Bedrohtes Idyll: der Schmölzersee. foto: sehr

Zu teuer, zu gefährlich, zu viel Risiko

Garmisch-Partenkirchen - Lockergestein im Kramertunnel: Darum scheiden für die Planer andere Methoden als die Grundwasser-Absenkung aus.

Monatelang haben die Experten an einer Lösung getüftelt, wie die gefährliche, 250 Meter lange Schicht aus Wasser und Lockergestein im Kramertunnel am besten passiert werden kann. Seit Montag ist bekannt, dass die Absenkung des Grundwasserspiegels von Behörden und Ministerien favorisiert wird. Gegen die Alternativen sprachen zu viele Gründe. Ein Überblick:

Fast fünf Jahre ist es her, dass sich der Bund Naturschutz und das Staatliche Bauamt Weilheim vor Gericht um die beste Trasse durch den Kramer stritten. Schon damals ging es auch darum, wie mit dem lockeren Gestein umgegangen werden soll. Wie Abteilungsleiter Dr. Hermann Streicher betont, sei das Amt seinerzeit davon ausgegangen, dass die Zement-Injektion die beste Lösung sei. Diese Erkenntnis habe man durch die „nadelstichartigen“ Probebohrungen bekommen.

Beim Bau des Erkundungsstollens habe sich dann aber gezeigt, dass die Geröllschicht einerseits aus großen Brocken (manche mit den Ausmaßen einer Garage) und kleinerem Geröll, andererseits aber aus feinem Sand bestehe. Diese Sandfelder, auch Linsen genannt, könnten nicht mit Zement oder Bauschaum fixiert werden - sie zerbröseln. Das Risiko, dass der Tunnel plötzlich einbricht, sei zu groß. Deshalb wurde diese Variante in den vergangenen Monaten verworfen.

Statt Zement in die Hohlräume zu pumpen, können die Mineure die rund 40 Meter hohe Schicht aus Wasser und Geröll auch vereisen. Dazu müsste Kühlmittel - vorstellbar wie die Stoffe in Gefriertruhen - in den Berg gepumpt werden. Problematisch ist dabei, dass die Rohre für das Mittel exakt gesetzt werden müssen - sonst drohen Einstürze. „Außerdem dauert das Verfahren sehr lange“, verdeutlicht Streicher. Die Tunnelbauer müssten wochenlang warten, bis ein Abschnitt vereist ist. Dann könnte der Vortrieb 10 bis 20 Meter vorangetrieben werden, bevor wieder wochenlang gewartet werden muss. Die reine Bauzeit des Tunnels würde sich von zwei bis drei Jahre auf fünf bis sechs Jahre verlängern. Dadurch und durch die hohen Energiepreise drohe eine Kostenexplosion um etwa 20 bis 30 Prozent, was ersten Schätzungen zufolge bis zu rund 50 Millionen Euro ausmachen könnte.

Ähnlich hoch wäre die Preissteigerung, mit denen das Straßenbauamt beim Einsatz einer Tunnelbohrmaschine rechnen müsste. Wegen des hohen Wasserdrucks im Berg - etwa vier Bar - müsste ein spezielles Gerät eingesetzt werden. „So in etwa der Mercedes unter den Tunnelbohrmaschinen“, beschreibt Streicher. Dieser wäre 100 Meter lang, würde von einer kleinen Mannschaft betrieben und müsste extra eingekauft werden. Das Problem liegt darin, dass diese Maschine nicht nur auf einem Teilstück eingesetzt werden kann. „Wir müssten den gesamten Tunnel damit bauen.“ Dabei würde die aufwendige und damit teure Sicherungs-Technik auf dem größten Teil des 3,6 Kilometer langen Stollens Streicher zufolge gar nicht benötigt. Außerdem könnte der Erkundungsstollen nicht fertiggebaut werden.

Sicher ist diese Variante für das Straßenbauamt auch nicht: Sollten Felsbrocken beim Vortrieb abstürzen, bestehe die Gefahr, dass die Maschine eingeklemmt wird. „Sowas ist durchaus möglich und passiert auch“, betont Streicher. Bei einer notwendigen Bergung wäre mit einer regelrechten Kostenexplosion zu rechnen.

Bis zum Herbst sollen die Pläne für das notwendige neue Feststellungsverfahren zur Absenkung des Grundwasserspiegels vorliegen. Dann gibt es auch eine frische Kostenberechnung. Die letzte stammt aus dem Jahr 2007. Allein schon wegen der gestiegenen Baupreise wird der Tunnel auf jeden Fall teurer. Ein sechsstelliger Betrag muss auch für die Bewässerungsanlage eingeplant werden. Mit ihr will das Straßenbauamt in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden dafür sorgen, dass die betroffenen Hangquellen und Flachmoore ständig befeuchtet werden.

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