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Ein historischer Tag: Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama im Juni 2015 in Krün hat der Alpenwelt Karwendel weltweit eine unbezahlbare Werbung beschert.

Ernüchternde Übernachtungszahlen

Obama-Effekt bleibt aus

Oberes Isartal - Der G7-Gipfel hat sich auf das Tourismusjahr 2015 nicht positiv ausgewirkt. Trotz einer weltweiten Werbung blieben in der Folgezeit die großen Urlauberströme aus.

Die nackten Zahlen lügen nicht: Die Isartaler Tourismus-Destination Alpenwelt Karwendel konnte 2015 noch nicht vom G7-Gipfel profitieren. Das offenbart die aktuelle Fremdenverkehrsbilanz schonungslos. So schloss man bei den Übernachtungen mit einer schwarzen Null – 1 146 782 statt 1 140 816 – ab. Immerhin: Die Gäste-Ankünfte weisen ein moderates Plus von 3,98 Prozent – 221 052 statt 212 584 – aus.

Eine, die sich für die zweite Jahreshälfte einen Obama-Effekt gewünscht hätte, ist natürlich Sabrina Blandau, die Geschäftsführerin der Alpenwelt-Karwendel-Tourismus-GmbH. Doch auch sie muss konstatieren: „Ein Boom ist nicht ausgebrochen.“ Für das laufende Jahr hofft sie dennoch, dass es „positiver wird – aufbauend auf G7“.

Die einzigen Monate, die 2015 touristisch gesehen aus dem Rahmen fallen, sind der Juli und der November. Letzterer bewegt sich zwar traditionell auf niedrigem Niveau, trotzdem konnten mit 6704 Gäste-Ankünften in dieser Übergangszeit, in der viele Häuser geschlossen haben, Steigerungen von 22,85 Prozent gegenüber 2014 (5457) erzielt werden. Bei den Übernachtungen – 20 988 statt 16 870 – schaffte man in der Alpenwelt ein Plus von 24,41 Prozent. Wobei Mittenwald im Vergleich zu den beiden Partnerorten Krün (plus 18,4 Prozent) und Wallgau (plus 29,88 Prozent) in diesem Fall mit einem Zuwachs von 40,7 Prozent der absolute Spitzenreiter ist.

Dass die Übernachtungs-Bilanz im Obama-Jahr letztlich aber noch mit einer schwarzen Null abgeschlossen werden konnte, liegt in erster Linie am Gäste-intensiven Juli. In diesem ohnehin starken Sommermonat reisten im Oberen Isartal 30 701 Urlauber an – 13,2 Prozent mehr als 2014 (27 165). Bei den Übernachtungen stand gegenüber dem Vorjahr (157 256) mit 172 119 ein Plus von immerhin 9,45 Prozent zu Buche. Gerade das „überproportionale“ Wachstum in Krün – 18 beziehungsweise 14 Prozent – schreibt Tourismuschefin Blandau nicht zuletzt dem unmittelbar zuvor stattgefundenen G7-Gipfel in Schloss Elmau zu. „Das sind schon Indizien.“ Mehr aber auch nicht. Denn um gesicherte Daten zu erhalten, brauchen die Touristiker vor Ort gezielte und flächendeckende Gäste-Befragungen. Die es so in der Alpenwelt Karwendel nicht gibt.

Doch auf die Alleinstellungsmerkmale G7 und Obama wollen Blandau und Co. in der Bewerbung der Region natürlich weiter setzen. Die GmbH-Chefin sieht darin „mittelfristige Entwicklungsmöglichkeiten“. Gleichzeitig betont sie: „Das wird nicht unser Schwerpunkt, aber wir versuchen, darauf aufzubauen.“

In diesem Zusammenhang erwähnt die 35-Jährige noch einmal das G7-Marketing-Konzept, mit dessen Hilfe noch bis Ende April verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Es hat ein Volumen von 260 000 Euro, wobei sich das bayerische Wirtschaftsministerium in puncto Bezuschussung sehr generös zeigte. 75 Prozent des Werbe-Pakets werden vom weißblauen Steuerzahler finanziert.

Mittels des G7-Konzepts werden unter anderem Internetseiten um fremdsprachige Module erweitert, Broschüren modifiziert oder die Online-Werbung im Ausland (Niederlande, Großbritannien oder Italien) intensiviert. Daneben werden obamataugliche Postkarten gedruckt und seit Sommer G7-Wanderungen mit dem auskunftsfreudigen ehemaligen Mittenwalder Kurdirektor Klaus Ronge angeboten. „Das Interesse an dem Thema ist nach wie vor groß“, versichert Blandau. Gerade im Sommer sei die Bierbank, auf der US-Präsident Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Krüner Rathausplatz bei Kaiserwetter ihre Weißwurst verspeisten, ein begehrtes Foto-Motiv gewesen. Doch Urlauber in Scharen hat sie noch nicht angelockt. Christof Schnürer

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