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Piste frei für Tourengeher

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Skipist
Skivergnügen abwärts - und aufwärts. Tourengeher dürfen auf die Pisten (Symbolbild). © dpa

Garmisch-Partenkirchen - Endlich herrscht Klarheit: Die Pistensperrungen für Tourengeher im Skigebiet "Garmisch-Classic" sind nicht rechtmäßig. Eine Ausnahme bilden nur Präparierungen.

Dies hat die 22. Kammer des Verwaltungsgerichts München beschlossen. Damit hebelt sie die sicherheitsrechtliche Anordnung des Marktes aus: Ihr zufolge sind Pisten - die Aufstiegsspur ausgenommen - in den Ferien und am Wochenende für Tourengeher tabu. Zwar könnte die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) eine Beschwerde gegen den Entscheid einlegen. Doch das wird sie nicht tun. „Für uns ist die Sache erledigt“, sagt Sprecherin Verena Lothes. „Wir werden keine weiteren rechtlichen Schritte unternehmen.“ Der Verein der Skitourensportler hat also gewonnen. Zumindest auf dem Papier.

Der Streit Pistengeher gegen Pistenbetreiber gärt schon lange. Nicht nur in Garmisch-Partenkirchen, sondern auch am Spitzingsee, Sudelfeld und Brauneck. Die Garmisch-Partenkirchner aber haben ihre Interessen in einem Verein gebündelt, der sich bayernweit zum Streitführer entwickelte. Seit Januar 2011 kämpfen Vorsitzender Robert Herz und Co. um eine zweite Aufstiegsspur im Classic-Gebiet. Eine gibt’s am Hausberg. Eine am Kreuzeck fehlt ihnen. Ihre Wunsch-Variante über die Olympia lehnt die BZB bis heute ab. „Es kommt keine zweite Aufstiegsspur, weil das der Raum nicht hergibt“, betont Lothes. Doch genau dafür werden sich die Tourengeher weiter einsetzen. Herz hofft, dass sich mit einem neuen Gemeinderat wieder etwas bewegt. „Uns reicht eine zweite Spur.“ Dass nun alle kreuz und quer auf Pisten marschieren, das wolle niemand.

Rechtlich spricht nichts dagegen: Tourengeher können nach dem Beschluss jede Piste im Skigebiet jederzeit nach oben marschieren. Nur während der Präparierungen bleiben die Abfahrten geschlossen. Hier folgt das Gericht der Argumentation von BZB und Marktgemeinde: Die Gefahr von Verletzungen sei zu groß. Damit hatten die zwei Parteien auch die übrigen Sperrungen gerechtfertigt: Man wolle Kollisionen zwischen aufsteigenden und abfahrenden Wintersportlern verhindern. Dies aber bewertet das Gericht als „abstrakte Gefahr“, das die umfangreichen Sperrungen nicht rechtfertige.

Es ist bereits die zweite herbe juristische Niederlage, die die BZB einstecken muss. Im November 2013 unterlag sie in höchster Instanz vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Dieser urteilte: Pistensperrungen sind - Präparierungen bilden auch hier eine Ausnahme - nach dem Naturschutzrecht unzulässig, für alle gelte das freie Betretungsrecht der Natur.

Das Naturschutzrecht also half der BZB nicht weiter, nun stand die Sperrung nach dem Sicherheitsrecht auf dem Prüfstand. Die Anordnung der Gemeinde erlaubt das Aufsteigen während des Skibetriebs unter der Woche, nicht aber an Wochenenden und in den Ferien. Doch auch diese Regeln gehen dem Gericht zu weit.

Für das Spitzinggebiet haben die Richter - wenn auch wegen Formfehlern - ein ähnliches Urteil gefällt. Damit sind die Präzedenzfälle geschaffen, vor denen Pistenbetreiber immer gewarnt haben. „Wir blicken mit Sorge in die Zukunft“, sagt Lothes. Die BZB-Sprecherin appelliert an Tourengeher, sich an die DAV-Regeln zu halten, um Unfälle zu vermeiden.

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