Das Schild wird abgehängt, die Türen geschlossen: Ab morgen gehört die Tengelmann-Filiale in der historischen Ludwigstraße der Vergangenheit an. Neue Mieter für die Räume gibt es noch nicht. Foto: Berchtenbreiter

Tage der Tengelmann-Filiale sind gezählt

Garmisch-Partenkirchen - Am morgigen Samstag ist Schluss: Das Tengelmann-Geschäft an der Partenkirchner Ludwigstraße schließt - offenbar aus wirtschaftlichen Gründen.

Anwohner an der Ludwigstraße im Ortsteil Partenkirchen müssen sich ab kommendem Montag umstellen. Mal schnell zum Tengelmann schauen, um die nötigen Lebensmittel wie Milch, Gemüse oder Zucker zu besorgen, ist dann nicht mehr möglich. Neben vielen Geschäften, die in der Straße bereits leerstehen, schließt am morgigen Samstag um 13 Uhr auch die kleine Filiale der Tengelmann-Unternehmensgruppe im historischen Ortskern für immer ihre Pforten. „Sehr schade“ findet das Anton Krätz, Noch-Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“. „Damit verlieren wir einen großen Frequenzbringer. Der Laden hat viele Leute angezogen, die dort eingekauft haben.“

Krätz ist überzeugt, dass die Geschäftsaufgabe vor allem ältere Menschen erheblich treffen wird. „Viele sind alleinstehend und haben kein Auto. Sie konnten bisher ihre Lebensmittel bequem zu Fuß einkaufen. Das ist jetzt vorbei.“ Zwar befindet sich an der Mittenwalder Straße der Netto-Discounter. Für Personen, die schlecht zu Fuß sind, sei dies aber eine erhebliche Entfernung. „Außerdem hatte der Laden einen schönen Tante-Emma-Charakter, der gut in die Umgebung hineinpasst“, sagt Krätz.

Grund für die Schließung ist laut Sandra Rudolph, Pressesprecherin der Unternehmensgruppe, die geringe Rentabilität. „Generell steht hinter Ladenauflösungen immer der wirtschaftliche Faktor“, betont sie. Die Eröffnung einer anderen Filiale in der Gegend sei nicht geplant. „Aufgrund der aktuellen Umstände für das Unternehmen Tengelmann kommen Neueröffnungen momentan nicht in Frage.“ Die Umstände - das ist der geplante Verkauf von Tochterfilialen des Großunternehmens wie „Kaiser’s Tengelmann“ oder „Tengelmann E-Stores GmbH“ an den Edeka-Verbund. Das Kartellamt muss die geplante Übergabe erst noch genehmigen. Mitte des Jahres wird sich zeigen, ob die Unternehmenszweige von der Konkurrenz aufgekauft werden können.

Für die acht Mitarbeiter des Partenkirchner Geschäfts bedeutet die Schließung eine Umstellung, zumindest aber keine Arbeitslosigkeit. Für die Weiterbeschäftigung ist laut Rudolph gesorgt. „Die Damen und Herren werden in anderen Filialen in der Gegend weiterarbeiten.“ Dies bestätigt Filialleiterin Gabi Schlageter. „Alle Mitarbeiter kommen im Umkreis unter.“ Sie kann die Schließung des Geschäfts nachvollziehen: „Es gibt mit den großen Supermärkten einfach zu viel Konkurrenz rundherum. Wir sind das Geschäft, bei dem schnell eben das Nötigste eingekauft wird, das wirft einfach nicht genug ab.“ Schade findet es die Filialleiterin, den Kontakt mit den Kunden zu verlieren. „Es war schon immer eine schöne, familiäre Atmosphäre bei uns. Hier kennt man sich einfach.“ Den Abschied empfinden auch die Kunden als hart. „Viele jammern und erzählen uns, wie bedauerlich sie es finden, dass es uns nicht mehr gibt.“

Der „trostlose“ Anblick vieler geschlossener Geschäfte in der „wunderschönen Ludwigstraße“ stimmt Schlageter nachdenklich. „Es ist traurig, dass es hier immer ruhiger wird. Auch für Touristen ist das kein positives Bild.“

Einen Nachfolger für die Geschäftsräume gibt es nach Auskunft der Werbegemeinschaft Partenkirchen bisher noch nicht. Krätz fände es schön, wenn sich dort ein Dorfladen niederlassen würde. Aber: „Ob sich das jemand in naher Zukunft traut, muss ich leider bezweifeln.“

(Magdalena Kratzer)

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