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Kontrolle überall: Dass rund um Mittenwald – wie hier auf der Ederkanzel – während des G7-Gipfels Polizei rund um die Uhr präsent ist, scheint dem Taxifahrer aus Tirol vollends entgangen zu sein.

Geldstrafe für Tiroler Taxifahrer

Amateur-Schleuser muss zahlen

Mittenwald - Ausgerechnet beim G7-Gipfel, als es um Mittenwald nur so wimmelte vor lauter Polizisten, wollte ein Tiroler Taxifahrer zwei Eritreer über die Grenze schmuggeln. 

Diese Aktion darf getrost als stümperhaft bezeichnet werden. Denn ausgerechnet gut eine Woche vor dem G-Gipfel in Schloss Elmau (7./8. Juni 2015) wollte ein 59-jähriger Tiroler Taxifahrer bosnischer Abstammung am 30. Mai zwei Eritreer illegal über die Landesgrenze bei Scharnitz bringen.

Dabei tummelten sich zu dieser Zeit Heerscharen von Polizisten sowohl auf deutscher als auch österreichischer Seite, um die Sicherheit des Treffens der prominenten Staats- und Regierungschefs zu gewährleisten. Natürlich wurde der Amateur-Schleuser geschnappt und zu 3000 Euro Geldstrafe verdonnert. Sein Einspruch wurde nun vom Amtgericht Garmisch-Partenkirchen zurückgewiesen.

Laut Staatsanwalt Julian Gruber sollen die beiden Eritreer bei dem Taxifahrer zum besagten Datum nachmittags gegen 15.45 Uhr am Seefelder Bahnhof in den Mercedes gestiegen sein. Ihr Ziel: Deutschland. Doch schon nach wenigen Kilometern stoppten deutsche Bundespolizisten das Unternehmen an der Grenze. Alle drei Insassen wurden vorläufig festgenommen. „Denn weder der Taxifahrer noch die beiden Afrikaner besaßen die für Einreise und Aufenthalt in die Bundesrepublik erforderlichen Genehmigungen“, verdeutlichte der Ankläger. „Der Taxifahrer konnte sich auch nicht auf die Visa-Verordnung berufen, weil er für diese Zeit nicht die Voraussetzungen des Schengener Grenz-Abkommens erfüllte.“ Damit habe sich der Mann der Einschleusung von Ausländern strafbar gemacht.

Dessen Anwalt Michael Röhrig sieht die Sachlage natürlich etwas anders. Sein Mandant lebe schon seit 35 Jahren in Österreich und sei seit zehn Jahren im Taxi-Geschäft. Als am Seefelder Bahnhof die beiden dunkelhäutigen Gäste mitgenommen werden wollten, hätten sie sich bei ihm erkundigt, was die Fahrt koste und auch gleich bezahlt. Dass sie illegal sein könnte, das habe er nicht wissen können, schließlich sei doch Seefeld ein internationaler Tourismusort, in dem es öfters dunkelhäutige Gäste gebe.

„Man muss schon sehr tollkühn sein“, entgegnete ein amüsierter Richter Paul Georg Pfluger, „wenn man so was während des G7-Gipfels macht: Es scheint mir nämlich weltfremd, wenn nicht auch er vermutet hat, dass es Illegale sind“.

Angesichts dieses überdeutlichen Hinweises auf die Sinnlosigkeit nahm der Verteidiger den Einspruch zurück, womit der Strafbefehl als Urteil bestätigt wurde. Wolfgang Kaiser

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