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Engagiert sich für Exil-Tibeter: Karin Berger mit einem behinderten Jugendlichen, der durch Patenschaften unterstützt wird, seine Familie und Dawa Dhargye (l.), der Patenschaftssekretär des Klosters Porong.

600 Patenschaften erfolgreich vermittelt

Hilfe zur Selbsthilfe für Exil-Tibeter

Garmisch-Partenkirchen/Farchant - Viele wunderbare Begegnungen sind Karin Bergers Lohn. Den erhält sie seit 25 Jahren für ihr Engagement für Exil-Tibeter. Um diese noch besser unterstützen zu können, hat die Farchanterin jetzt eine Stiftung gegründet.

Erst vor wenigen Wochen war Karin Berger wieder in Nepal. Ein Land, das die 73-jährige passionierte Bergsteigerin aus Farchant vor vielen Jahren bereits als Trekking-Paradies für sich entdeckt hat. Doch schon lange ist dies nicht mehr der Grund für ihre Reisen. Regelmäßig setzt sie sich ins Flugzeug, um zu sehen, welche Früchte ihre karitative Arbeit trägt. Berger hilft im Exil lebenden tibetischen Familien. Das Patenschaft-Projekt, das sie vor 25 Jahren ins Leben gerufen hat und das Kinder, Studenten, Mönche und Nonnen unterstützt, ist ihr „Baby“, sagt sie. 1997 gründete sie zusätzlich den Verein „Tibeter Familien Hilfe“. Das war im schweizerischen Davos, wo Berger viele Jahre lebte und Mode- und Sportboutiquen führte. Erst seit vier Jahren ist die Rentnerin wieder im Werdenfelser Land. Sie ist im Ortsteil Partenkirchen aufgewachsen und lebt heute in Farchant. Ihre Arbeit bei der „Tibeter Familien Hilfe“ will sie hier in Form einer Stiftung weiter fortsetzen. Einen Antrag bei der Regierung von Oberbayern, diese staatlich anzuerkennen, hat sie vor einigen Monaten eingereicht. Mit Erfolg.

Zwei Vorstandsmitglieder aus dem Landkreis und zwei aus der Schweiz vertreten die Stiftung. Seit dem 1. Januar 2017 hat diese ihren Sitz offiziell in Garmisch-Partenkirchen. Gerade wird die Internet-Seite fertiggestellt. Berger weiß, dass die „Initiative Oberland“ in Mittenwald sich ebenfalls für Exil-Tibeter einsetzt, sieht darin jedoch keine Überschneidungspunkte. Die Organisation engagiert sich speziell für Bewohner des Flüchtlingscamps „Mundgod“ in Südindien. Ihre Stiftung kümmert sich um Tibeter in Nepal. Über 600 Patenschaften haben Berger und ihre Mitstreiter bislang erfolgreich vermittelt und 20 Jahre lang die Finanzverwaltung selbst geführt. „Nun ist es einfacher geregelt“, sagt die ehemalige Geschäftsfrau. Die Patenschaftsgelder laufen nicht mehr über die Stiftung zu den Bedürftigen, sondern erreichen diese direkt. „So hat es sich gut bewährt.“

Berger ist es wichtig, dass die Mittel tatsächlich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Dies sei unter der nepalesischen Regierung leider nicht selbstverständlich. Das eigene Konto in Kathmandu – der Hauptstadt Nepals – musste sie vor einigen Jahren auflösen. Nun kümmert sich ein Mitarbeiter der einzigen eingetragenen Nichtregierungsorganisation für Tibeter in Nepal darum, dass die Spenden zu den Menschen in Not gelangen. „Geld, das in unseren Augen sehr wenig erscheint, ist dort viel wert“, betont Berger. Sie weiß auch, dass jeder Cent gebraucht wird. Blickt sie auf die Projekte zurück, die sie auf die Beine gestellt hat, ist sie glücklich. „Wo Not am Mann war, haben wir so gut es geht geholfen.“ Altenheime, Schulen, Krankenhäuser und Flüchtlingscamps in Kathmandu und Pokhare wurden im Laufe der Jahre ebenfalls unterstützt. Und ein Krankenhaus in Kashi – im Osten Tibets – konnte aufgebaut werden. Als nächstes steht die Weiterentwicklung des Dorfes an. Sie will vorrangig „Hilfe zur Selbsthilfe“ geben, betont die Farchanterin. Das wird positiv aufgenommen. „Die Tibeter sind sehr gut organisiert.“ Sie vermutet, dass dies mit deren Kultur und der im Alltag gelebten Religion zusammenhängt.

Seit vielen Jahren ist Berger Buddhistin und dankbar für die vielen „wundervollen Begegnungen“, die sie durch ihre Arbeit machen durfte. Ihr bereits verstorbener spiritueller Lehrer – ein Tibeter, der in der Schweiz im Exil lebte – hat sie dazu inspiriert, diesen Weg einzuschlagen. „Ich bin dadurch geistig gewachsen“, sagt sie und

fügt lachend hinzu. „Auch, wenn man mir das mit meinen 1,70 Metern Körpergröße nicht ansehen mag.“

Weitere Informationen

über das Patenschaft-Projekt gibt’s per Mail an info@tibeterfamilienhilfe-stiftung.org. Die Homepage www.tibeterfamilienhilfe-stiftung.org wird derzeit überarbeitet.

Magdalena Kratzer

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