Trotz heftiger Demonstrationen in Thailand

Recherche beweist: Thai-Kini regiert doch von Bayern aus - warum das Auswärtige Amt nicht handelt

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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Thailands König Vajiralongkorn hält sich am liebsten in Bayern auf - und regiert offenbar auch von dort. Das ist eigentlich verboten. Der Ton von Außenminister Heiko Maas wird schärfer.

  • Thailands König, Maha Vajiralongkorn lebt seit Jahren am liebsten in Bayern.
  • Unterlagen bewiesen nun: Er regiert auch von dort - was eigentlich verboten sein sollte.
  • Das Auswärtige Amt findet zwar deutliche Worte - weicht den wirklich wichtigen Fragen aber aus.

Garmisch-Partenkirchen - Seit Monaten herrscht in Thailand politischer Ausnahmezustand. Immer wieder gehen Demonstranten in der Hauptstadt Bangkok auf die Straßen, fordern eine neue Verfassung und Regierungsreformen. Besonders scharf kritisiert wird dabei stets die Rolle der Monarchie - und des herrschenden Königs Maha Vajiralongkorn. Dessen Ruf ist - anders als der seines beliebten Vaters - in Thailand gespalten. Nicht zuletzt wegen seines extravaganten, verschwenderischen Lebensstils und seiner harten Hand im Umgang mit Kritikern.

Thailands König Maha Vajiralongkorn: Regiert er das Land von Bayern aus?

Ein besonders großer Kritikpunkt, der immer wieder voran geführt wird: Der „Thai-Kini“, wie er hierzulande gelegentlich genannt wird, hält sich seit Jahren hauptsächlich in Bayern auf - und dass, obwohl er bereis 2016 zum König von Thailand gekrönt wurde. Vajiralongkorn besitzt eine prachtvolle Villa in Tutzing am Starnberger See. Zu Beginn der Corona-Pandemie zog er sich schließlich mit einem Stab Bediensteter in ein Luxus-Hotel in Garmisch-Partenkirchen zurück. Angeblich weil er die Berge so sehr liebt - womöglich aber auch, weil es mit der Villa steuerliche Probleme gab. Angeblich schuldet Vajiralongkorn dem Freistaat noch rund drei Milliarden Euro.

Auswärtiges Amt reagiert im Oktober: „Thai-Kini“ darf nicht aus Bayern regieren

Bleibt die Frage: Regiert der König nun also von deutschem Staatsgebiet aus sein politisch unruhiges Land? Und wenn ja - ist das überhaupt erlaubt? Diese Frage umtreibt auch die Demonstranten, von denen bereits einige ins Exil flüchten mussten. Am 7. Oktober 2020 - Thailands König weilt gerade offiziell in Garmisch-Partenkirchen - sieht sich Außenminister Heiko Maas (SPD) schließlich zu einer Antwort genötigt. „Wir haben deutlich gemacht, dass Politik, die das Land Thailand betrifft, nicht von deutschem Boden aus zu erfolgen hat“, sagt Maas in einer öffentlichen Erklärung. „Gäste“ sollten „ihre Staatsgeschäfte nicht von hier aus betreiben“. Sollten sie dies dennoch tun, werde man „deutlich entgegenwirken“.

Recherchen von SZ und WDR belegen: Thailands König regiert vom Freistaat aus - Auswärtiges Amt rudert zurück

Dass der Thai-Kini von Deutschland aus sehr wohl auch Amtsgeschäfte tätigt, belegen nun neue Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung. Abgeglichen wurde, an welchen Tagen der König offizielle Amtshandlungen tätigte - während er nachweislich in Bayern weilte. Das Ergebnis ist eindrucksvoll. Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 2020 verschickt Vajiralongkorn laut den von SZ und WDR überprüften Recherchen regierungskritischer Exil-Thailänder in Deutschland rund 100 Briefe an andere Staatsoberhäupter, verlässt etwa 40 königliche Verordnungen - und weilt dabei nur ganze neun Tage offiziell in Thailand. Dass also ein Großteil seiner politischen Aktivitäten von Bayern aus erfolgen muss, ist nicht von der Hand zu weisen.

Das ist wohl auch im Auswärtigen Amt aufgefallen. Nur rund drei Wochen nach Maas‘ öffentlicher Stellungnahme rudert man in der Politik zurück. Staatsgeschäfte anderer Länder von deutschem Boden aus seien „kein generelles Problem“, sagt nun ein Vertreter des Auswärtigen Amts. Heißt im Klartext: Man verurteilt zwar das Handeln des Königs als falsch, möchte jedoch nicht dagegen vorgehen. Der König sei „als Privatperson“ in Bayern und werde auch als solche behandelt.

Hintergrund: Das diplomatische und wirtschaftliche Verhältnis zu Thailand ist gut, jährlich etwa 900 000 deutsche Touristen nach Thailand, es gilt als Rentner-Paradies. Wer will da schon Ärger mit dem ohnehin so empfindlichen König anfangen, in dessen Land Kritik am Monarchen mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft wird?

„Keine belastbaren Beweise“: Thailand-König regiert aus Bayern - trotz prekärer Lage in seiner Heimat

Eine Anfrage von SZ und WDR ans Auswärtige Amt, ob das Regieren des Thai-Königs auf deutschem Boden denn nun verboten sei, blieb unbeantwortet. „Der König dürfe nicht deutsches Recht brechen oder gegen Menschenrechte verstoßen“, heißt es nun. Das Treiben des Königs werde geprüft, sagte auch Maas offiziell. Die Schärfe seiner Worte gibt den Demonstranten Hoffnung - doch passiert ist bislang kaum etwas, denn belastbare Beweise, dass der König von deutschem Boden aus menschenrechtsverletzende Tätigkeiten, wie etwa die Beseitigung von Kritikern, in Auftrag gegeben haben könnte, liegen nicht vor.

Maha Vajiralongkorn weilt nun aufgrund der immer heftigeren Proteste seit einigen Wochen in Thailand. Laut SZ-Recherchen könnte er aber noch vor Jahresende nach Bayern zurückkehren. Ob und wie das Auswärtige Amt dann reagieren wird - dazu gibt es kein Statement ab. Ob man wirklich den wohl reichsten Monarchen der Welt verprellen will, der nicht nur den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Starnberg sondern auch irgendwie ganz Bayern zu einem eigentümlich extravaganten Glanz verhilft - darauf zu hoffen dürfte wohl nicht sonderlich aussichtsreich sein.

Rubriklistenbild: © Yuttachai Kongprasert

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