann mit dem edlen roten Umhang und den wuchtigen weißen Bart zu stellen. Der schielt nochmal durch die Brille in sein Goldenes Buch. Was haben seine Engerl wohl über den Christian zu berichten? So einiges – wie auch über die anderen sieben Bewohner.

„Du bist FC Bayern Fan, stimmt das?, fragt der Nikolaus. Christian nimmt die Hände aus der Hosentasche und antwortet: „Eigentlich ja 60er, aber die verlieren ja immer.“ Seine Mitbewohner und Betreuer prusten los vor Lachen. Diesen Sinneswandel kann man Christian nun wirklich nicht zum Vorwurf machen. Dann eher schon, dass er sich manchmal wie der Gruppenleiter aufspielt und besserwisserisch ist. Das gefällt dem Heiligen so gar nicht. „Magst du mir versprechen, dass du versuchst, dich zu verbessern?“ Christian nickt und hebt die Hand – für ein „High five“ mit dem Nikolaus.

Der hat schon eine große Tour hinter sich. In allen Wohnheimen der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe in Garmisch-Partenkirchen schaute er vorbei. Wie jedes Jahr. Mit im Schlepptau hat er nicht etwa den Krampus, nein, mit dabei ist unter anderem Hartmut Seiter von der Mittenwalder Truppenkameradschaft. Vor etwa 40 Jahren hat die mit der KJE eine Patenschaft begonnen. Seither organisieren die Mittenwalder Langlauftage, Ausflüge und seit rund 20 Jahren den Nikolaus-Besuch. Für Seiter jedes Mal ein schönes Erlebnis. „Man sieht die liebevolle und intensive Förderung, die hier geboten wird.“ Das Haus an der Kanker ist das älteste Wohnheim für behinderte Menschen. Weil es den heutigen Standards allerdings nicht mehr entspricht, heißt es für die Bewohner bald Koffer packen. Sie sollen in das geplante neue Wohnheim an der Dompfaffstraße ziehen, dessen Neubau das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt mit seiner Weihnachtsaktion unterstützt. „Wir könnten sogar noch mehr gebrauchen“, stellt Leiter Bernd Steinbach klar. „Wir haben eine endlos lange Warteliste.“ Das ist für ihn schon von daher nicht überraschend, weil dort alle wie in einer Familie zusammenleben.

Diese Harmonie hat auch der Nikolaus gleich gespürt und fühlte sich dort richtig wohl. Kein Wunder, bei den acht „Originalen“, wie sie Steinbach bezeichnet. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, sind um keine Ausrede verlegen. Berührungsängste gibt’s gar nicht. Der beste Beweis dafür ist die schwerhörige Gisela. Wie die Engerl beobachtet haben, eine richtige Quasseltante. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, rät ihr der Nikolaus. Sie klopft ihm auf die Schulter. „Alles klar, danke“, sagt sie trocken und setzt sich wieder.

Als Dankeschön für den Besuch greift Max schließlich noch zu den Instrumenten. Erst zur Flöte, dann zur Gitarre, mit der er dem Nikolaus die Rockversion von „Blau blüht der Enzian“ entgegenschmettert. Anschließend verabschiedet die Gruppe ihn mit einem Ständchen. Die Leckereien im Sackerl haben sich die Bewohner mehr als verdient.

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