Setzen auf Kooperation: Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (r.) und Ammergauer-Alpen-Geschäftsführer Christian Loth. Foto: Seiler

Tourismus: Schulterschluss auf Probe

Murnau - Der Tourismus im nördlichen Landkreis steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung: Die beiden großen Ferienregionen, die Ammergauer Alpen und das Blaue Land, wollen enger zusammenarbeiten und bei der Vermarktung an einem Strang ziehen.

Entstehen soll ein Bündnis aus 15 Gemeinden mit den beiden Hauptorten Murnau und Oberammergau. Die Ziele: Synergien nutzen und das gesparte Geld in neue Attraktionen für das Urlaubsgeschäft investieren.

Ein erstes Konzept, wie diese Liaison aussehen könnte, stellten im Rahmen einer Pressekonferenz Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) als Vertreter der neun Blaues-Land-Gemeinden und Christian Loth, Geschäftsführer der Ammergauer Alpen GmbH, vor. Die Gesellschaft ist die touristische Marketing-Organisation der sechs Ammertal-Kommunen. Die Botschaft war eindeutig: Beide Regionen ergänzten sich perfekt - und könnten voneinander profitieren. „Wir wollen den Tourismus maßgeblich stärken“, sagte Beuting. Dazu müsse man das „Kirchturmdenken überwinden“. Und Loth meinte zu dem ehrgeizigen Vorhaben: „Das bringt wahnsinnig viele Vorteile.“

Die Ammergauer Alpen GmbH soll, so der Plan, künftig auch die Vermarktung des Blauen Landes managen - und diese Dienstleistung den Gemeinden des Zusammenschlusses in Rechnung stellen. Neu eingestellt werden soll eine Art Bereichsleiter, der die meiste Zeit in Murnau sitzt und Loth unterstellt ist. Es ist vorgesehen, vorerst für eine dreijährige Testphase einen Kooperationsvertrag zu schließen, der das Ganze regelt. Bislang wird das Blaue Land von der Murnauer Tourist-Info mitbetreut.

„Nach außen gibt es keine großen Veränderungen“, betonte Loth. „Die beiden Dachmarken Blaues Land und Ammergauer Alpen bleiben bestehen.“ Es gehe vor allem um interne Abläufe, bei denen vieles im Schulterschluss und damit günstiger erledigt werden könne, ob nun die Weiterbildung der Mitarbeiter, Messe-Auftritte oder die Präsentation in den digitalen Medien. Auch an Ideen für gemeinsame Aktionen mangelt es nicht. Dazu zählen etwa ein Kulturführer, der das Gebiet vom Schloss Linderhof bis zum Freilichtmuseum Glentleiten abdeckt, und kostenlose Busfahrten für Urlauber.

Entschieden ist allerdings noch nichts. Laut Beuting sind sich zwar die Bürgermeister der betroffenen Kommunen einig. Nun müssten aber noch die Gemeinderäte grünes Licht geben. Soviel ist sicher: Dafür wird Überzeugungsarbeit nötig sein. Zumindest in Murnau bahnt sich eine kontroverse Debatte an. Nachdem bekannt geworden war, dass der Markt dem langjährigen Tourismuschef Uwe Prechtl betriebsbedingt gekündigt hatte und eine Neustrukturierung der gesamten Sparte anpeilt, wurden Bedenken laut (wir berichteten). Es wird befürchten, der Staffelsee-Ort könnte als Teil eines größeren Konstrukts Eigenständigkeit einbüßen. Kritiker werfen Beuting vor, das für Murnau wichtige Standbein Tourismus zu unterschätzen.

Der ÖDP-Mann hält die Ängste für unbegründet. Die Tourist-Info bleibe - wie auch in den anderen Orten - als Referat der Verwaltung bestehen. Nur Prechtls Stelle werde nicht nachbesetzt. Die Kooperation mit dem Ammertal sei „innovativ und zeitgemäß“. Und sollte sie nicht klappen, könne man wieder zum alten System zurückkehren. (as)

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