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Die Champs der Neuzeit: (v.l.) Jürgen Kulczak, Wolfgang Hille-Zuber, Anton Fingerhut und Karl Anzenberger.
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Die Ur-Champs, die sich 1967 in Wallgau zusammengefunden haben: (h.v.l.) Karl Anzenberger, Franz Schropp, Hans Sprenger und (v.) Manfred Zadak.
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Die Champs in ihrer Hoch-Zeit : (h.v.l.) Karl Anzenberger, Jürgen Kulczak und Wolfgang Hille-Zuber, sowie (v.v.l.) Georg Hornsteiner und Matthias Albrecht. fotos: privat

MUSIK

Aus einer anderen Ära

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Nach 50 Jahren ist Schluss: Die legendären „Champs“ geben am Samstag ihr letztes Konzert in Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen – Wie steht man so etwas durch? Die Frage muss erlaubt sein. Abend für Abend, Bierzelt für Bierzelt, Hochzeit für Hochzeit, Fasching für Fasching – 50 Jahre lang. Karl Anzenberger hat darauf eine simple Antwort: „Das ist die Liebe zur Musik.“ Die Hingabe an die Klänge aus jenen Jahren, in denen die Tanz- und Unterhaltungs-Band „The Champs 68“ entstand, in denen deren Mitglieder aufwuchsen: die Oldies der 1950er- bis 1970er-Jahre. „Wenn ich heute im Radio Hotel California höre, läuft es mir immer noch kalt den Buckel runter“, sagt Anzenberger. In dieser Hinsicht hat sich nichts verändert. Sonst bewältigt man ein Programm nicht, wie es die Champs hinter sich haben. In ihren besten Zeiten mit 50 und mehr Auftritten pro Jahr. „Es macht einfach Spaß“, ergänzt Wolfgang Hille-Zuber. Er kam nur drei Jahre nach Anzenberger zur Gruppe, spielte vorher bei der Band „The Fame“ und fand bei den Champs seine „musikalische Heimat“. Die beiden sind die absoluten Dauerbrenner.

50 Jahre – eine stolze Leistung, aber auch eine Gelegenheit, um stilvoll „Servus“ zu sagen. Das tut die Band am kommenden Samstag mit einem letzten Konzert. „Es passt einfach, 50 Jahre sind eine runde Geschichte“, meint Anzenberger.

Einen würdigen Abschluss haben sich die Champs verdient. Wie kaum eine andere Band prägten sie den Landkreis über so viele Jahrzehnte. Ob Faschingsbälle vor 1500 feierwütigen Menschen, Hochzeiten oder das Ami-Bierzelt – die Champs waren überall. Anzenberger wagt einen Vergleich: „Was heute Dreisam ist, das waren wir damals.“ Ganz sicher sogar.

Klar, dass der Abschied nach so vielen Jahren, Konzerten und Erlebnissen nicht einfach fällt. „Es sind schon gemischte Gefühle dabei“, räumt Anzenberger ein. „Aber wir haben halt auch das Alter, in dem man sagen kann, es langt.“ 67 ist er selbst, ein Jahr jünger Hille-Zuber, auf 69 Lenze bringt es Jürgen Kulczak. Nur Anton Fingerhut aus der aktuellen Vierer-Besetzung fällt aus dem Rahmen. Der Schlagzeuger ist 31, ein Frischling quasi, der jüngste Neuzugang der Band (siehe Aufstellung unten). Der Oberammergauer lebt in Fürstenfeldbruck und gibt in München Schlagzeug-Unterricht. „Eigentlich macht er was ganz anderes, spielt Heavy Metal, knallhart, aber er ist auch gerne bei uns dabei.“ Das krasse Gegenteil also. Da muss auch Anzenberger lachen.

Alle Champs in 50 Jahren:

Gitarristen: Wolfgang Hille-Zuber, Jürgen Kulczak, Matthew D. Turner. 

Bassisten: Karl Anzenberger, Hannes Fütterer. 

Keyboarder: Manfred Zadak, Georg Hornsteiner. 

Schlagzeuger: Franz Schropp, Sepp Schandl, Hans Reindl, Matthias Albrecht, Anton Fingerhut.

Fingerhut macht freilich nur die Band jünger, nicht die Protagonisten. Auf stolze 233 Jahre bringt es das aktuelle Quartett auch mit ihm. „Und wir funktionieren immer noch sehr gut“, stellt Anzenberger klar. „Die Stimmen sind zwar nicht mehr so wie vor 20 Jahren“, schränkt Hille-Zuber ein. „Aber das passt noch immer.“ Aus diesem Grund fällt es ihnen nicht leicht, den Schlussstrich zu ziehen. „Wegen des Gesangs tut es mir echt leid“, gesteht Anzenberger. „Heutzutage kann schnell einmal einer singen, aber Jürgen, Wolfi und ich haben einen ganz anderen Bezug dazu, wir haben das Feeling.“ Eine Finesse, die vielen jüngeren Bands fehle.

Die Entscheidung aber steht. „Den Namen Champs wird es danach nicht mehr geben“, versichert Anzenberger. Das Ende der musikalischen Betätigungen wird es für die Mitglieder freilich nicht sein. „Ich hätte schon ein paar Ideen für uns“, sagt Hille-Zuber. Zu zweit, zu dritt – wie es halt passt. Dafür hängen alle zu sehr an ihrer Musik.

Für ihr Abschiedskonzert proben die Champs wie die Berserker. Momentan sicher dreimal die Woche. Nach 25 Jahren im Keller bei Franz Simmet am Hausberg nun daheim bei Anzenberger im Keller. Der Garmisch-Partenkirchner lebt mittlerweile in Uffing am Staffelsee. „Es soll halt alles zu 100 Prozent passen.“ Den Anspruch haben sie an sich selbst.

Und den haben sie auch fast immer erfüllt. Pannen? Fehlanzeige. „Ich weiß keine“, sagt Anzenberger. „Es war auch nie einer ernsthaft krank.“ Ausfälle – so etwas gab es bei den Champs nicht. „Das ist sicher selten, aber wir waren immer auf der Platte.“ An einen unschönen Abend erinnert sich Anzenberger doch. In Ohlstadt, da gab es einen Zwischenfall: „Gitarre weg, ab aufs Klo.“ Er musste sich übergeben. Kein Grund, aufzuhören: Er kam zurück, schnappte sich sein Instrument, und schon ging’s weiter.

Weiter ging’s bei den Champs immer – auch nach Wechseln in der Besetzung. Von den ursprünglichen Bandmitgliedern ist nur Anzenberger heute noch dabei. Franz Schropp, Hans Sprenger und Manfred Zadak verabschiedeten sich über die Jahre. Sprenger war der Erste. „Er ist als Fußballer nach Berlin“, sagt Anzenberger. Und kehrte auch nicht zurück zur Musik, sattelte um auf Architekt. Dabei hatte mit ihm alles begonnen. Anzenberger und Sprenger fanden sich im Keller in Wallgau zusammen und spielten die Songs der Beatles, der Stones. Nach und nach gesellten sich Zadak und Schropp dazu. Erste Auftritte fanden in Mittenwald in den Traminer Weinstuben statt. Dann auch im legendären Golf-Café in Krün. „Da gab’s am Wochenende immer Tanztee, die Leute sind bis aus Weilheim und Schongau gekommen.“ Dazu kam der Scotch-Club in der Breitenau in Garmisch-Partenkirchen. Anzenberger schmunzelt heute noch, wenn er zurückdenkt: „Wir waren die letzte Band, die dort gespielt hat, bevor die Stripperinnen kamen. Und da haben wir sogar noch zur Eröffnung gespielt.“ Das Zugspitzbad in Grainau bei Karin und Poldi, die Tiroler Weinstuben in Scharnitz, das Warmbad in Benediktbeuern – die Champs begeisterten ihre Fans überall in der Region.

Der letzte Auftritt:

Zu ihren letzten Auftritt laden „The Champs 68“ ihre Freunde, Weggefährten und Musik-Fans am Samstag, 19. August, ins Kongress-Zentrum in Garmisch-Partenkirchen ein.Los geht’s um 19 Uhr. Geplant ist ein Abend mit den Lieblings-Songs der Champs – bei schönem Wetter im Kurpark, sonst im Konzertsaal Richard Strauss. Der Eintritt ist frei. Die Band bittet aber um Spenden für die Typisierungsaktion der Aktion Knochenmarkspende Bayern, um Gerd Weinmeier und Martina Poettinger zu helfen. Sie spendet dafür auch ihre Gage.

Aber nicht nur da. Sie bereisten ganz Deutschland – und die Schweiz. „Meistens haben uns irgendwelche Geschäftsleute eingeladen, die hier in der Region waren und uns gehört haben.“ Echte Höhepunkte dürfen in einer Band-Karriere nicht fehlen. 1976 begleiteten die Champs das Karriere-Ende von Rosi Mittermaier musikalisch. „Sie hat damals im Postkeller in Mittenwald ein großes Fest gegeben“, erinnert sich Hille-Zuber. Knapp 20 Jahre später bekam es die Band mit Schlagerstar Howard Carpendale zu tun. Der spielte nach einem Golf-Turnier am Hausberg im Bayernhaus. „Damals hat das Tagblatt riesig berichtet – nach dem Motto: Die Champs haben prominenten Zuwachs bekommen.“

In den vergangenen Jahren ist es etwas ruhiger geworden. „Wir haben maximal noch zehnmal im Jahr gespielt“, sagt Hille-Zuber. „Das war auch beabsichtigt.“ Brautverziehen – solche Aktionen ließen die Champs aus. Fasching – nicht mehr ihr Ding. „Wir haben den richtigen Zeitpunkt zum Aussteigen gefunden. Für die jungen Mädchen waren wir ja eh nur noch alte Männer“, sagt Anzenberger. Die Musik hat sich verändert, die Menschen sowieso. „Wir waren eine Partyband auf eine andere Art. Die Leute feiern heute anders, früher waren sie auf der Tanzfläche, jetzt springen sie auf Bänke und Tische. Unsere Zeit war eine Ära, die es nicht mehr gibt.“ Einen Schnitt hatten die Champs 1988 schon vollzogen. Hin zur klassischen Oldie-Band. Deshalb kam mit Kulczak ein zweiter Gitarrist hinzu, Musik-Multitalent Georg Hornsteiner stieg als Keyboarder ein. „Damit waren wir viel flexibler.“ Und die Karriere der neuen Champs nahm ihren Lauf.

Erst jetzt ist Schluss. Abtreten werden sie stilvoll mit einem Konzert. Im Rahmen der Reihe „Musik im Park“ sind sie dieses Mal ganz außergewöhnliche Gäste. Eines haben sich die Champs für den finalen Auftritt vorbehalten. „Wir spielen die Stücke, die wir wollen. Das drucken wir den Gästen jetzt einfach mal auf“, betont Anzenberger und lacht lautstark. Nach 50 Jahren haben sie sich solche Extravaganz sicher mal verdient.

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