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Der neue Mann an der Bande beim SC Riessersee: Zdenek "Travo" Travnicek.

Travnicek neuer SCR-Trainer

Garmisch-Partenkirchen - Der 43-jährige Tscheche Zdenek Travnicek beerbt beim Eishockey-Zweitligisten SC Riessersee den zurückgetretenen Marcus Bleicher.

Nach mehreren intensiven Telefongesprächen und einem 90-minütigen Treffen am Samstag stand es fest. Zdenek Travnicek ist Nachfolger von Marcus Bleicher, der in der vergangenen Woche nach Unstimmigkeiten mit Ralph Bader, dem Manager des SC Riessersee, zurückgetreten war. Der 43-jährige Tscheche hatte in der vergangenen Saison den Zweitligisten EHC Freiburg trainiert, konnte ihn aber nicht vor dem Abstieg retten. Zuvor hatte er fast fünf Jahre bei den Ice Fighters Leipzig das Sagen. „Wir hatten seit Mittwoch Kontakt. Mir haben seine Vorstellungen, seine Zielstrebigkeit und seine klare Linie imponiert“, sagt Bader, der Travnicek, im württembergischen Weingarten zu Hause, mit einem Ein-Jahresvertrag ausstattete.

Travnicek sieht es „als Ehre für den SC Riessersee arbeiten zu dürfen. Der SCR ist ein Verein mit großer Vergangenheit“. Und er steht in einer Tradition. Mit den Tschechoslowaken Joschi Golonka (Meister 1978), Dr. Jano Starsi (Meister 1981) oder Vladimir Dzurilla war der SC Riessersee in seiner großen Vergangenheit häufiger gut gefahren. Travnicek sieht sich allerdings nicht als Vertreter der tschechischen Eishockey-Schule. Er habe in seiner Karriere – als Verteidiger bestritt er fast 200 Spiele in der Bundesliga und der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für Hedos und Mad Dogs München, die Schwenninger Wild Wings und den Krefeld Pinguinen, zudem stand er bei diversen Zweit- und Drittligisten unter Vertrag – Trainer verschiedener Nationalität gehabt. „Für mich macht’s die Mischung. Ich habe versucht, mir von allem das Beste rauszunehmen.“

Bevor er Bader seine Zusage gab, hatten sich beide Seiten intensiv miteinander auseinander gesetzt. Bader aktivierte sein „Netzwerk“ und zog Erkundigungen ein („Er lebt Eishockey. Ich habe nur Gutes gehört.“), Travnicek, den alle Welt nur „Travo“ nennt, beschäftigte sich intensiv mit seinem neuen Team. Als interessierter Beobachter besuchte er die beiden Riesserseer Testspiele gegen die Tölzer Löwen. Und was er geboten bekam, hat ihm gefallen. Als „junge Mannschaft“ charakterisiert er den Zweitliga-Aufsteiger. Er habe „Eishockey mit Herz“ gesehen und Spieler, die „hart arbeiten wollen, um Erfolg zu haben“.

Bemerkt hat er aber auch, dass am Freitag und Samstag die Beine schwer waren und das Tempo nicht besonders hoch. Für ihn stellt sich die Frage, ob im Training in der vergangenen Woche zu viel oder zu wenig gearbeitet wurde. „Das werde ich bald wissen“, sagt der A-Schein-Inhaber, den Bader gestern Nachmittag der Mannschaft vorstellte. Um 18 Uhr leitete der 43-jährige die erste Übungseinheit. Zwei- bis dreimal pro Tag will er in dieser Woche sein Hauptaugenmerk auf Kondition und Kraft legen, die Spieler aber nicht überfordern. „Ich bevorzuge Qualität, statt Quantität.“ Als Assistent wird ihm weiter Andreas Raubal zu Seite stehen. Der SCR-Abwehrmann, der nach dem Ende der vergangenen Saison die Seite gewechselt hat, behält seinen Job. „Ich arbeite gerne mit einem Co-Trainer“, lässt Travnicek wissen. „Vier Augen sehen mehr als zwei.“

Dass er auf die Zusammenstellung der Mannschaft keinen Einfluss nehmen konnte, dass die finanziellen Zwänge keine renommierten Verpflichtungen zuließen, stört ihn nicht. Ganz im Gegenteil: „Die wirtschaftlichen Gegebenheiten müssen im Vordergrund stehen. Nicht, dass es ab Weihnachten Probleme mit dem Geld gibt. Das ist nicht Sinn der Sache.“ Und er ist sich im Klaren darüber, was von ihm erwartet wird, er die Mannschaft zum Klassenerhalt führen soll. „Der Traum des Trainers ist allerdings ein anderer“, räumt er ein. Wie der aussieht? „Das Erreichen der Playoffs wäre schön.“ Peter Reinbold

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