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Sepp Winzinger junior bläst ein eisiger Windins Gesicht.

Kein Problem mit Kritik

Trachtlerchef Winzinger steht zu seinen Äußerungen

Krün - Nach der verbalen Eruption von Sepp Winzinger junior fragen sich jetzt viele, was den Krüner Trachtlerchef zu seiner scharfen Kritik an der Multikulti-Gesellschaft veranlasst hat. Er bleibt bei seiner Meinung.

Ein eisiger Wind bläst derzeit Sepp Winzinger junior ins Gesicht. Viele halten seine drastische Analyse zur deutschen Mulitkulti-Gesellschaft („Heimat in Gefahr“), mit der auch ein Werteverfall einhergehe, für überzogen. Einschlägige Kommentare gerade in den solzialen Netzwerken sprechen dabei eine deutliche Sprache.

Doch der traditionsbewusste 29-Jährige bleibt mehr denn je bei seiner beim Trachten-Jahrtag der Soiernbergler offenbarten Sichtweise. „Ich habe nichts Unrechtes gesagt“, betont Winzinger. „Ich stehe Vollgas dazu.“ Die Kritik halte er aus. Besonders aber freut ihn bei all dem Sturm der Entrüstung der Kommentar einer Muslima. „Die stimmt mir sogar zu“ – und zwar beim Thema religiöse Freiheit. Da könnten sich viele islamisch-geprägte Länder an europäischen Staaten eine Scheibe abschneiden. Liberales Denken gelte auch in Trachtenvereinen. „Wir sind zwar konservativ, aber auch tolerant.“ Eines hasst Winzinger dabei am meisten: „Wenn wir Trachtler in ein politisches Lager gezwängt werden – von ganz bestimmten Parteien.“

Im gleichen Atemzug unterstreicht er: „Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, haben ein Recht auf Asyl.“ Eine, wie er findet, wichtige humanitäre Errungenschaft der Bundesrepublik. Gleichzeitig warnt der Isartaler vor aufkeimendem faschistischen Gedankengut mit dem Hinweis auf die Geschichte der Trachtler, die „in der grausamen Zeit des Nationalsozialismus“ genauso unter Gleichschaltung und Verfolgung leiden mussten.

Doch warum nutzte Winzinger ausgerechnet den traditionellen Jahrtag der Krüner Trachtler, um den Zeigefinger mahnend zu erheben und mit viel Pathos unter anderem zu verkünden: „Tradition ist das Weitergeben des Feuers, aber das Feuer flackert und droht zu erlöschen, weil ein Sturm aufzieht.“ Und der Sturm ist für ihn nichts anderes als umwälzende gesellschaftliche Veränderungen.

„Es war einfach an der Zeit, meinen Standpunkt kundzutun.“ Wohlwissend, dass er sich damit nicht nur Freunde macht. „Meine Kritik zielte gegen Politik und Werteverfall“ – nicht mehr und nicht weniger. Und das könnten 97 Vereinsmitglieder, die im Gasthof Schöttlkarspitz mit großen Ohren da saßen, jederzeit bezeugen.

Christof Schnürer

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