Chaos auf der A8 droht: Autobahn muss nach schwerem Unfall gesperrt werden

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Einmalige Begegnung: Landrat Helmut Fischer schüttelt Papst Johannes Paul II. im Beisein von Kardinal Josef Ratzinger die Hand. foto: privat

Trauer um Altlandrat Fischer

Oberammergau - Er war Vollblutpolitiker, bis zuletzt energiegeladen, Schöngeist und einfach ein feiner Mensch. Am Montag ist Altlandrat Dr. Helmut Fischer (81) völlig unerwartet gestorben. Er wurde mitten aus dem Leben gerissen.

Die Nachricht vom Tod des Oberammergauers traf Bürger wie Wegbegleiter wie ein Schlag. Bis zuletzt war er präsent, auf der Straße, unter Freunden. In den Schlagzeilen. Denn sein Abschied vom Amt 2002 bedeutete noch lange nicht den Ausstieg aus der Politik. Auch als Privatier hat sich Dr. Helmut Fischer nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Im Gegenteil: Er setzte sich äußerst aktiv dafür ein, dass sich sein Heimatort, so wie er es für richtig hielt, weiterentwickelt.

So rief er 2003 mit seinem Bruder Walter eine „unpolitische Aktionsgruppe“ ins Leben, um die mobile Überdachung der Bühne im Passionstheater durchzusetzen. Den Umzug des Rathauses ins Ammergauer Haus hat er mit einem Bürgerbegehren verhindert. 57,2 Prozent der Wahlberechtigten folgten seinen Argumenten. Überraschend für viele, die ihn kannten, war, mit welcher Vehemenz und mit welch’ harten Bandagen er die Pläne von Bürgermeister und Gemeinderat durchkreuzte.

Auch als Landrat hat der CSU-Politiker den Schlagabtausch nie gescheut. Das Naturschutzprojekt Murnauer Moos würde es ohne Fischer wohl nicht geben. Der Erhalt dieser Kulturlandschaft war ihm eine Herzensangelegenheit. Wie ein Missionar zog er durch die Lande, um skeptische Landwirte ins Boot zu holen und auch die Kreisräte zu überzeugen. Im Kreistag hat er zudem die Förderung der vom Aussterben bedrohten Rinderrasse Murnau-Werdenfelser verankert.

18 Jahre lang bekleidete Fischer den höchsten Posten in der Kreisbehörde. Die Sanierung des Klinikums Garmisch-Partenkirchen, die Erweiterung des Staffelsee-Gymnasiums und der Schultausch in Murnau sind mit seinem Namen verbunden. Auch als er das Amt längst abgegeben hatte, hielt er mit seiner Meinung und mit Kritik nicht hinterm Berg. So machte er kein Geheimnis daraus, dass ihn manche Entscheidungen bezüglich der Kooperation des kreiseigenen Krankenhauses mit der Murnauer Unfallklinik schmerzten.

Die Mitarbeiter im Landratsamt schätzten den Chef. Weil er die Umsetzung seiner Vorgaben den Fachleuten anvertraute und das Amt nie ausgenutzt hat. Dass er sich noch nach seinem Ausscheiden mit ihnen verbunden fühlte, wurde jüngst wieder offenkundig: Bei der Beerdigung einer engen Mitarbeiterin stand der Altlandrat am Grab. Wie sehr er sich mit seiner Arbeit und dem Landkreis identifizierte, wurde an seinem Hobby deutlich. Von der Eröffnung der Murnauer Umgehungsstraße bis zur Almbegehung hat er viele Anlässe mit Fotoapparat und Filmkamera selbst dokumentiert. Ebenso die Reisen mit Ehefrau Gertrud. Als Vater zweier Töchter und Großvater dreier Enkel erwies er sich als sehr familientauglich.

Wer Fischer auf sein Politikerdasein reduziert, liegt falsch. Der Oberammergauer in ihm brach durch, wenn er - seit 1950 - im Passionsspiel mitwirkte. In sieben Rollen stand er auf der Bühne, lieferte als Jesus seinen stärksten Auftritt. Noch 2010, mit fast 78 Jahren, agierte er im Hohen Rat. Viele wissen gar nicht, dass Fischer überhaupt kein gebürtiger Oberammergauer ist. Er wurde 1932 in Loppenhausen bei Mindelheim geboren, als drittes von fünf Kindern. Besuchte das Gymnasium in Ettal, absolvierte eine Banklehre. Promovierte als Jurist, wirkte von 1964 bis 1984 als Rechtsanwalt in einer Garmisch-Partenkirchner Kanzlei. Von 1966 bis 1984 saß er in Oberammergau im Gemeinderat, von 1972 bis 1978 als Zweiter Bürgermeister. Ermuntert von Max Streibl, dem späteren Ministerpräsidenten, avancierte er zu einem der versiertesten CSU-Vertreter der Region. Oberammergau ernannte ihn zum Ehrenbürger. Das Land würdigte seinen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz.

Als Mann mit Stil, der oft spröde wirkte, aber in Gesellschaft aufblühte und bei Bürgermeisterfahrten oder am Stammtisch die lustigsten Schwänke zum Besten gab, wird er vielen in Erinnerung bleiben. Nach zwei Tagen im Krankenhaus ist er für immer eingeschlafen.

Von Eva Stöckerl

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