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Die 30 Darsteller, die für „Magdalena“ auf der Bühne stehen.

Ein dunkles Kapitel Werdenfelser Geschichte

"Magdalena" Premiere in Grainau

Grainau - Freilichttheater: Regisseur Stefan Kebinger inszeniert Theaterstück nach historischem Roman. Thema ist die Hexenjagd im Werdenfelser Land.  

Kostümprobe im Musikpavillon: Regisseur Stefan Kebinger bewegt sich zwischen Bühne und Zuschauerfläche. In der Hand hält er das Manuskript mit den Sprechrollen. Die Inszenierung von „Magdalena“ – nach dem historischen Roman des Grainauers Josef Bader – nimmt Tag für Tag mehr Formen an. Henkersknechte, Bauern, Landsknechte sind dabei, erhalten von Miriam Geiger noch den optischen Feinschliff der Maske. Denn die Protagonisten sollen ja neben den historischen Gewändern auch sonst authentisch wirken. Die Bänkelsänger stimmen sich ein, und plötzlich erscheinen mit Sophia Zollner und Harti Stimpfle zwei Kinder vor den Kulissen und proben ihren Einsatz. „Es war net de oanzige Hex‘ bei ins, es gibt no mehra – sogor z‘Hammersboch“, schreit Zollner und der kleine Harti entgegnet: „Dös is doch die Gattingerin“.

Eine von vielen Szenen, die mit den von Georg Stöffelbauer gestalteten Kulissen nunmehr fast Tag für Tag einstudiert werden. Und bereits jetzt neugierig machen auf die vier Aufführungen, die ab dem 15. Juli das kulturelle Leben im Zugspitzdorf bereichern. „Ganz langsam Richtung Bühne“, ruft Kebinger dem Trauerzug entgegen, der sich gerade im Innenbereich in Bewegung setzt. Dann die Aufforderung des Regisseurs: „ Die Trauergemeinde stutzt!“ Und immer wieder werden die Szenen wiederholt, um das Optimale herauszuholen.

127 Frauen und Männer wurden der Hexerei bezichtigt

Es geht bei diesem Hexenstück, einem der dunklen Kapitel der Werdenfelser Geschichte, auch um die vielen Begleiterscheinungen wie Eifersucht, Verleumdung und Missgunst. Denn die Bühneninszenierung nach der Buchvorlage orientiert sich ja an den realen Ereignissen des Jahres 1590. Dabei wurden damals nicht weniger als 127 Frauen und Männer der Hexerei bezichtigt, 51 Menschen fanden den Tod. Also viel Realität, gemischt mit künstlerischer Freiheit. So sind etwa auch die Werdenfelser Landsknechte mit von der Partie, die einen wohltuenden Farbtupfer in dem Stück setzen. Deren Chef, Josef Neuner, vulgo Schnitzer-Seppi, ist mit seiner Truppe gern dabei: „Wir hatten im Garmischer Kurpark bereits eine ähnliche Sache, auch hier bereicherten wir die Historie mit dem Lagerleben und waren beim Theater teilweise mit eingebunden“, schildert Neuner.

Und Kebinger ist begeistert von seinem ganzen Ensemble, der Zusammenarbeit mit der Gemeinde und auch von den extra angefertigten Kulissen. „Die sind sehr gelungen“, betont Kebinger. „Die Herausforderung dabei ist, eine Wirkung in die Ferne zu erzielen, was aber gut gelang“, sagt Stöffelbauer. Denn es kommt ja nicht so häufig vor, dass man etwa Amtsstuben oder einen Kerker bildlich darstellen muss. 

Klaus Munz

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