Warnte vor der „Falle Stammgäste“: Ammergauer-Alpen-Chef Jörg Christöphler. Foto: hutter

Tourismus-Chef kritisiert: Zu wenig Vermieter online erreichbar

Oberammergau - Das Internet spielt bei Urlaubsbuchungen eine immer wichtigere Rolle: In den Ammergauer Alpen können Gäste nur mit 63 Prozent der Betriebe im world-wide-web kommunizieren.

Eine klare Ansage an die Beherbergungsbetriebe in der Region richtete der Geschäftsführer der Ammergauer Alpen GmbH, Jörg Christöphler, bei der Bürgerversammlung in Bad Kohlgrub: „Wer online nicht dabei ist, hat sich praktisch vom Markt schon verabschiedet.“ Das Internet spiele bei der Buchung von Urlaubsreisen eine immer größere Rolle, und es gelte, hier den Anschluss nicht zu verpassen.

Lag die durchschnittliche Online-Erreichbarkeit über E-Mail bei den Vermietern des Ammertals 2005 noch bei 38 Prozent, so hat sich dieser Wert bis 2009 auf 63 Prozent gesteigert. Für Christöphler immer noch zu wenig: „Wir brauchen hier 90, 95 Prozent. Das ist mittlerweile in vielen Tourismus-Regionen Standard.“ In Bad Kohlgrub sind derzeit 69 Prozent der Vermieter online erreichbar, in Oberammergau 70 Prozent, und in Unterammergau 52 Prozent. Um die „Affinität“ der Betriebe auf diesem Sektor zu erhöhen, finde eine Vermieterversammlung am 24. März eigens zu diesem Thema statt, kündigte der Geschäftsführer an.

Auch Bad Kohlgrubs Bürgermeister Gerald Tretter richtete einen Appell an die Gastgeber: „Es ist fatal, wenn man im Internet nicht vertreten ist. Gehen Sie in sich!“ Weiter stellte Christöphler fest, dass man den Realitäten im Tourismus heute ins Auge schauen müsse. Der Gast buche immer kurzfristiger, er vergleiche und werde immer anspruchsvoller: „Der Vermieter steht via Internet im globalen Wettbewerb.“

Darüber hinaus gebe es mehr Wettbewerber um weniger Gäste, und die „guten, alten Stammgäste des genügsamen Traditionsmilieus“ würden stetig abnehmen. Dieses Klientel sei von 28 Prozent im Jahre 1986 auf mittlerweile neun Prozent im vergangenen Jahr geschrumpft.“

In einem weiteren Aspekt streifte der Ammergauer-Alpen-Chef noch die Betriebsstruktur von Bad Kohlgrub, und listete hier eine Reihe von Mängeln auf. Bei der Erstellung des Gastgeberverzeichnisses für 2011/12 seien etwa 30 Prozent der gemachten Angaben seitens der Vermiteter zur Klassifizierung nicht korrekt. Ohnehin seien aktuell nur 69 von 196 Betrieben (35 Prozent) klassifiziert. Rund 58 Prozent der Kohlgruber Betriebe, als deutlich über die Hälfte, nehme nach den Worten Christöphlers nicht aktiv an der Vermarktung seitens der GmbH teil. Die Häuser im Hörnledorf seien „weder massenmarktfähig noch im Luxus-Segment“ vertreten, es gebe einen hohen Spezialisierungsbedarf. Ein weiteres Problem in Bad Kohlgrub nach Ansicht des Geschäftsführers: „Mehr als 17 Prozent der Gäste im Ort sind derzeit 65 plus.“ Die einstigen Pfunde wie „Stammgäste“ und „Traditionsmilieu“ könnten sich als Falle erweisen. Noch dazu sieht Jörg Christöphler „Probleme in der örtlichen Infrastruktur und beim Ortsbild.“

Bei all den genannten Aspekten hat der Tourismus-Chef aber trotzdem das Gefühl, „dass sich Bad Kohlgrub bewegt“. Dieser Prozess müsse aber weitergehen, empfahl er in der Bürgerversammlung. Zum Beispiel dadurch, dass im Kurpark die versiegelten, sprich asphaltierten Wege aufgebrochen würden: „Die Leute wollen nicht mehr auf Teerflächen spazierengehen. Die haben sie zuhause auch.“ An die Verantwortlichen vor Ort richtete Christöphler den Appell, „Mutiges und Innovatives zu wagen“. Als Beispiel für den Kurpark schlug er ein „Labyrinth“ vor: „Sowas könnte wirklich witzig sein.“

Ludwig Hutter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Ganz Deutschland berichtet – Satire-Beitrag im Postillon
Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen: Ganz Deutschland berichtet – Satire-Beitrag im Postillon
Corona-Ausbruch durch Superspreaderin in GAP: Weitere Testergebnisse liegen vor - Einwohner weiter verunsichert
Corona-Ausbruch durch Superspreaderin in GAP: Weitere Testergebnisse liegen vor - Einwohner weiter verunsichert

Kommentare