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Nach Demo: Tourengeher erwägen Klage

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Etwa 60 Menschen sind am Sonntag in Garmisch-Partenkirchen gegen die Sperrung von Skiabfahrten für Tourengeher auf die Piste gegangen. © Thomas Sehr

Garmisch-Partenkirchen - Eine Demo und kein Friede: Skitourengeher und Bayerische Zugspitzbahn beharren auf ihren Standpunkten. Offenbar muss ein Richter den Streit zwischen Pistengehern und Seilbahnbetreibern beenden.

Er ist ihr Held. Als er die letzten Worte seiner Rede gesprochen hat, jubeln sie, klatschen begeistert. Sie feiern Robert Herz. Den Mann, der ihrem Anliegen eine Stimme gegeben hat: Die Skitourengeher

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„lassen sich nicht aussperren“. Sie demonstrieren für ihr freies Betretungsrecht der Natur: Gestern marschierten sie unter dem Motto „Natur für alle“ im Skigebiet Garmisch-Classic die Olympia-Abfahrt nach oben. Rund 60 Pistengeher waren nach Garmisch-Partenkirchen gekommen. Eine Teilnehmerzahl, mit der Herz, Vorsitzender des Skitourensportlervereins, „superzufrieden“ ist. Aber auch eine Zahl, die die Gegenseite zufrieden stimmt: Peter Huber, technischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), sieht sich damit bestätigt: Es ist nur ein kleiner Teil, der mit der derzeitigen Lösung nicht einverstanden ist.

Diese sieht vor: Eine offizielle Aufstiegsspur ist für Tourengeher im Hausberg-Gebiet ausgewiesen. Die Olympia-Abfahrt dürfen sie nur bis 10 Uhr nutzen. Abgesehen davon sind alle Pisten während des Skibetriebs und der Präparierungsarbeiten für aufsteigende Gäste gesperrt. Die Tourengeher um Herz wollen das nicht akzeptieren. „Die Seilbahnbetreiber bemächtigen sich mit den Sperrungen der freien Natur“, ärgert sich Karl Gottfried aus Unterhaching. „Generell muss es doch möglich sein, dass man am Rand nach oben marschiert, wie seit vielen Jahrzehnten“, pflichtet Tscho Zintel aus Krailling bei.

Das freie Betretungsrecht – Huber schüttelt da nur den Kopf. Er macht eine gewisse „Schizophrenie“ aus: Auf der einen Seite seien Pistenbetreiber für die Verkehrssicherung zuständig. Auf der anderen Seite sollen sie erlauben, „dass jeder tun und lassen kann, was er will“. Er tituliert die Pisten als Sportstätte und beruft sich auf das Hausrecht. Die Demonstration sieht er als Bestätigung dafür, dass die BZB mit den Sperrungen richtig handelt. Denn die Sicherheitsbehörden, also Gemeinde, Landratsamt und Polizei waren zu dem Schluss gekommen: Eine Sperrung der Olympia-Abfahrt während der Demo ist notwendig. „Und dann wird von uns verlangt, dass wir die Situation locker sehen.“

Auch Manfred Scheuermann, beim DAV für das Pistengehen zuständig, hält die Olympia als Aufstiegsspur für zu gefährlich. Garmisch-Partenkirchen ist für ihn „ein Vorzeigebeispiel.“ Denn

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erklärtes Ziel ist es, in allen bayerischen Skigebieten eine Aufstiegsspur auszuweisen. „Das ist vorbildlich umgesetzt.“ Demonstrationsteilnehmer Peter Krieg aus Garmisch-Partenkirchen dagegen „empfindet es als Zumutung“, dass es nur eine Aufstiegsspur gibt. Scheuermann distanziert sich von solchen Forderungen. „Die Tourengeher wollen zu viel.“

Unter anderem verlangen sie von der BZB, die wahren Gründe für die Sperrungen zu nennen. „Wir sind angeblich eine Gefahr“, meint Herz

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ironisch. „Dabei sind wir viel zu langsam unterwegs, als dass wir jemanden umrennen könnten.“ Er betont ausdrücklich: Sperrungen während der Präparierungen seien wichtig ebenso wie das richtige Verhalten der Tourengeher. „Doch sollte die BZB nicht immer den Sicherheitsaspekt vorschieben. In Wahrheit geht es um finanzielle Gründe.“

Das bestreiten die Vertreter der BZB keineswegs. Matthias Stauch, kaufmännischer Vorstand, sagt nur: „Natürlich geht es auch um wirtschaftliche Aspekte.“ Wotan Lichtmeß, stellvertretender Aufsichtratsvorsitzender, bekräftigt: Ziel einer Aktiengesellschaft sei es, das Vermögen des Unternehmens zu mehren.

Die Situation ist festgefahren. Zwar betonen beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft. Von ihrer Haltung aber rückt keiner ab. „Wir kommen an einem richterlichen Spruch wohl nicht mehr vorbei“, sagt Huber. Dieser soll festlegen: Sind die Sperrungen rechtens? Vielleicht wird dies früher entschieden als erwartet. Denn Herz schließt einen Streit vor Gericht nicht aus. „Wir werden alle Rechtsmöglichkeiten ausschöpfen.“

Katharina Bromberger

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