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Theater gegen das Vergessen

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Von den Nazis hingerichtet: (v. l.) Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst. Im Vordergrund eine Seite der damaligen Gerichtsakte. Das Foto entstand während einer Ausstellung über die Weiße Rose im Münchner Justizpalast. Foto: ddp
Von den Nazis hingerichtet: (v. l.) Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst. Im Vordergrund eine Seite der damaligen Gerichtsakte. Das Foto entstand während einer Ausstellung über die Weiße Rose im Münchner Justizpalast. Foto: ddp

Murnau - Das Freie Theater Murnau hat sich zum 70. Todestag von Christoph Probst ein außergewöhnliches Stück ausgesucht: Das Ensemble zeigt ein Drama über die Widerstandsgruppe Weiße Rose.

Ihr Mut war grenzenlos, ihr Eintreten für die Menschlichkeit mussten sie mit dem Leben bezahlen: Die Rede ist von den Mitgliedern der Weißen Rose, der Widerstandsbewegung im Dritten Reich. Das Freie Theater Murnau nimmt sich dieses schweren Stoffs an - und bringt im Februar das Drama „Die Weiße Rose“ der US-amerikanischen Autorin Lillian Garrett-Groag auf die Bühne. Der Anlass für die Inszenierung ist der 70. Todestag von Christoph Probst (1919 bis 1943). Der gebürtige Murnauer wirkte bei den Flugblatt-Aktionen der Studentengruppe um die Geschwister Scholl mit und wurde am 22. Februar 1943 in München-Stadelheim von den Nazis ermordert.

„Wir wollten etwas mit einem lokalen Bezug spielen“, erklärt Michael Karrasch, Vorsitzender des 2006 gegründeten Freien Theaters. Damit leiste man einen künstlerischen Beitrag, die Person Probst stärker in das Bewusstsein der Murnauer Bevölkerung zu rücken. „Wir wollen an den Mann erinnern“, sagt Karrasch. Seiner Ansicht nach wird diesbezüglich in der Staffelsee-Gemeinde zu wenig unternommen. Probst als Namenspatron einer Schule einzusetzen, was derzeit im Gespräch ist, wäre der richtige Schritt.

Karrasch ist von der Geschichte der Weißen Rose fasziniert. „Das waren unglaublich idealistische Leute“, sagt der Rechtsanwalt. „Sie haben mit Nichts in der Hand in einem Überwachungsstaat den Widerstand gewagt, wohl wissend, dass sie damit keinen Erfolg haben können. Das ist schon sehr beeindruckend.“ Bei dem Theaterprojekt achte man sehr auf Authentizität - auch bei den Requisiten. So beschaffte Karrasch beispielsweise eine Flugblatt-Druckmaschine aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Das Schicksal der Weißen Rose ist bekanntes Schulwissen: Vom Sommer 1942 an brachte die Gruppe mehrere Flugblätter gegen die Kriegspolitik der Nazis in Umlauf. Beim Auslegen des sechsten Schreibens am 18. Februar 1943 im Lichthof der Münchner Universität wurden Hans und Sophie Scholl erwischt und an die Gestapo ausgeliefert. Sie wurden zusammen mit Probst zum Tode verurteilt und hingerichtet.

In dem besagten Schauspiel versucht Garrett-Groag, die letzten vier Tage der Geschwister Scholl und ihrer Mitstreiter zu rekonstruieren. In Rückblenden wird die Entstehungsgeschichte der Widerstandsbewegung gezeigt. Im Mittelpunkt stehen die Verhöre durch die Gestapo. Dabei spielt der Kriminalobersekretär Robert Mohr eine entscheidende Rolle. Er erkennt die Absurdität der Anklage und versucht, das Verfahren als Lappalie hinzu-stellen. Da er aber selbst in dem NS-Regime gefangen ist, muss der Versuch scheitern.

Regie führt der aus dem Irak stammende Murnauer Samir Yacoob, der schon für das Freie Theater gearbeitet hat. Die Darsteller sind bereits fleißig am proben. In den Hauptrollen sind zu sehen: Nathalie Siegl (Sophie Scholl), Christian Freude (Hans Scholl), Helmut Mayer (Christoph Probst), Hans Hlawatsch (Willi Graf), Christian Jungwirth (Robert Mohr) und Michael Karrasch (Anton Mahler, zweiter Verhörbeamte).

Die Aufführungen sind am 15., 16., 17. und 24. Februar im Kultur- und Tagungszentrum. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Zudem wird „Die Weiße Rose“ das Eröffnungsstück des viertägigen Murnauer Theaterfestivals sein, das heuer Anfang April stattfindet. (as)

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