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Damals noch in der Bauphase: das Landratsamt samt Tiefgarage.

Entscheidung vertagt

Tiefgarage am Landratsamt scheidet die Geister

Umdenken, das fordert Christl Freier – von den Mitgliedern des Kreisausschusses und von den Mitarbeitern des Landratsamts. Deshalb stellt sich die Grünen-Politikerin auch gegen die Erweiterung der Tiefgarage. 

Garmisch-Partenkirchen – Der Auftrag war klar. Die Verwaltung sollte klären, wie viel die Erweiterung der Tiefgarage unter dem Garmisch-Partenkirchner Landratsamt um 39 Plätze kostet. Dazu galt es, eine spätere Bebauung zu berücksichtigen. Diese Aufgabe haben Kreisbaumeister Alkmar Zenger und sein Team gelöst. 1,5 Millionen Euro würden die zusätzlichen Stellplätze kosten, erklärte Zenger im Kreisausschuss. Nachdem überhaupt nicht absehbar ist, wie sich der Bedarf an Büroflächen entwickelt, „sollte eine spätere Bebauung durch ein Gebäude planerisch berücksichtigt werden“. Während dieser Teil Zukunftsmusik ist, schlug er vor, die Parkflächen parallel zur Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes an der Olympiastraße zu errichten. So weit, so gut.

Ein Beschluss darüber erwies sich jedoch schwieriger als gedacht. Denn Christl Freier (Bündnis 90/Die Grünen) verwies auf ihren Antrag zur Mobilitätswende, der zwar im Juli auf der Tagesordnung steht, aber schon jetzt ins Gewicht fiel. „Wir müssen jetzt für die Zukunft entscheiden“, untermauerte Freier. Das bedeutet für sie ganz klar, Abstand von einer Erweiterung der Tiefgarage zu nehmen und stattdessen sinnvolle Lösungen mit dem öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) zu suchen. Nachdem die Gemeinden im Loisachtal und Mittenwald mit dem Zug weitgehend erschlossen sind, regte sie einen Expressbus für Landratsamts-Mitarbeiter im Ammer- und restlichen Isartal an. „Dafür würde es Fördermittel geben.“

Mit diesem Vorschlag stieß sie allerdings im Ausschuss auf wenig Gegenliebe. Peter Imminger (CSU) hielt ihr gar vor, die Leute zu bevormunden. „Sie nehmen ihnen die freie Wahl, ob sie mit dem Auto oder dem Bus fahren wollen. Das geht mit mir nicht.“ Ins gleiche Horn stieß sein Fraktionskollege Wolfgang Bauer, der zudem daran erinnerte, dass in Garmisch-Partenkirchen in nächster Zukunft etliche Parkplätze wegfallen. Neben denen, die etwa an der Chamonixstraße fürs Radverkehrskonzept genutzt werden, dachte er an das Bowling-Areal an der St.-Martin-Straße, auf dem ein Hotel-Neubau geplant ist. „Deshalb wäre es sträflich, die Chance der Tiefgaragen-Erweiterung jetzt nicht zu nutzen“, meinte er. Ungeachtet dessen sah aber auch er die Notwendigkeit, den ÖPNV zu stärken.

Beuting fehlten Zahlen 

Allein darauf zu setzen, wie es Freier vorschlug, hielt Personalratsvorsitzender Klaus Solleder ebenfalls für unrealistisch. „Mindestens die Hälfte unserer Beschäftigten kommt nicht aus Garmisch-Partenkirchen.“ Für die sei es angesichts flexibler Arbeitszeiten beinahe unmöglich, per Bus an die Olympiastraße zu gelangen. Dazu verwies er auf Mütter, die ihren Nachwuchs in den Kindergarten oder in die Schule bringen und auch wieder abholen müssen. All das „wäre mit einem Expressbus nicht zu stemmen“. Somit bat er im Namen der Mitarbeiter darum, die Stellflächen jetzt soweit wie möglich zu erweitern.

Diese Bitte entsprach Rolf Beutings Bauchgefühl. Um darüber entscheiden zu können, fehlten dem Murnauer (ÖDP/Bürgerforum) aber Zahlen, etwa zum Ausbau des ÖPNV-Angebots. Zu klären sei zudem, wie das Landratsamt ohne Pkw zu erreichen ist. „Außerdem wüsste ich gerne, wie wir die Mitarbeiter überzeugen können, nicht mit dem Auto zu kommen.“ Ein Umdenkprozess, den Freier schwierig nennt, den sie aber unbedingt anstoßen will. „Vielleicht brauchen wir dafür auch mehr Dienstfahrzeuge.“

Wenig greifbar fand Hans Baur (Freie Wähler), was auf dem Tisch lag. Daher plädierte er dafür, einen Beschluss auf die nächste Sitzung zu verschieben. Ein Vorschlag, der mit 9:2-Stimmen angenommen wurde. Trotzdem sind Zenger und seine Mitarbeiter bis dahin nicht zur Untätigkeit verdammt. Die Planungs- und Bauleistungen für die Erweiterung der Tiefgarage dürfen sie bis zur Entwurfsplanung bereits jetzt vergeben.

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