Telekom-Angebot einstimmig abgelehnt

Riegsee - Die stetig wachsende Datenflut per Computerübermittlung stellt das Telefonnetz in Riegsee, Aidling und Hagen seit Jahren vor Probleme. Dennoch lehnte der Gemeinderat die Verlegung von Glasfaserkabeln ab.

Ein im Oktober bei der Gemeinde Riegsee eingegangenes Angebot der Telekom über die Verlegung von modernen Glasfaserkabeln könnte zwar ebenfalls die Probleme lösen, würde die Kommune allerdings finanziell überfordern. Die Verkabelung aller drei Ortsteile würde mit rund 450 000 Euro zu Buche schlagen, wovon maximal 100 000 Euro an Fördermitteln fließen könnten. 350 000 Euro hätte demnach die Gemeinde zu berappen - zu viel, wie der Finanzausschuss befunden hatte.

Bei der Sitzung des Gemeinderates erläuterte Bürgermeister Franz Höcker die Einzelheiten des Angebots, das bis Mitte Februar befristet ist. So sei die Verlegung des Glasfaserkabels von Neu-Egling bis Riegsee mit 191 000 Euro veranschlagt, die Weiterführung nach Aidling mit 169 000 Euro. Hagen müsste nach seinen Worten von der im Süden gelegenen Staatsstraße her verkabelt werden, was 94 000 Euro kosten werde.

Bei der Diskussion stellte Höcker klar: „Die Breitband-Versorgung gehört nicht zu den Aufgaben der Gemeinde.“ Martin Mayr vertrat den Standpunkt, dass man mit einer solchen Entscheidung noch warten solle: „Es kann gut sein, dass die Telekom das in ein paar Jahren von sich aus macht, und der Gemeinde dann keine Kosten entstehen.“ Auch warf er die Frage auf, ob ein Unterwasserkabel im See nicht erheblich billiger kommen würde, als ein in den Boden verlegtes. Auch Ingo Presuhn erschien die geforderte Summe zu hoch: „350 000 Euro sind zu viel Geld für die Gemeinde.“ Petra Rueß mahnte indessen an, in Sachen Breitbandversorgung die Gewerbetreibenden nicht aus dem Auge zu verlieren. Einmütig votierten Bürgermeister und Räte dafür, das Angebot der Telekom abzulehnen.

Gleichwohl scheint Abhilfe in greifbare Nähe gerückt zu sein: So hat sich laut Höcker mit der neuen, von den Firmen Telekom und Vodafone angebotenen LTE-Technik (Long Term Evolution) eine andere Möglichkeit aufgetan, die Geschwindigkeit bei der Datenübertragung zu erhöhen. Dies bestätigte der Pressesprecher der Telekom Region Süd, Udo Harbers, auf Anfrage des Tagblatts. Für diese Technik der vierten Mobilfunkgeneration werde ein so genannter „LTE-Router“ mit Modem benötigt, um eine Funkverbindung zu einer Sendeanlage aufzubauen. Ein geeigneter Sendemast bei Seehausen sei hierfür bereits aufgerüstet worden. Als Übertragungsleistung nannte Harbers zwei bis drei Mega-Bit pro Sekunde: „Das ist etwa die zehnfache Menge als bisher.“ Bereits jetzt könnten sich interessierte Kunden dafür anmelden.

Wie von Höcker weiter zu erfahren war, wurde die LTE-Technik erst möglich, nachdem der Bund im vergangenen Jahr entsprechende Frequenzen meistbietend verkauft habe: „Diese Versteigerung ist mit der Verpflichtung verbunden, dass die beteiligten Firmen vorrangig den ländlichen Raum versorgen.“ Wovon die Computernutzer in der Gemeinde Riegsee nunmehr bald schon profitieren könnten. (her)

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