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Leidenschaftliche Sammlerin: Tessy Lödermann umgibt sich mit Erinnerungsstücken von ihrer Familie, von ihren Reisen und Schätzen, die sie auf Flohmärkten aufgestöbert hat.

60. Geburtstag von Tessy Lödermann

Eine Grüne mit langem Atem

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Garmisch-Partenkirchen - Packt Tessy Lödermann etwas an, dann voller Leidenschaft. Das zeigt ihr Engagement bei den Grünen, ihr Einsatz für den Tier- und Naturschutz sowie ihre Sammel-Passion. Auch mit 60 Jahren ist die Garmisch-Partenkirchnerin nach wie vor auf allen Ebenen aktiv.

„Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen“ – ein Motto, das perfekt zu Tessy Lödermann passt. Die Garmisch-Partenkirchnerin lebt ihre Träume und kämpft für ihre Überzeugungen – seit Kindesbeinen. „Ich hab’ mich immer aufgeregt, wenn ich etwas ungerecht fand“, erzählt sie. Und für die Sache, die ihr am Herzen liegt, gibt sie sich streitbar. „Da beiße ich mich fest, da habe ich einen sehr langen Atem.“ Den beweist sie, wenn sie sich für Tiere einsetzt. Aber auch, wenn sie sich als Grünen-Kreisrätin für ihre Heimat stark macht. Mit Familie, Freunden und ihrem Team vom Tierheim in der Schmalenau feierte sie jetzt ihren 60. Geburtstag. Ein perfekter Anlass, um Wünsche zu äußern. Von ihren Verwandten war’s ein neues E-Bike, von den Festgästen Spenden fürs Tierheim – „fast 4000 Euro sind so zusammengekommen“ – und von sich selber mehr Zeit. „Um draußen in der Natur zu sein, mich meiner Familie zu widmen oder mal ein dickes Buch am Stück zu lesen.“

Schon jetzt ist aber klar, dass Lödermann nicht aus ihrer Haut kann. Erfährt sie von einem Unrecht, von Tieren, denen Leid geschieht, dann ist sie zur Stelle. Immer häufiger erreichen sie anonyme Hinweise. „Die Menschen sind konfliktscheu, zeigen weniger Zivilcourage. So komme ich ins Spiel, quasi stellvertretend.“ Eine Entwicklung, die die Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen und Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes in Bayern bedauert. Tun kann sie nichts dagegen. Und Wegschauen kommt einfach nicht in Frage.

Das war schon in ihrer Schulzeit so, als sie als Internatsschülerin an St. Immaculata in Schlehdorf die Schülerzeitung „Jugendstil“ herausgab. Oder als sie sich für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum einsetzte. Eine politische Karriere hatte sie da noch nicht im Blick. Nach der Mittleren Reife absolvierte sie die Ausbildung zur Justizbeamtin, arbeitete elf Jahre am hiesigen Amtsgericht und entdeckte da ihre Bestimmung. Einer der Richter, der in der Initiative „Bürger bewahrt das Loisachtal“ gegen den Weiterbau der Autobahn bis Garmisch-Partenkirchen aktiv war, bat sie, eine Broschüre abzutippen. Auf ihrer Schreibmaschine daheim am Küchentisch kam sie dem nach und merkte schnell, dass ihr deren Anliegen ebenfalls am Herzen lagen. „So bin ich in die Szene reingerutscht“, erinnert sie sich.

Bei den großen Demonstrationen für Frieden und Menschenrechte, gegen Atomkraft und Umweltzerstörungen marschierte sie mit und gehörte schließlich 1980 zu den Gründungsmitgliedern der bayerischen Grünen. Bei ihnen fand sie ihre politische Heimat. Eine Basis für das Engagement für ihre Themen. „Ich bin ein wertkonservativer Mensch“, sagt Lödermann. Bewahren ist ihr wichtig. Und zwar ihrer Heimat, der Natur und der Artenvielfalt. 1984 wurde sie in den Kreistag gewählt, dem sie – mit Pausen – seit 22 Jahren angehört. 1990 kam sie in den Landtag. „Plötzlich stand ich auf Listenplatz eins, das war eine Riesenüberraschung.“ Die Begründung der Partei: Sie komme so unverbraucht und erfrischend rüber, sie brenne für die Sachen, die ihr am Herzen liegen. „Damals war’s aber gar nicht so einfach, im Landkreis eine Grüne zu sein“, erinnert sich Lödermann, die auf einem Bauernhof in Grainau aufgewachsen ist. Als Tochter einer ureinheimischen Familie musste sie sich einige Anfeindungen gefallen lassen. Von ihren Angehörigen und ihrem Mann Hans Lödermann – „er hält mir den Rücken frei“ – wurde sie auf ihrem Weg stets unterstützt.

Zwei Perioden saß sie im Maximilianeum. Eine interessante, manchmal auch harte Zeit. Schließlich musste sich die Einzelkämpferin alles selbst erarbeiten, war an den Wochenenden in ganz Bayern unterwegs, um sich vor Ort zu informieren. Berührungsängste kennt Lödermann nicht, auch keinen Fraktionszwang. „Ich habe mich mit allen verstanden und habe so grüne Anträge durchgebracht.“ Einer ihrer größten Erfolge war sicher, dass der Tierschutz in der Bayerischen Verfassung verankert wurde. Um die anderen Abgeordneten zu überzeugen, verbrachte sie viele Abende in Münchner Biergärten, redete, argumentierte – und fand letztlich eine Mehrheit für ihren Antrag.

1998 setzte die Partei sie auf Listenplatz acht, damit war ihre Landtagskarriere beendet. Schlimm fand sie das nicht. Fortan hatte sie mehr Luft für den Tierschutz und für das hiesige Tierheim. Seit 1999 macht sie sich dafür stark, meisterte mit ihrem „super Team“ den Neubau und leitet die Einrichtung mit ihren acht Mitarbeitern seit 2006 ehrenamtlich. Der Verein, der bei ihrem Antritt pleite war, steht wieder hervorragend da und „der grottenschlechte Ruf“, den das Tierheim früher hatte, ist längst Geschichte.

Zeit für ihre Leidenschaften, Reisen in den Himalaya, nach Nordamerika oder Afrika, für ausgiebige Flohmarktbesuche, auf denen die passionierte Sammlerin neue Volkskunst, Porzellan, Bilder oder Steiff-Tiere entdeckt, fehlt häufig. Die Objekte, die sie im Lauf ihres Lebens in aller Welt entdeckt hat, zieren ihr Haus. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Überall stecken Erinnerungen drin, an denen sich Tessy Lödermann jeden Tag erfreut. Diese Stücke bringen sie zum Träumen. Und geben ihr Mut und Kraft zum Weiterkämpfen.

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