Schlüsselbranche Tourismus: Murnaus Ortspolitik streitet um das beste Zukunftskonzept. Hier sind Urlauber beim Schneeschuhwandern im Moos zu sehen. Foto: kolb

Tauziehen um Tourismuskonzept

Murnau - Das Ringen um ein Tourismuskonzept für Murnau und das Blaue Land geht in die nächste Runde: Die Freien Wähler schlagen die Gründung eines Zweckverbands vor.

Wie geht es mit dem Tourismus im Blauen Land und im Hauptort Murnau weiter? Mit dieser Frage dürften sich die Volksvertreter der Marktgemeinde noch eine Weile beschäftigen. Denn eine Einigung zeichnet sich nach Tagblatt-Recherchen nicht ab. Die Ansichten gehen weit auseinander - auch nach einer Debatte im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Gemeinderatssitzung. Eins steht fest: Es dürfte für Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) schwer werden, eine Mehrheit für seinen Vorschlag zu finden, der auf eine enge Zusammenarbeit des Blauen Landes mit den Ammergauer Alpen abzielt.

Wie bereits berichtetet, haben sich die Rathaus-Chefs der insgesamt 15 Orte dieser beiden Ferienregionen auf einen Schulterschluss auf Probe verständigt. Die Gemeinderäte müssen dem Ganzen zustimmen. Drei Jahre lang soll ein Kooperationsvertrag vorerst gelten. Wichtigste Veränderung: Die Ammergauer Alpen GmbH, die touristische Marketing- Organisation der sechs Ammertal-Kommunen, soll künftig gegen Rechnung auch die Vermarktung des Blauen Landes managen. Bislang wird dieses von der Murnauer Tourist-Info, einem Referat der Rathaus-Verwaltung, mitbetreut.

Doch im Markt hält sich die Begeisterung in Grenzen. Kritiker befürchten, dass der Künstlerort in einem größeren Konstrukt an Einfluss verlieren und zu kurz kommen könnte. „Wir dürfen unsere Eigenständigkeit nicht aufgeben“, sagt Maria Schägger, Gemeinderätin der Freien Wähler. „Murnau ist das Zugpferd. Das dürfen wir nicht aus der Hand geben.“ Sie spricht sich daher gegen den Beuting-Vorstoß aus. Für ihre Gruppierung hat die 31-jährige Tourismus-Managerin, die auch in der Murnauer Tourist-Info tätig war, ein Alternativkonzept erarbeitet: die Schaffung eines Zweckverbandes Blaues Land. Dieser wäre nach Schäggers Vorstellung als Dachorganisation für das Tourismusgeschäft der Region zuständig und hätte seine Geschäftsstelle in Murnau. Die neun Mitgliedsgemeinden müssten dieses Unternehmen mit einem Geschäftsführer an der Spitze gründen und natürlich auch finanzieren.

Nach Schäggers Ansicht liegen die Vorteile auf der Hand: „Man könnte losgelöst von der Verwaltung eigenständig arbeiten.“ An Aufgaben mangelt es nach Meinung der Expertin nicht. Beispielsweise bestehe Nachholbedarf bei den digitalen Medien, die bislang kaum genutzt würden. Auch könnte man versuchen, verstärkt neue Zielgruppen anzusprechen, etwa Familien. Derartige Projekte kämen der Geschäftswelt zugute, ist sich Schägger sicher. „Die einzige Möglichkeit, die Fußgängerzone zu stärken und den Markt zu beleben, ist, eine aktive Tourismuspolitik zu betreiben.“

Ebenfalls einverstanden wäre die Freie-Wähler-Politikerin damit, die Stelle des betriebsbedingt gekündigten Murnauer Tourismuschefs Uwe Prechtl einfach nachzubesetzen. Dies fordern CSU und SPD in einem Antrag.

Bürgermeister Beuting zeigt sich indessen kompromissbereit, will sich aber nicht in die Karten schauen lassen. Angeblich, so ist zu hören, ist ein Paket im Gespräch, das die Kooperation mit den Ammergauer Alpen und zusätzlich die Stelle eines Murnauer Tourismuschefs beinhaltet. Und auch um den Posten des Wirtschaftsförderers soll es bei den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen gehen.

Beuting ist von dem Bündnis mit den Ammertal-Nachbarn überzeugt. „Das ist schon sehr verlockend“, sagt er. Davon könnten alle profitieren. Die Partnerschaft sei schnell umsetzbar und lasse eine große Tourismus-Destination entstehen, die viele Synergien schaffe. „Man muss verstehen, dass die Welt größer ist als Murnau.“ An die Schägger-Idee mit dem Zweckverband glaubt Beuting nicht so recht. „Ich bin skeptisch, ob die anderen Gemeinden mitziehen würden.“ (as)

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