Der türkische Patient

Murnau - Nach einem Anschlag wird Superstar Ibrahim Tatlises zum zweiten Mal in der Unfallklinik Murnau behandelt

In der Murnauer Unfallklinik patrouillieren wieder Polizisten. Bereits zum zweiten Mal behandeln Ärzte dort den türkischen Superstar Ibrahim Tatlises. Dem Musiker und TV-Moderator war Mitte März in Istanbul mit einer Kalaschnikow in den Kopf geschossen worden, als er ein Fernsehstudio verließ. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen und musste in ein künstliches Koma versetzt werden. Anfang April wurde er bereits ein erstes Mal nach Deutschland gebracht (wir berichteten).

Nun ist er zur Nachbehandlung erneut in der Unfallklinik. Zum Aufenthalt des Türken in Murnau gibt es offiziell nur wenige Informationen. Ein Leitender Arzt des Klinikums bestätigte gegenüber dem Tagblatt, dass Tatlises hier behandelt wird. Wie lange er bleibt, in welchem Zustand er sich befindet, und auf welcher Station er liegt, ist hingegen streng geheim. Zumindest in Deutschland. Deutsch-Türkische Medien berichten, dass der 59-Jährige insgesamt drei Wochen in Murnau bleiben wird und sich einer Kranioplastik unterzieht. Dabei handelt es sich um eine operative Rekonstruktion des Schädels. Zudem veröffentlichte eine Internetseite Informationen, wonach „Ibo“, wie er von vielen Fans genannt wird, in den vergangenen Wochen erhebliche Fortschritte gemacht habe - so könne er wieder Laufen, hätte keine Einschränkungen beim Sprechen oder Singen und treffe sogar bereits wieder Vorbereitungen für ein Konzert. Im Dezember soll zudem ein neues Album auf den Markt kommen.

In welchem Ausmaß Polizeischutz für Tatlises in Murnau notwendig ist, dazu äußert sich das zuständige Polizeipräsdium Oberbayern Süd nicht. „Keine Auskunft“, lautete der kurze Kommentar eines Sprechers. Wahrscheinlich besteht Angst vor einem erneuten Attentat, denn der Kopfschuss war nicht der erste Anschlag auf den Superstar. Bereits im Februar 2006 war Tatlises, der aus dem kurdischen Sanliurfa stammt, bei einer Handgranaten-Explosion in der Hamburger Uni verletzt worden. Die Hintergründe zu den Taten sind unklar. Dem Sänger werden immer wieder Kontakte zur Mafia vorgeworfen. Ob ein Zusammenhang besteht, ist nicht bekannt. Türkische Medien hatten direkt nach dem Anschlag über eine Verwicklung der kurdischen Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) spekuliert.

Tatlises konnte vor knapp zwei Wochen erstmals zum Vorfall im März vernommen werden. Dabei teilte er mit, dass er sich an ein schwarzes Fahrzeug erinnere, das an ihm vorbeifuhr, und dass dann Schüsse auf ihn abgefeuert wurden. Nähere Aussagen hat die türkische Polizei nicht veröffentlicht.

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