Tourismus: Beuting bekommt Gegenwind

Murnau - Die geplante Kooperation der Ferienregionen Blaues Land und Ammergauer Alpen stößt in der Murnauer Ortspolitik auf heftige Kritik: Mehrere Fraktionen sind mit dem Konzept nicht einverstanden.

Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) bläst beim Thema Tourismus starker Gegenwind ins Gesicht. Die von ihm favorisierte Neuausrichtung, die auf eine enge Zusammenarbeit der beiden großen Ferienregionen Blaues Land und Ammergauer Alpen abzielt, wird von mehreren Fraktionen im Gemeinderat scharf kritisiert - und stößt auf Ablehnung.

Der Tenor: Gegen eine Kooperation sei grundsätzlich nichts zu sagen, nur dürfe Murnau seine Eigenständigkeit nicht aufgeben. Genau das wird befürchtet, sollte das besagte Konzept zum Tragen kommen. „Murnau wäre dann nur noch ein Anhängsel. Wir dürfen den Bereich Tourismus nicht aus der Hand geben“, warnt Freie-Wähler-Chef Welf Probst. Sein Urteil über Beutings Vorstoß fällt hart aus: „Das ist unsinnig.“

Wie bereits berichtet, haben sich die Bürgermeister der insgesamt 15 Orte der beiden Urlaubsregionen auf einen Schulterschluss auf Probe verständigt. Von diesem Bündnis, so das zentrale Argument, könnten alle profitieren. Drei Jahre lang soll ein Kooperationsvertrag vorerst gelten. Wichtigste Veränderung: Die Ammergauer Alpen GmbH, die touristische Marketing-Organisation der sechs Ammertal-Kommunen, soll künftig gegen Rechnung auch die Vermarktung des Blauen Landes managen. Bislang wird dieses von der Murnauer Tourist-Info mitbetreut.

Dem Vorhaben müssen jetzt aber noch die Kommunalparlamente zustimmen. Ohlstadt hat bereits als erste der neun Blaues-Land-Gemeinden sein Okay gegeben. Doch in Murnau als Hauptort dieses Zusammenschlusses sieht es nicht danach aus, dass Rathaus-Chef Beuting für sein Anliegen eine Mehrheit findet. Den Gegnern des Vorhabens gefällt es gar nicht, dass die Stelle des betriebsbedingt gekündigten Tourismuschefs Uwe Prechtl nicht nachbesetzt werden soll. Die Ammergauer Alpen GmbH würde „nur“ eine Art Bereichsleiter Blaues Land einstellen. Dieser wäre die meiste Zeit in Murnau und dem Geschäftsführer des Oberammergauer Betriebes unterstellt.

„Das geht gar nicht“, schimpft Andreas Müssig, Sprecher der CSU-Fraktion. Die Tourismus-Sparte brauche eine Führungskraft, die sich für die Murnauer Belange stark mache. Schließlich handle es sich um ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Man könne diesen Bereich nicht „outsourcen“.

So sieht es auch Elisabeth Hoechner von der SPD. „Ich bin von diesem Konzept nicht begeistert“, sagt die Chefin der Sozialdemokraten im Gemeinderat. Murnau lebe zu einem Großteil vom Geschäft mit den Gästen. Da dürfe man nicht in einem „Einheitsbrei“ untergehen. Die angedachte Zusammenarbeit, etwa gemeinsame Messe-Auftritte, macht ihrer Meinung nach vor allem auf Landkreisebene Sinn. Und dafür sei eigentlich die Kreisentwicklungsgesellschaft zuständig.

Zur Erinnerung: CSU und SPD haben bereits einen Antrag eingereicht, die Prechtl-Stelle wieder zu besetzen.

Aexander Weinhart, Sprecher von „Mehr bewegen“, schlägt etwas moderatere Töne an. Seine Gruppierung sei für neue Konzepte offen. Doch seiner Meinung nach braucht der Tourismus vor Ort eine eigene Leitung.

Rückendeckung erhält Beuting von seiner Fraktion ÖDP/Bürgerforum. Holger Poczka verspricht sich viel von dem angepeilten Bündnis mit den Ammergauer Alpen. Er ist sich sicher: „Das stärkt die gesamte Tourismusregion in unserem Landkreis.“ Statt auf ein „übertriebenes Konkurrenzdenken“ sollte man auf „intelligente Strategien der Kooperation“ setzen. Poczka betont: Murnau wäre in einem neuen Konstrukt kein Anhängsel, sondern ein selbstgewusster Partner auf Augenhöhe.

Nicht einverstanden sind mehrere Gemeinderäte mit der Informationspolitik von Bürgermeister Beuting. Sie werfen ihm vor, das Gremium in Sachen Tourismus-Konzept bislang nicht miteinbezogen und viel zu spät eingeweiht zu haben. Offenbar erhielten die Volksvertreter am Mittwoch per E-Mail einen Entwurf des geplanten Kooperationsvertrages zugeschickt. Am gleichen Tag fand die Pressekonferenz zum Thema statt. „Ich bin außer mir. Das hat es nicht mal bei der CSU gegeben“, ärgert sich Probst. „Diese Vorgehensweise hat nichts mit Transparenz zu tun“, kritisiert Müssig. Dabei habe sich Beuting diese dick auf die Fahne geschrieben. (as)

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