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Ortstermin im Bergwald: (v.l.) Waldarbeiter Norbert Fendt, Förster Markus Pfleghardt, Forstbetriebsleiter Nikolaus Stöger sowie dessen Stellvertreter Richard Baur.

Forstbetrieb Oberammergau: Seit 2005 im Bergwald 300 000 Tannen gepflanzt

Plädoyer für einen Waldriesen

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Die Fichte hat in der Region einen hohen Stellenwert, mit ihr lässt sich als Baustoff und Brennholz Geld verdienen. Der Forstbetrieb Oberammergau will nun verstärkt die Tanne forcieren.

Oberammergau – Flott steuert Markus Pfleghardt seinen Dacia-Jeep die Forststraße hinauf, Kurve für Kurve, Richtung Hochwildfeuerberg (1541 m). Dann plötzlich bedecken 20 Zentimeter Schnee den Weg, nur die zwei Fahrspuren sind frei. „Das Wetter in den letzten Wochen hat uns zurückgeworfen. Wir haben nur ein kleines Zeitfenster, bis die Knospen austreiben.“ Der Förster beim Forstbetrieb Oberammergau ist unterwegs zum Einsatzort seiner beiden Waldarbeiter Josef Holl und Norbert Fendt im Altenauer Revier. Ihr Auftrag: Junge Tannen pflanzen.

Es ist ein besonderer Anlass für den Besuch: Seit Gründung der Bayerischen Staatsforsten im Jahr 2005, nach der einschneidenden Forstreform, wird in diesen Tagen am Forstbetrieb Oberammergau die 300 000. Weißtanne im Bergwald gepflanzt. Für dessen Chef Nikolaus Stöger ist dies „ein wichtiges Etappenziel im Rahmen der Tannenoffensive im bayerischen Staatswald“. Vor dem Hintergrund des Klimawandels setzt der Verband auf einen „Waldumbau“ hin zu einem gesunden Mischwald, der Naturkatastrophen, Hangrutschen, Erosion, massiven Niederschlägen und Windwürfen bei Sturm weit besser standhält als Fichtenmonobestände. Nicht selten haben Kahlschläge in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, die Flächen mit ausschließlich Fichten wieder neu zu bepflanzen. Auch im Hinblick auf einen schnellen Ertrag bei der Holzwirtschaft.

Als Baustoff ein Schattendasein

Nun heißt die Devise – die Mischung macht’s: Neben Fichten sollen auch Tannen, Buchen, Bergahorne und Vogelbeeren für einen gesunden Wald sorgen.

„Die Tanne“, weiß der Stellvertretende Forstbetriebsleiter Richard Baur, „ist eine bedeutende Baumart für einen Waldumbau: Sie ist sehr robust, hat als Tiefwurzler eine viel höhere Standfähigkeit als die Fichte, kommt mit Trockenperioden gut zurecht und auch der Borkenkäfer ist hier kein großes Problem.“ Im Zuge der Naturverjüngung soll nach den Worten von Forstbetriebsleiter Stöger im Betrieb Oberammergau bis 2050 der Anteil an Tannen (können bis zu 70 Meter hoch werden) wieder bei zehn Prozent liegen. Dafür habe man bisher jedes Jahr zwischen 13 000 und 56 000 Pflanzen in die bestehenden Waldgebiete verteilt. Das lassen sich die Staatsforsten einiges kosten: Eine Containerpflanze kostet im Einkauf einen Euro, mit Pflanzung und Pflege kommt man auf drei Euro. Demnach wurde hier allein im Forstbetrieb Oberammergau in den vergangenen zwölf Jahren rund eine Million Euro für die Tannen-Neuanpflanzung aufgewendet.

Rund 250 Containerpflanzen setzt Waldarbeiter Josef Holl am Tag – in dem Steilgelände keine leichte Arbeit.

Als Baustoff spielt die Tanne im Gegensatz zum Schwarzwald, zum westlichen Allgäu oder zum Bregenzer Wald in der Region kaum eine Rolle, weil es einerseits an der Menge fehlt und sich andererseits die Holzbearbeitungsunternehmen bei der unterschiedlichen Trocknungszeit gemeinsam mit Fichtenholz vor Probleme gestellt sehen. Dabei hat Bauen mit Tannenholz eine lange Tradition, wie sich bei historischen Kirchen und alten Bauernhäusern immer wieder zeigt. Daran erinnert man sich jetzt auch wieder beim Forstbetrieb Oberammergau. Nikolaus Stöger: „Die ehemalige Gamshütte in Garmisch-Partenkirchen, die ja abgebrannt ist, wollen wir als Neubau aus Tannenholz wieder errichten.“

Trotz aller forstlichen Bemühungen für gesunde Mischwälder in der Zukunft ist ein entscheidender Faktor, dass die kleinen Triebe der jungen Bäume nicht gleich wieder vom Schalenwild verbissen werden und der Wildbestand in sensiblen Gebieten auf einem verträglichen Niveau gehalten wird. Dabei kommt es nicht selten zu Differenzen mit der Jagd. Eine einvernehmliche Lösung ist hier geboten, denn sonst findet die groß propagierte Tannenoffensive ein jähes Ende.

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