Ist in die Jahre gekommen: das Murnauer Strandbad mit dem Restaurant Lido. Foto: Kolb

Tauziehen um die Murnauer Bucht

Murnau - Die Ortspolitik steuert auf das nächste große (Streit-)Thema zu: die Zukunft der Murnauer Bucht.

Es scheint zwar Einigkeit darüber zu herrschen, dass der nur wenige hundert Meter lange Uferabschnitt, der das Strandbad Lido mitsamt der Freifläche an der Schweinebucht umfasst, attraktiver werden soll. Nur gehen die Meinungen über das Wann und Wie weit auseinander.

Zur Erinnerung: Die gemeindeeigene Anlage am Staffelsee - dazu gehören zwei Gastronomie-Betriebe, das Restaurant Lido und der Kiosk mit Biergarten „Platzl am See“ - gilt als veraltet. Was daraus werden soll, sorgt seit Jahren für Gesprächsstoff. Auch im Kommunalwahlkampf wurden fleißig Visionen gesponnen. An Ideen mangelt es nicht. Mehrere Gruppen, beispielsweise Murnau Miteinander oder Würzburger Architektur-Studenten, legten bereits Konzepte vor. Immer wieder tauchte darin eine Seesauna auf. Doch beschlossen hat der Gemeinderat bislang noch nichts.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) tritt in der Sache auf die Bremse und verweist auf die begrenzten Finanzmittel. Es bestehe zwar ein „städtebaulicher Bedarf“, räumt er ein. Aber: „Wir müssen auf unsere Ressourcen schauen.“ Vorrang hätten andere Großprojekte, betont der Verwaltungschef. Er nennt die Sanierung der Bahnhofstraße, des Gemeinde-Krankenhauses und des Rathauses - alles Bauvorhaben, die dem Markt Millionen Euro kosten werden. Nach Ansicht Beutings hat die Kommune erst in „fünf Jahren plus x“ Luft, die Neugestaltung der Bucht umzusetzen. Nichtsdestotrotz wurden für das Städtebauförderungsprogramm 2015 des Freistaats schon mal erste Planungskosten und Ausgaben für Grundstückskäufe angemeldet. „Wir wollen den Grundcharakter eines naturnahen Areals beibehalten. Tiefer gehen die Überlegungen nicht“, berichtet Beuting. Und was ist mit der Sauna? Der Rathauschef ist skeptisch, hält eine Wellness-Oase langfristig für unrentabel.

Jetzt stünden, so der Bürgermeister weiter, erstmal kleinere Sanierungen an, um den Betrieb der besagten Gaststätten zu sichern. Konkreter wird er nicht: „Wir müssen erst mit dem Pächter sprechen.“ Dem Vernehmen nach geht es dabei auch um Auflagen des Landratsamtes, die erfüllt werden müssen.

Beuting dürfte im Kommunalparlament mit seinen Ansichten anecken. Denn so manch ein Volksvertreter will nicht mehr allzu lange warten und die Planungen für eine Aufwertung der Fläche voranbringen. „Wir dürfen das Thema nicht auf die lange Bank schieben. Wir brauchen ein Konzept“, sagt der Vize-Sprecher der CSU, Josef Bierling, der das Thema in der jüngsten Sitzung kurz angerissen hatte. „Es muss was passieren.“ Das Gelände sei für den Tourismus enorm wichtig. Er habe den Eindruck, stichelt Bierling, dass das Urlaubsgeschäft nicht gerade das Steckenpferd des Bürgermeisters sei. Der CSU-Mann kann sich in einem ersten Abschnitt einen Gastronomie-Neubau am jetzigen Kiosk-Standort vorstellen - und in einem späteren zweiten die Neugestaltung des Strandbads, eventuell mit einer kleinen Sauna. Allerdings müssten sich diese Investitionen rechnen.

Gas geben will auch Alexander Weinhart (Mehr bewegen). Seine Gruppierung hatte sich im Wahlkampf weit aus dem Fenster gelehnt und sich dafür stark gemacht, das Freizeitareal aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. „Ich kann mir viel vorstellen“, sagt er. Dazu zählten eine Sauna und ein Schwimmbecken. Für Weinhart steht fest: Mit Stückwerk komme man nicht weiter. „Wir müssen das komplette Areal überplanen.“

Auf ein Signal der Politik hofft Lido-Pächter Kurt Höller. „Wir brauchen eine Perspektive“, sagt der Unternehmer. Und weiter: „Es besteht Handlungsbedarf. Es gibt viel Potential.“ Murnau könnte den Staffelsee wesentlich besser vermarkten. „Das ist ein Juwel, das wir vor der Türe haben“, so Höller. Seine Vorstellung: ein Freizeitpark mit Attraktionen, freier Eintritt ins Strandbad und ein neues oder auf Vordermann gebrachtes Restaurant, das ganzjährig betrieben werden kann. Bislang ist es in den Wintermonaten geschlossen. (as)

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